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Kampfeinsätze verringert Nato will in Afghanistan nur noch beraten

 ·  Die Nato zieht sich aus der Führung von Militäreinsätzen in Afghanistan zunehmend zurück. Einem neuen Konzept zufolge soll es nun mehr als 300 Beraterteams für die afghanischen Sicherheitskräfte geben.

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© Pilar, Daniel Deutsch beraten: Eine Kompanie der Afghanischen Armee Ende Mai bei einer Übung in der Provinz Samangan. Ein Team der Bundeswehr betreut die afghanischen Kräfte, die hier den Umgang mit einer Sprengfalle trainieren.

Die Nato verringert ihre Kampfeinsätze in Afghanistan immer mehr. In einem weiteren Schritt auf dem Weg zum Abzug aus dem Land zieht sie sich jetzt aus der Führung von Militäreinsätzen zunehmend zurück und geht zu einer Beraterrolle für die afghanischen Sicherheitskräfte über. In einer Pressekonferenz teilte der zuständige australische Generalmajor Stephen Day am Mittwoch aus Kabul mit, dass die Allianz knapp dreihundert Beraterteams im Lande stationiert habe, die die verschiedenen afghanischen Einsatzverbände unterstützen sollen. „Es ist nicht mehr notwendig, dass unsere Soldaten Seite an Seite mit den Afghanen in die Einsätze gehen“, sagte Day.

Der Übergang zu Beraterteams („Security Force Assistance“ im Nato-Englisch) ist ein Kernelement der Abzugsstrategie der Allianz, die ihren Kampfeinsatz in Afghanistan bis Ende 2014 beenden will. Zuletzt wurden die Soldaten der internationalen Schutztruppe Isaf im sogenannten Partnering zusammen mit den neu von der Nato aufgestellten Sicherheitskräften des Landes eingesetzt. Dabei wurde in der Regel eine Kompanie ausländischer Soldaten (etwa 100 bis 120 Mann) einem afghanischen Bataillon (Kandak, etwa 700 bis 800 Mann) zugewiesen, und die beiden zogen gemeinsam in den Kampf.

„Eher in den Hauptquartieren als im Feld“

Das neue Konzept sieht keine direkte Beteiligung der Nato-Kräfte mehr an Kampfeinsätzen vor, sie sollen den jeweiligen einheimischen Kommandeuren nur noch beratend zur Seite stehen. „Die Leute sind eher in den Hauptquartieren als im Feld“, sagte Day. Die Beraterteams haben eine Größe von etwa 20 bis 30 Soldaten, meist Offizieren und Unteroffiziere, sie werden afghanischen Verbänden auf allen Ebenen zugeordnet. So gebe es genauso Berater für afghanische Korps, die Hilfe bei der Operationsplanung oder den Truppenbewegungen auf dem Schlachtfeld leisteten, wie Berater bei der Distriktpolizei, die die Afghanen bei der Strafverfolgung oder Beweissicherung unterstützten. Eine Aufgabe der Teams besteht auch darin, für die Afghanen Einheiten bei der Nato anzufordern, über die sie selbst nicht ausreichend verfügen. Dazu gehören Luftunterstützung, Artillerie, Bergung von Verwundeten, Aufklärung oder Spezialkräfte.

Insgesamt sollen etwas mehr als 300 Beraterteams aufgestellt werden, neunzig Prozent davon noch in diesem Jahr. Den Großteil des Personals stellen die Vereinigten Staaten, im Norden und Westen des Landes gibt es aber auch Teams aus Deutschland und anderen Ländern. Die Soldaten eines Teams kämmen immer alle aus demselben Land, berichtete Day, auf diese Weise werde die Geschlossenheit gefördert. In allen großen Bevölkerungszentren seien Teams stationiert, die meisten aber im Süden, Südwesten und Osten des Landes, wo es am unruhigsten ist und auch die meisten afghanischen Sicherheitskräfte im Einsatz sind.

Armee und Polizei in Afghanistan zählen derzeit etwa 352.000 Mann. Day sagte, nach Ansicht der Allianz seien drei Viertel dieser Kräfte inzwischen zu effektiven Operationen in der Lage, wenn sie Beratung erhielten. Die Berater würden in zweimonatigen Kursen in ihren Herkunftsländern gründlich auf ihren Einsatz vorbereitet. Der Einsatz der Teams sei bis Ende 2014 vorgesehen, wenn der Isaf-Einsatz in Afghanistan zu Ende geht. Ob sie als Modell für das Engagement der Allianz nach 2014 dienen werden, konnte Day nicht sagen. Die Planungen für den Nachfolgeeinsatz der Isaf-Mission liefen noch. Die Nato hat im Grundsatz auf ihrem jüngsten Gipfeltreffen im Mai in Chicago beschlossen, nach 2014 mit einer Ausbildungs- und Beratungsmission in Afghanistan präsent zu bleiben.

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Jahrgang 1969, politischer Korrespondent für die Nato und die EU mit Sitz in Brüssel.

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