16.07.2011 · Die Vergabe des Quadriga-Preises wird in diesem Jahr ausgesetzt. Damit reagiert das Kuratorium auf die Kritik, die die geplante Preisvergabe an den russischen Ministerpräsidenten Putin ausgelöst hatte. Nach Ansicht des Kreml werden die deutsch-russischen Beziehungen von dem Streit nicht beeinträchtigt.
Nach Kritik an der Auszeichnung des russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin hat das Kuratorium des Quadriga-Preises die Preisverleihungen in diesem Jahr komplett ausgesetzt. Damit werden auch die anderen Nominierten dieses Jahres nicht ausgezeichnet, wie das Preiskuratorium am Samstag nach einer Sitzung in Berlin bekannt gab.
Die Quadriga sei „betroffen von der massiven Kritik in den Medien und Teilen der Politik an einer Entscheidung, die die bisherige Praxis der Kooperation und Verständigung aufnimmt und weiterentwickelt“, hieß es in der Erklärung mit Blick auf die Debatte um Putin.
Das Kuratorium hatte noch am Dienstag entschieden, ungeachtet der Kritik an der Auszeichnung für Putin festzuhalten. Nominierte Preisträger für das Jahr 2011 waren neben Putin die mexikanische Außenministerin Patricia Espinosa, die türkischstämmige Autorin Betül Durmaz und der palästinensische Ministerpräsident Salam Fajad. Putin sollte laut Kuratorium „für seine Verdienste für die Verlässlichkeit und Stabilität der deutsch-russischen Beziehungen“ geehrt werden. Diese Entscheidung hatte in den vergangenen Tagen heftige Kritik ausgelöst, insbesondere auch unter Menschenrechtlern. Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir und der Heidelberger Historiker Edgar Wolfrum zogen sich aus Protest aus dem Kuratorium zurück.
Der dänische Künstler Olafur Eliasson hatte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung die Rückgabe seines Preises angekündigt (Siehe: Olafur Eliasson gibt Quadriga-Preis zurück); nach Angaben der „Bild Am Sonntag“ drohte mit dem früheren tschechischen Präsidenten Vaclav Havel der zweite Quadriga-Preisträger mit der Rückgabe der Auszeichnung. Havel habe dem Preis-Kuratorium bis Montag Zeit gegeben, die Preisvergabe an Putin zu überdenken, berichtete die Bild am Sonntag.
Historikerin verteidigt Preisvergabe an Putin
Die Historikerin Margarita Mathiopoulos wies in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ die heftige Kritik an der Verleihung des Preises an Putin zurück. Zwar sei sie als Kuratoriumsmitglied bei den Sitzungen nicht anwesend gewesen, in denen die Entscheidung zur Verleihung des Preises an Putin fiel und hätte sich „bei dieser schwierigen Frage“ enthalten.
Doch äußerte sie Unverständnis über die Diskussion der vergangenen Tage: „Allerdings erstaunt mich der heftig aufgekommene Moralismus von verschiedenen politischen und publizistischen Ecken: Sind wir in dieser Republik nicht auch von Politikern wie Hans Globke, Herbert Wehner oder Joschka Fischer mitregiert worden? Hatten alle drei nicht auch eine kontroverse Vergangenheit? In der Tat ist Wladimir Putin kein 'lupenreiner Demokrat'. Aber auch in lupenreinen Demokratien sind nicht unbedingt alle politisch Verantwortlichen lupenreine Demokraten.“
Nach Ansicht des Kreml werden die deutsch-russischen Beziehungen von dem Streit nicht beeinträchtigt. „Dies hat nichts mit den
deutsch-russischen Beziehungen zu tun“, sagte Putins Sprecher Dimitri Peskow am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Die russische
Regierung werde „alle Entscheidungen dieser Organisation mit Respekt behandeln“.
Der ukrainische Politiker und ehemalige Präsident Wiktor Juschtschenko sagte der F.A.S., dass er stolz sei, den Quadriga-Preis im Jahr 2006 erhalten zu haben. Die Diskussion über die diesjährige Preisvergabe sei in offenen Gesellschaften üblich und gründe darauf, dass es kein Monopol auf die Wahrheit gebe. Als Quadriga-Preisträger habe er kein Recht dazu, sich an der Diskussion zu beteiligen oder die Entscheidung der „verehrten Jury“ in Frage zu stellen.
Wow
Michael Mitzsch (Mutzsch)
- 16.07.2011, 15:53 Uhr
Gremium intellektuell zu schwach
Kurt Baltor (sagbar)
- 16.07.2011, 15:56 Uhr
provinzposse
Detlef Weise (detlef.weise)
- 16.07.2011, 16:45 Uhr
Merkel
Felix H (2029)
- 16.07.2011, 16:57 Uhr
Je preiser gekrönt...
Maria Teresa Grasso (Cantakukuruz)
- 16.07.2011, 17:33 Uhr