19.05.2006 · Der afghanische Präsident Karzai hat den pakistanischen Geheimdienst bezichtigt, Taliban-Kämpfer zu trainieren und über die Grenze nach Afghanistan zu bringen. Pakistan nennt die Vorwürfe „gegenstandslos und absurd“.
Einen Tag nach den bisher heftigsten Kämpfen in Afghanistan seit dem Sturz der Taliban haben sich die Regierungen Afghanistans und Pakistans gegenseitig Vorhaltungen gemacht. Der afghanische Präsident Karzai warf dem Nachbarland abermals vor, die Aufständischen in seinem Land zu unterstützen.
„Der pakistanische Geheimdienst trainiert die Leute militärisch und schickt sie dann mit logistischer Hilfe nach Afghanistan“, wurde Karzai von der pakistanischen Zeitung „Daily Times“ zitiert. Er sagte jedoch auch, daß die pakistanische Regierung nicht mehr die Macht habe, „die Ereignisse in Afghanistan zu bestimmen“.
„Gegenstandslos und absurd“
Die pakistanische Regierung wies die Vorwürfe als „gegenstandslos und absurd“ zurück. Statt sich in Islamabad zu beklagen, solle sich Kabul lieber auf den Kampf gegen die Rebellen konzentrieren.
Trotz regelmäßiger Treffen der beiden Präsidenten - das jüngste liegt erst wenige Wochen zurück - ist das Verhältnis zwischen Karzai und Musharraf gespannt. Kabul wirft Islamabad seit geraumer Zeit Unterstützung der Taliban vor, die in den achtziger Jahren mit pakistanischer - und westlicher - Hilfe ausgebildet worden waren.
Musharraf verweist darauf, daß seine Militäroperationen in den pakistanischen Stammesgebieten nahe der afghanischen Grenze bereits Hunderte Rebellen, aber auch viele eigene Soldaten das Leben gekostet haben.
Seit Mittwoch etwa 100 Tote
In den Kämpfen zwischen den Taliban und afghanischen sowie internationalen Sicherheitskräften sind seit Mittwoch etwa 100 Personen getötet worden. Beobachter nehmen an, daß zumindest ein Teil der Taliban-Kämpfer über die pakistanische Grenze eingesickert ist.
Der Bundestagsabgeordnete Stinner (FDP) berichtete unterdessen nach Gesprächen in Afghanistan unter anderen mit dem Isaf-Kommandeur, dem britischen General David Richards, die militärische Führung der Afghanistan-Schutztruppe, an der auch Deutschland mit bis zu 3000 Soldaten beteiligt ist, sehe ihren Auftrag ausdrücklich als „Kampfeinsatz“ an.
Werden deutsche Soldaten verwickelt?
Eine Unterscheidung zwischen „Combat“ und „Peace Keeping“ werde dort nicht gemacht. Das sei in der Debatte in Deutschland vielfach noch nicht im Bewußtsein, sagte Stinner. Zwar hätten die jüngsten Kämpfe vor allem im Süden des Landes stattgefunden und im Nordsektor, in dem die Bundeswehrkräfte stationiert sind, noch keine Auswirkungen gehabt.
Doch sei der Isaf-Führung bewußt, daß nach dem im vergangenen Jahr veränderten Bundestagsmandat deutsche Soldaten durchaus in andere Isaf-Sektoren zu Hilfe gerufen werden könnten. In diesem Frühjahr soll Isaf - das bislang im Norden und im Westen Afghanistans die ausländischen Unterstützungstruppen führt - auch auf den Süden ausgedehnt werden.