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Kandidaten „Allawi ist der Star, Sistani hat das Drehbuch geschrieben“

13.01.2005 ·  Der Medienmann und der Volksheld: Während Ijad Allawi seinen Landsleuten vor den Wahlen medienwirksam so ziemlich alles verspricht, gibt Großayatollah al Sistani den volkstümlichen Helden der Straße.

Von Sam Dagher und Salwan Binni, Bagdad
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„Haben Sie sich beim Verteidigungsministerium beworben?“, fragt der irakische Übergangsregierungschef Ijad Allawi seinen arbeitslosen Gesprächspartner. „Ja, aber ohne Erfolg“, antwortet der frühere Offizier der Armee von Saddam Hussein. „Schicken Sie mir ihren Lebenslauf, Fotos und einen Bewerbungsbrief und ich werde ihn weiterleiten.“

Mit Blick auf die Wahlen zur Nationalversammlung am 30. Januar verspricht der Regierungschef seinen Landsleuten so ziemlich alles: Sicherheit, Freiheit und Demokratie. Und Arbeit, wie in dieser Wahlkampf-Fernsehsendung, in der Anrufer am Montag ihre Sorgen beim Regierungschef loswerden konnten.

Niemand entkommt dem allgegenwärtigen Allawi

Fast niemand im Irak entkommt in der heißen Endphase des Wahlkampfes dem allgegenwärtigen Allawi. Um aus dem Gewimmel der hundert Parteien, die sich für die Parlamentswahl bewerben, hervorzutreten, verfügt der Regierungschef über ausreichende Mittel.

So läßt er Anzeigen in Zeitungen und Werbespots in den beiden am meisten gesehenen Satelliten-Fernsehsendern Al Arabija und Al Scharqija schalten. In seiner Anruf-Sendung „Begegnung mit einem Verantwortlichen“ im populären TV-Sender Al Irakija hörte sich der Staatsmann von Beschwerden über das Abwassersystem bis hin zu Klagen über das aggressive Verhalten der amerikanischen Soldaten auf der Straße alles an - so auch die Sorgen des arbeitslosen Offiziers.

Sistani-Plakate hängen an überall an den Mauern

Mindestens genauso präsent wie der Regierungschef ist im Wahlkampf allerdings der einflußreiche schiitische Großayatollah Ali Sistani. Während Allawi die Macht der Medien nutzt, gibt Sistani den volkstümlichen Helden der Straße. Mit Ausnahme einiger Wohnviertel der sunnitischen Minderheit hängen seine Plakate überall auf Mauern, Brücken und Baumstämmen. In Bagdad und im schiitischen Zentral- und Südirak wirbt der Mann mit dem schwarzen Turban und dem weißen Bart mit seinem Konterfei für die Teilnahme an den ersten demokratischen Wahlen des Irak - und für die Wahl der Schiitenparteien.

Zwar nimmt der Großayatollah nicht selbst an den Wahlen teil, aber er unterstützt die „Vereinigte irakische Allianz“. Darin haben sich die größten schiitischen Parteien zusammengeschlossen, von denen einige für die Errichtung eines islamischen Gottesstaates eintreten. „Ja zur Vereinigten irakischen Allianz“, heißt es auf einem Transparent an einer Bagdader Moschee. Auf dem rosafarbenen Spruchband leuchtet über einer Irak-Karte ein weißer Halbmond; darüber sind ein Sistani-Porträt und eine Urne abgebildet. „Die Wahlen stehen für Sicherheit und Stabilität“, heißt die Botschaft.

„Sicherheit ist wichtiger als Freiheit“

Mit diesen Schlagworten will auch der schiitische Laizist Allawi die Iraker überzeugen. Erst am Dienstag kündigte er an, er wolle die Truppenstärke mehr als verdoppeln und den Verteidigungshaushalt erhöhen. In einem Werbefilm, der auf Al Arabija und El Al Scharqija gezeigt wird, spielt Allawi auf seinen gelernten Chirurgen-Beruf an und präsentiert sich als Heilsbringer: „Wenn Sie ein medizinisches Examen machen, legen Sie einen Eid ab, daß sie den Menschen helfen und deren Leid mindern wollen. Deshalb können wir der Ungerechtigkeit und der Tyrannei im Irak nicht tatenlos zusehen“, sagt Allawis Stimme, während Bilder von weinenden Frauen und Kindern über den Bildschirm flimmern sowie von Soldaten, die Särge mit ihren getöteten Kameraden tragen.

Nach Ansicht des Fernsehmoderators Assam Saleh ergänzen sich der Regierungschef und der religiöse Schiitenführers prächtig: „Allawi ist der Star, und Sistani hat das Drehbuch geschrieben“, sagt er. Er selbst werde für Allawi stimmen. Politiker wie der irakische UN-Botschafter Samir el Sumaidai, der als sunnitischer Laizist Wahlkampf macht, können beim 47 Jahre alten Fernsehmann Saleh nicht punkten: Die Parole „Freiheit, Ordnung und Sicherheit“ setze die Prioritäten in der falschen Reihenfolge, bemängelt er. Schließlich sei Sicherheit wichtiger als Freiheit.

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