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Kampf um Kobane : Terrormiliz IS enthauptet kurdische Kämpfer

  • Aktualisiert am

Umkämpftes Kobane: Die kurdische Enklave in Syrien ist Attacken der Terrormiliz IS ausgesetzt Bild: dpa

Die Kämpfe nahe der nordsyrischen Stadt Kobane dauern an. Nahe der kurdischen Enklave soll es zu weiteren Enthauptungen gekommen sein. Die türkische Regierung bittet das Parlament, Militäroperationen im Irak und Syrien zu billigen.

          Zur Einschüchterung der Bevölkerung in Syrien hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nach Angaben einer oppositionsnahen Beobachtergruppe zehn Menschen enthauptet. Unter den Toten seien fünf kurdische Kämpfer und vier arabische Rebellen, teilte die Syrische Beobachterstelle für Menschenrechte am Mittwoch mit. Zudem sei ein kurdischer Zivilist hingerichtet worden. Die sieben Männer und drei Frauen seien am Dienstag rund 14 Kilometer westlich der belagerten Kurdenstadt Kobane im Norden des Landes getötet worden. Die in Großbritannien ansässige Beobachterstelle steht den gemäßigten Rebellen in Syrien nahe. Bei ihren Angaben stützt sie sich auf ein Netz von Informanten in dem Bürgerkriegsland. Die Angaben zu den Enthauptungen konnten zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden.

          Weitere Luftangriffe auf IS-Stellungen

          Die Vereinigten Staaten und ihre arabischen Verbündeten haben indes nahe der eingeschlossenen nordsyrischen Stadt abermals Stellungen des IS aus der Luft bombardiert. Das Bündnis habe IS-Ziele östlich der Stadt angegriffen, sagte der Präsident der selbst ernannten Regionalregierung von Kobane, Anwar Muslim, am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Berichtet wurde von fünf Angriffen der Koalition. Die Kämpfe zwischen Kurden und der Terrormiliz dauern an.

          Die Extremisten hätten Verstärkung von weiteren Kämpfern aus dem Osten Syriens erhalten. Laut den Menschenrechtsbeobachtern haben die Dschihadisten ihre Artillerieangriffe auf Kobane verstärkt. Bei den heftigen Kämpfen habe es auf beiden Seiten Tote gegeben, hieß es. Die IS-Terrormiliz versucht seit mehr als zwei Wochen, Kobane (Arabisch: Ain al-Arab) einzunehmen. Sie steht nur noch zwei Kilometer von der kurdischen Stadt entfernt. Die Extremisten sollen seit Beginn ihrer Angriffe schon mehr als 300 Dörfer im Umland unter ihre Kontrolle gebracht haben. Die Orte liegen an der Grenze zur Türkei in einer Enklave, die von kurdischen Volksschutzeinheiten kontrolliert wurde.

          Türkische Regierung will Parlamentserlaubnis

          Angesichts des Vormarschs des IS in Syrien und im Irak will sich die türkische Regierung vom Parlament die Erlaubnis für Militäroperationen in den Nachbarländern geben lassen. Die entsprechende Resolution dazu sei am Dienstagabend ans Parlament in Ankara gegangen, meldete die staatsnahe Nachrichtenagentur Anadolu. Die Abgeordneten wollten am Donnerstag darüber beschließen.

          Der Regierung werde es damit erlaubt, über den Zeitpunkt, die Dauer und das Ausmaß militärischer Operationen in den Nachbarländern zu entscheiden, berichtete Anadolu weiter. Sie werde auch dazu befugt, über die Anwesenheit ausländischer Truppen in der Türkei zu entscheiden. Die Erlaubnis gelte für ein Jahr.

          „Bedrohungen, die unsere nationale Sicherheit gefährden“

          Ministerpräsident Ahmet Davutoglu schrieb laut Anadolu zur Begründung an die Abgeordneten: „An den südlichen Landgrenzen der Türkei haben Risiken und Bedrohungen, die unsere nationale Sicherheit gefährden, schwerwiegend zugenommen.“ Der Antrag ersetzt zwei frühere Resolutionen, die der Regierung erlaubten, in Syrien und im Irak etwa im Kampf gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK militärisch aktiv zu werden. Er ist nun aber breiter gefasst.

          Der stellvertretende Ministerpräsident Bülent Arinc sagte am Dienstagabend, IS-Extremisten seien in die Nähe eines von türkischen Soldaten bewachten Mausoleums in Syrien vorgerückt. Die Soldaten seien aber weiterhin auf ihrem Posten und bewaffnet. Die regierungsnahe Zeitung „Yeni Safak“ hatte zuvor berichtet, IS-Kämpfer hätten die 36 türkischen Soldaten an dem Grabmal rund 30 Kilometer südlich von Kobane eingekesselt.

          „Apokalyptischer Todeskult“

          Auch Australien unterstützt den Kampf gegen die Extremisten im Irak seit Mittwoch mit Aufklärungs- und Tankflugzeugen. Premierminister Tony Abbott bezeichnete die Miliz als „apokalyptischen Todeskult“. Kampfflugzeuge seien noch nicht im Einsatz, betonte er. „Wir haben noch keine endgültige Entscheidung über den Kampfeinsatz unserer Truppen gefällt“, sagte Abbott. 

          Die irakische Luftwaffe attackierte unterdessen IS-Kämpfer südlich der Stadt Takrit. Die Extremisten hatten dort zuvor zeitgleich zwei Orte angegriffen, wie Nachrichtenseite Shafaaq News meldete. Bei den Kämpfen seien zehn Anhänger der Regierung getötet worden. Takrit liegt 170 Kilometer nördlich von Bagdad.

          Syrien : Kurden warnen vor IS-Massaker

          Bei Kämpfen und Terroranschlägen im Irak kamen im vergangenen Monat mehr als 1100 Menschen ums Leben. Mehr als 850 der Getöteten seien Zivilisten gewesen, teilte die UN-Mission im Irak (Unami) am Donnerstag mit. Fast 1950 Menschen wurden demnach im September verletzt. Die meisten Opfer habe es in Bagdad gegeben.

          Die Terrormiliz kontrolliert im Norden und Osten Syriens rund ein Drittel der Fläche des Landes. Auch im benachbarten Irak beherrscht sie im Norden und Westen riesige Gebiete. Sie hat in beiden Ländern ein „Islamisches Kalifat“ ausgerufen. Die amerikanische Luftwaffe hatte Anfang vergangener Woche ihre Luftangriffe vom Irak auf Syrien ausgedehnt.

          Quelle: gif./dpa/Reuters/AFP

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