31.08.2011 · Enthüllungen über den sexuellen Missbrauch durch Priester und dessen systematische Vertuschung spülen hinweg, was in Jahrhunderten aufgebaut worden ist. Der Katholizismus in Irland liegt darnieder.
Von Daniel Deckers, DublinPünktlich vor dem alljährlichen Umzug von Papst Benedikt XVI. in die Sommerresidenz Castel Gandolfo verbreitete der „Vatican Information Service“ Ende Juli eine Chronik der „Höhepunkte“ seines Pontifikats in den zurückliegenden Monaten: Reisen und Audienzen, Ansprachen, Gottesdienste und Grußbotschaften, selbst Todesnachrichten, alles in allem eine mehrere Dutzend Positionen umfassende Chronik des sechsten Jahres des mittlerweile 84 Jahre alten Oberhaupts der römisch-katholischen Kirche. Ein Wort tauchte unter den Höhepunkten zu Recht nicht auf: „Irland“. Denn am 25. Juli waren diese Beziehungen zwischen dem Vatikan und der Republik Irland auf dem Tiefpunkt angekommen: Der Botschafter des Heiligen Stuhls in Dublin, Nuntius Giuseppe Leanza, war zu „Konsultationen“ in den Vatikan einbestellt worden.
Wenige Tage zuvor hatte Ministerpräsident Enda Kenny während der letzten Sitzung des irischen Unterhauses vor der Sommerpause den Vatikan mit Vorwürfen überzogen. Sie gipfelten in der Aussage, Rom pflege nach wie vor eine „dysfunktionale, abgehobene, elitäre und narzisstische Kultur“. Als Kronzeuge dieses Verdikts diente dem Fine-Gael-Politiker, der das Amt des „Taoiseach“ im März nach einer herben Niederlage der langjährigen Regierungspartei Fianna Fail übernommen hatte, Joseph Kardinal Ratzinger: „Regeln und Verhaltensweisen einer Gesellschaft oder einer Demokratie können nicht einfachhin auf die Kirche übertragen werden.“ Diesem Satz des Kardinals - seit April 2005 unter dem Namen Benedikt XVI. Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche - setzte der Ministerpräsident entgegen: „Solange es um den Schutz von Kindern in diesem Staat geht, können und werden wir die Regeln und Verhaltensweisen, die die Kirche für sich als angemessen betrachtet, nicht auf die Gesellschaft und Demokratie dieses Landes übertragen.“
Auf Hochglanz polierte Außenseite
Das Echo auf die Anwürfe Kennys, eines praktizierenden Katholiken, war ganz anders als die öffentliche Reaktion auf die Ermahnung, die Bundeskanzlerin Angela Merkel im Winter 2008 nach der Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der Pius-Bruderschaft an Papst Benedikt XVI. gerichtet hatte. Frau Merkels Intervention erfuhr mehr Kritik als Zustimmung, doch in Irland wurde nach der Attacke Kennys kein Unmut laut.
„Der Taoiseach hat vielen Iren aus der Seele gesprochen“, sagt Gerry O'Hanlon SJ, ein ehemaliger Provinzialoberer der irischen Jesuiten. Und das, obwohl die katholische Kirche in Irland untrennbar mit dem jahrhundertelangen Widerstand gegen die britischen Besatzer verbunden ist und es die Kirche war, die in dem lange Zeit bitterarmen Land an der Peripherie Europas Schulen ins Leben gerufen, das Sozialwesen aufgebaut und für das Wohl der Kranken und Alten Sorge getragen hat. Und waren nicht die katholischen Bischöfe in Irland unter den Ersten weltweit, die sich dem Problem sexueller Übergriffe von Geistlichen auf Kinder und Schutzbefohlene stellten und Abhilfe schufen?
Bereits im Jahr 1996 haben die Bischöfe der 26 Bistümer in der Republik Irland sowie im britischen Nordirland bekundet, jeden Verdacht sexueller Übergriffe von Geistlichen auf Kinder und Jugendliche der Polizei und den zuständigen Gesundheitsbehörden melden zu wollen. Die Konferenz der Ordensoberen schloss sich dieser Maßgabe an. Vier Jahre später riefen die Bischöfe sogar eine Kommission zum Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt ins Leben. Doch das ist nur die auf Hochglanz polierte Außenseite einer Geschichte, deren Innenseite sich als umso grauenvoller erwiesen hat.
Der Fall Brendan Smyth löste eine Regierungskrise aus
Denn mittlerweile haben drei staatliche Kommissionen Berichte vorgelegt, in denen das Gebaren von Bischöfen, aber auch von Polizei sowie Justiz- und Gesundheitsbehörden angesichts hundert-, wenn nicht tausendfacher sexueller Gewalt einer akribischen Analyse unterzogen wird. Ein vierter Bericht, der sogenannte Ryan-Report, befasst sich mit der Rolle der katholischen Kirche im Erziehungswesen. Das Fazit der vier Berichte ist jeweils das gleiche: „Die Schlüsselrolle der katholischen Kirche in allen Lebensbereichen dürfte die entscheidende Ursache dafür gewesen sein, dass eine Minderheit ihrer Mitglieder tun und lassen konnte, was sie wollte.“
Sich an Kindern und Jugendlichen nach Gutdünken vergehen konnten sich Diözesanpriester und Ordensleute aber nur, weil Bischöfe sie bis vor kurzem nur in Ausnahmefällen vor der kirchlichen Gerichtsbarkeit zur Rechenschaft zu ziehen versuchten. Auch Polizei und Justiz blieben oft untätig. Das Risiko, das die Täter im Schutz der Soutane eingingen, war gering. Freilich hielt der wohlwollende Umgang mit Verbrechern in den eigenen Reihen die Bischöfe nicht davon ab, sich als Hüter der öffentlichen Moral zu gebärden. Sie standen dafür, dass Frauen mit der Heirat den öffentlichen Dienst verlassen mussten (bis 1973), dass niemand Zugang zu Empfängnisverhütungsmitteln hatte (Kondome durften erst von 1985 an verkauft werden, und das nur an Personen im Alter von mehr als 18 Jahren), dass Frauen wegen eines unehelichen Kindes aus dem Schuldienst entlassen wurden, dass homosexuelle Handlungen bis 1993 verboten blieben und Ehen bis 1995 nicht geschieden werden konnten, von dem Verbot von Abtreibungen selbst nach einer Vergewaltigung Minderjähriger gar nicht zu reden.
Von dieser Doppelmoral wüsste die Öffentlichkeit noch heute wenig, hätte es nicht den Fall Brendan Smyth gegeben. Der Ordensmann war 1991 in Nordirland unter dem Vorwurf massiver sexueller Übergriffe auf Kinder und Jugendliche verhaftet und auf Kaution freigelassen worden. Der nordirischen Justiz entzog er sich durch Flucht in die Republik Irland, wo er sich fast drei Jahre unbehelligt bewegen konnte. Die Dubliner Staatsanwaltschaft verschleppte derweil das Auslieferungsersuchen der „feindlichen“ nordirischen Behörden. Immerhin brach über diesen Fall in Dublin eine Regierungskrise aus, die im Dezember 1994 mit dem Bruch der Koalition aus der ewigen Regierungspartei Fianna Fail und Labour endete.
Das Ergebnis war niederschmetternd
Die irischen Bischöfe traten die Flucht nach vorne an. Sie billigten Richtlinien („Framework Decision“) zum Umgang mit Verdachtsfällen und verpflichteten sich, im Verdachtsfall die staatlichen Behörden zu informieren. Was sie die Öffentlichkeit wissen ließen: Unter dem Eindruck einschlägiger Verfehlungen katholischer Geistlicher in den Vereinigten Staaten hatten die meisten Bistümer schon Ende der achtziger Jahre Versicherungen für den Fall abgeschlossen, dass Schadensersatzprozesse wegen sexueller Gewalt Geistlicher auf sie zukämen. Was die Öffentlichkeit nicht wissen sollte: Einerseits waren die Bischöfe mit der Selbstverpflichtung, jeden Verdacht der Polizei und der zuständigen Gesundheitsbehörde zu melden, über die gesetzlichen Vorgaben hinausgegangen, denn im Parlament war die Einführung einer gesetzlichen Meldepflicht wenige Jahre zuvor abgelehnt worden. Andererseits gab es keine Möglichkeit, die Einhaltung dieser Selbstverpflichtung zu überprüfen. Es blieb den Bischöfen überlassen, wie sie die Richtlinien anwendeten.
Welches Risiko für Kinder und Jugendliche mit diesem Arrangement verbunden war, sollte die Öffentlichkeit erst gut zehn Jahre später erfahren. Im Oktober 2005 veröffentliche die irische Regierung den „Ferns-Report“, benannt nach der gleichnamigen römisch-katholischen Diözese unweit von Dublin. Ausgehend von annähernd hundert Fällen mutmaßlicher sexueller Gewalt im Zeitraum von 1966 bis 2005, in die insgesamt 21 Priester verwickelt waren, hatte eine dreiköpfige Regierungskommission seit dem Jahr 2003 ermittelt, wie die jeweiligen Bischöfe dort reagiert hatten. Das Ergebnis war niederschmetternd. Von einer „Kultur des Verschweigens“ war die Rede, dazu von der Angst, in schlechtem Licht zu erscheinen, sollten sexuelle Übergriffe Geistlicher publik werden: „Die Bischöfe haben die Interessen der Kirche über das Wohl der Kinder gestellt.“ Im Detail mussten sich die Bischöfe Herlihy (bis 1980) und Comiskey (bis 2002) vorhalten lassen, Priester, die sich an Kindern vergangen hatten, in der Regel in eine andere Pfarrei oder eine andere Diözese abgeschoben, bestenfalls in psychologische Behandlung geschickt zu haben. Nicht ein Geistlicher wurde an der Ausübung seines Priesteramtes gehindert oder gar von der Justiz zur Rechenschaft gezogen - und das, obwohl Bischof Comiskey mehrere Verdachtsfälle der Polizei zur Kenntnis gebracht hatte.
„Nicht fragen, nichts sagen“
Wenige Monate nach der Veröffentlichung des Ferns-Berichts machte sich eine neue Kommission an die Arbeit, diesmal in der Hauptstadt Dublin. Es dauerte drei Jahre, bis Hunderte Akten mit insgesamt 70000 Seiten ausgewertet und alle Gespräche mit verantwortlichen Klerikern geführt worden waren. Das Fazit des nach seiner Vorsitzenden, Richterin Yvonne Murphy, genannten „Murphy-Reports“ unterschied sich kaum von dem des Ferns-Berichts: „Die Kommission zweifelt nicht daran, dass die Erzdiözese Dublin und andere kirchliche Einrichtungen den sexueller Missbrauch von Kindern während des größten Teils des fraglichen Untersuchungszeitraums verschleiert haben.“
Über die Ursachen dieses skandalösen Befundes waren sich die drei Mitglieder der Untersuchungskommission einig: „Die Strukturen und Regeln der katholischen Kirche begünstigten die Verschleierung, ebenso staatliche Autoritäten, weil sie ihre Aufgabe nicht wahrnahmen, dem Recht allgemein Geltung zu verschaffen, und es den kirchlichen Einrichtungen ermöglichten, außerhalb der Reichweite der staatlichen Strafverfolgung zu agieren.“ Doch nicht nur das staatliche Recht wurde von den Dubliner Bischöfen ignoriert. Gleiches galt für das Kirchenrecht - und das, obwohl viele Geistliche in der Bistumsleitung Kirchenrechtler waren, manche zudem auch Jura studiert hatten. Die Maxime sei gewesen: „Nicht fragen, nichts sagen“ - und das, obwohl Kindesmissbrauch im Kirchenrecht eine Straftat ist, in religiöser Sprache eine Sünde und im staatlichen Recht ein Verbrechen, wie es in einem der Berichte heißt.
Denkblockaden und -verbote
Wut, Scham, Enttäuschung - die Veröffentlichung des Murphy-Berichts war eine Zäsur in der irischen Geschichte. Denn er stellte die Dubliner Erzbischöfe von John Charles McQuaid über Dermot J. Ryan und Kevin McNamara bis Desmond Connell als Heuchler bloß, die seit den vierziger Jahren in allen politisch-kulturellen Konflikten Irlands in vorderster Front gestanden hatten. Zugleich ließ der Murphy-Report auch das Verhalten des Vatikans in trübem Licht erscheinen: Mehrere Schreiben an die vatikanische Glaubenskongregation und an den päpstlichen Botschafter (Nuntius) in Dublin mit der Bitte um Überlassung von Unterlagen waren ohne Antwort geblieben. In seiner Juli-Rede ging Ministerpräsident Kenny auch auf diese Verweigerungshaltung ein.
Mit dem Tadel Ratzingers lag Kenny indes daneben. Schon als Präfekt der Glaubenskongregation hatte Ratzinger seit den späten neunziger Jahren alles getan, was in seiner Macht stand, um dem weiteren Wachstum der „Sünde in der Kirche“ Einhalt zu gebieten. Auch nach der Veröffentlichung des Murphy-Berichts reagierte der Papst entschlossener als viele seiner Ratgeber. Im Februar 2010 wurden alle irischen Bischöfe zu Gesprächen nach Rom zitiert. Dann schrieb das Kirchenoberhaupt jenen aufsehenerregenden „Brief an die irischen Katholiken“. Das Echo auf den Brief war zwiegespalten. Einerseits schrieb der Papst: „Nur entschiedenes Vorgehen, das in vollkommener Ehrlichkeit und Transparenz erfolgt, werden den Respekt und das Wohlwollen des irischen Volks gegenüber der Kirche, der wir unser Leben geweiht haben, wiederherstellen.“ Dass die Säkularisierung und eine falsch verstandene Erneuerung der Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil die jahrzehntelange sexuelle Gewalt begünstigt haben sollen, wie der Papst in seinem Brief nahelegte, erboste dann aber vor allem jene Katholiken, die weniger in der Öffnung der Kirche gegenüber der Moderne ein Problem sehen als in den vielen von Rom propagierten Denkblockaden und -verboten, die sich durch die jüngste Kirchengeschichte ziehen.
Anzeigepflicht unvereinbar mit dem Kirchenrecht
Immerhin gab Kardinal Sean Brady, Erzbischof von Armagh und Vorsitzender der Bischofskonferenz, bald darauf die Parole vom „strukturierten Dialog“ aus, um den Aufruhr, der weite Teile des Kirchenvolks erfasst hatte, in geordnete Bahnen zu lenken. Doch Brady stand mittlerweile in der Kritik. In den siebziger Jahren war er dabei, als zwei Missbrauchsopfer jenes Brendan Smith zum Schweigen gebracht wurden, dessen Treiben erst die nordirische Justiz Jahre später ein Ende setzte.
Im Juli dann der vorläufige Tiefpunkt. Auf Veranlassung von Ian Elliott, der sich im staatlichen wie im kirchlichen Bereich auf dem Feld des Kinderschutzes einen Namen gemacht hatte und seit dem Jahr 2007 den Vorsitz des von der katholischen Kirche getragenen „National Board for Safeguarding Children in the Catholic Church“ innehat, war im Januar 2009 abermals eine staatliche Untersuchungskommission ins Leben gerufen worden. Die Kommission, die abermals unter der Leitung von Richterin Murphy stand, sollte dem Hinweis nachgehen, in der Diözese Cloyne sei es auch nach der Selbstverpflichtung aus dem Jahr 1995, alle Verdachtsfälle der Polizei und den Gesundheitsbehörden zu melden, zu Unregelmäßigkeiten gekommen.
Der Bericht, den die Kommission im Juli vorlegte, war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Nicht deswegen, weil der Cloyner Bischof John Magee Sekretär dreier Päpste gewesen war, zuletzt von Papst Johannes Paul II.; auch nicht, weil Magee selbst in den begründeten Verdacht geriet, übergriffig geworden zu sein; und letztlich auch nicht deswegen, weil Magee und sein für Missbrauchsfälle zuständiger Bischofsvikar Denis O'Callaghan die Selbstverpflichtung systematisch ignoriert hatten, obwohl es viele Vorfälle gegeben hatte, in denen ein Eingreifen der Justiz geradezu zwingend gewesen wäre.
Nein, was nun auch die letzten Gutwilligen einschließlich des Ministerpräsidenten gegen die Kirche aufbrachte, war der Umstand, dass Magee und O'Callaghan, der sich in den siebziger Jahren als progressiver und „pastorale“ Lösungen suchender Theologe einen Namen gemacht hatte, guten Gewissens hatten handeln können. Am 31. Januar 1997 nämlich hatte die vatikanische Kleruskongregation unter Leitung des Kardinals Darío Castrillón Hoyos durch Nuntius Luciano Storero in Dublin die irischen Bischöfe wissen lassen, dass sie die Anzeigepflicht für unvereinbar mit dem Kirchenrecht halte. Das „Framework Document“ binde daher keinen Bischof. Diese wiederum ließen das die Öffentlichkeit nicht wissen, sondern beließen diese in dem Glauben, sich an die selbstgesetzten Regeln zu halten.
Viele Iren sind mit der Kirche „einfach fertig“
Ein Monat ist seit der aufsehenerregenden Rede Kennys vor dem Unterhaus vergangen. In Zeitungen und Zeitschriften wird über die Trennung von Staat und Kirche und die Auswirkungen des neuerlichen Skandals auf das Verhältnis von Regierung und Vatikan räsoniert. Am Montag warf Kardinal Brady der Regierung nun vor, das Beichtgeheimnis aushebeln zu wollen. Jeder Vorschlag, der die Unantastbarkeit des Beichtgeheimnisses untergrabe, richte sich gegen „das Recht jedes Katholiken auf Religions- und Gewissensfreiheit“, beklagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz mit Blick auf einen Gesetzentwurf, nach dem Geistliche jeden Verdacht auf Kindesmissbrauch bei der Polizei melden müssten - selbst dann, wenn sich dieser Verdacht aus Beichtgesprächen ergeben sollte. Das Justizministerium reagierte prompt und scharf auf die Äußerung des Kardinals: Das geplante Gesetz werde ohne Rücksicht auf „interne Regeln religiöser Gruppen“ umgesetzt.
Der Jesuit Gerry O'Hanlon verhehlt nicht seinen Eindruck, dass die meisten Bischöfe in Irland Autorität und Vertrauen nach innen wie nach außen womöglich unwiederbringlich verloren haben. Ansätze eines Neubeginns sind nicht in Sicht. Die Idee einer nationalen Synode etwa hat in der Bischofskonferenz kaum Befürworter. Selbst der Dubliner Erzbischof Diarmuid Martin, der mit den Machenschaften seiner Vorgänger nichts zu tun hat und nicht wenigen Iren als Hoffnungsträger gilt, scheint jedes Projekt abzulehnen, an dem Laien und Geistliche gleichermaßen beteiligt wären.
Aussichtslos auch die Hoffnung nach einer stabilisierenden Rolle der Kirche in Politik und Gesellschaft Irlands. Erst allmählich kommen die Folgen der Bankenkrise und des Endes des Immobilienbooms zum Vorschein. Im Herbst muss die neue Regierung Entscheidungen über schmerzhafte Einsparungen in den öffentlichen Haushalten treffen. „Wie sollte die Kirche im Namen der Gerechtigkeit ihre Stimme erheben können, wenn ihre eigenen Verhältnisse völlig ungerecht sind“, gibt O'Hanlon zu bedenken. „Viele Iren sind mit der Kirche einfach fertig“, sagt der Ordensmann. Sie fühlen sich nicht nur von den Politikern verraten, sondern auch von der Kirche.
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Daniel Deckers Jahrgang 1960, in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.
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