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Bischofsernennungen : Heftige Kritik an Abkommen zwischen Papst und Peking

  • Aktualisiert am

Der Papst am Samstag in Litauen Bild: dpa

Die Einigung zwischen dem Vatikan und China über die Ernennung von Bischöfen ist historisch – und höchst umstritten. Vielen Gläubigen geht Papst Franziskus zu weit, es hagelt Kritik.

          Die Enttäuschung ist groß. Von „Ausverkauf“ und einem „undurchsichtigen Deal“ ist die Rede. Und warum wurden die Katholiken in China nicht gehört? Aus den Reihen der Kirche hagelt es heftige Kritik an dem historischen Abkommen zwischen dem Papst und Peking über die Ernennung von Bischöfen in China.

          Erstmals erkennt Franziskus die Autorität der kommunistisch geführten „Patriotischen Vereinigung“ an. Diese Staatskirche erlaubt ihm ihrerseits allerdings nicht, wie anderswo als höchste Instanz die Bischöfe allein auszuwählen. Ob ihm jetzt zumindest eine Mitsprache in China eingeräumt wird, ist offen. Es bleibt vorerst eine Geheimabsprache.

          Der Streit schwelt seit Jahrzehnten

          Ausgerechnet in einer Phase verschärfter politischer und religiöser Unterdrückung in China mache der Papst gemeinsame Sache mit der kommunistischen Führung, beklagen die Kritiker. Ein Priester fragt sich, ob die Katholiken in China künftig ein noch „schwereres Kreuz“ tragen müssten. Die Verhandlungen hätten ihre Stimme und „die Wirklichkeit des Glaubens, aller Arten der Verfolgung“ völlig ignoriert, schreibt der Priester in einer Kritik im Internet, die von der chinesischen Zensur schnell wieder gelöscht wird.

          Kontrolle, Verfolgung und Zerstörung von Kirchen – das ist Realität für viele Christen in China. Von den mehr als zehn Millionen Katholiken im Land entzieht sich nach Schätzungen mehr als die Hälfte der Kontrolle des Staates und steht loyal zum Papst, wofür viele hohe persönliche Opfer erbracht haben.

          Der Streit reicht Jahrzehnte zurück. Nach ihrer Machtübernahme in Peking im Jahr 1949 brachen die Kommunisten die Beziehungen zum Vatikan ab und gründeten die „Patriotische Vereinigung“. Priester und Ordensschwestern, die dieser Staatskirche nicht beitreten wollten, wurden inhaftiert, geschlagen und manchmal umgebracht. Wer dem Papst die Treue hielt, musste in den Untergrund flüchten.

          Diese Spaltung in eine „offizielle“ Kirche und eine im Untergrund aufzuheben, ist das Ziel von Franziskus. So ruft er mit dem Abkommen alle Katholiken in China dazu auf, „eine brüderlichere Zusammenarbeit“ zu pflegen. Im „Vogelkäfig“, ohne Freiheit, wie der Hongkonger Kardinal Joseph Zen sagt. Der scharfe Kritiker der Annäherung des Vatikans an Peking hat schon früh „Verrat“ gewittert. Er befürchtet nur noch mehr Kontrolle: „Mit der Vereinbarung kann die Regierung den Katholiken sagen: Gehorcht uns! Wir haben eine Vereinbarung mit dem Papst!“

          „Das 9/11 der Kirche“

          Der Zeitpunkt der Verkündung ist auch etwas fragwürdig. Wurde er gewählt, um die Reaktionen zu dämpfen? In China wird mit einem langen Wochenende das Mondfest gefeiert. Der Papst wiederum ist gerade außer Haus, er reist durch das Baltikum. Die Nachrichten beherrscht dann aber China und nicht der Besuch in Litauen, Lettland und Estland. Warum Franziskus jetzt ohne Not mit China vorprescht, ist ein Rätsel.

          Der 81-Jährige durchläuft die wohl schwerste Phase seines Pontifikats. Erzkonservative Gegner zielen aus dem Hinterhalt auf den Argentinier, der ihnen viel zu modern ist und ihrer Ansicht nach die Zukunft der Kirche gefährdet.

          Im Zentrum steht der italienische Erzbischof Carlo Maria Viganò, der dem Papst sogar Vertuschung von Missbrauch vorwirft und seinen Rücktritt forderte. Nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in anderen Ländern brechen Skandale über pädophile Geistliche wieder auf. Der Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikt XVI., Georg Gänswein, sieht die Sexskandale gar als das „eigene 9/11“ der Kirche und vergleicht sie so mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten. Und der Papst steht in der Kritik als einer, der nicht genug dagegen tut.

          „Das falsche Signal zur falschen Zeit“

          Während es überall sonst brennt, streckt der Papst seine Hände nach China aus. Er war noch nie im Reich der Mitte. Vor vier Jahren hat ihm Peking den Überflug auf dem Weg nach Südkorea erlaubt. Demnächst will er auch landen – vielleicht schon im nächsten Jahr, wenn er nach Japan fliegen soll. Aber wie kann der Papst über die mangelnde Religionsfreiheit schweigen, fragt sich Porson Chan vom Bistum Hongkong. „Der Vatikan sollte zumindest die chinesische Regierung auffordern, alle festgenommenen und vermissten Bischöfe und Priester freizulassen, und aufhören, sie zu belästigen.“ Etwa 30 papsttreue Bischöfe im Untergrund bleiben auch ihrem Schicksal überlassen.

          „Das Abkommen ist das falsche Signal zur falschen Zeit“, sagt Ulrich Delius von der Göttinger Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). „Die katholische Kirche willigt in ihre Gleichschaltung in Chinas kommunistisches Regierungssystem ein.“ Die chinesische Führung sei der große Gewinner, ohne Garantien für Glaubensfreiheit zu geben, sagt Delius. Der Vatikan unterwerfe sich ihren Vorgaben – „und wäscht sie von jedem Verdacht religiöser Verfolgung rein“.

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