09.08.2004 · Das in Großbritannien verhaftete Al-Qaida-Mitglied Hindi hat vermutlich ein dreiköpfiges Team von Terroristen angeführt, das im Auftrag von Bin Ladin die New Yorker Börse und andere Finanzinstitutionen ausspioniert hat.
Das mutmaßliche Al-Qaida-Mitglied Issa al Hindi, das nach Überzeugung amerikanischer Ermittler eine führende Rolle bei der Observierung amerikanischer Finanzinstitutionen spielte, ist nach Angaben amerikanischer Regierungsmitglieder von Khalid Scheich Mohammed, dem mutmaßlichen Architekten der Terroranschläge vom 11. September 2001, Anfang desselben Jahres in die Vereinigten Staaten geschickt worden.
Die Anweisung zu Hindis Entsendung hat nach Berichten der Zeitung "New York Times" der Terroristenführer Usama Bin Ladin erteilt. Hindi hat nach Angaben aus der Regierung Bush ein dreiköpfiges Team von Terroristen angeführt, das in New York die Börse und andere Finanzinstitutionen ausspioniert habe. Die Al-Qaida-Mitglieder sollen dazu unter anderem an öffentlichen Führungen und Hubschrauberflügen für Touristen teilgenommen haben.
Ziele ausgespäht
Amerikanische Regierungsmitarbeiter nehmen jedoch nicht an, daß Hindi - der Sohn indischer Hindus, der mit 20 Jahren zum Islam konvertierte, in Kaschmir an der Seite islamischer Separatisten gekämpft haben soll und sich nun in britischem Gewahrsam befindet - auch mit der Ausführung von Terroranschlägen in Amerika betraut war.
Doch ist Hindi nach Darstellung amerikanischer Regierungsmitglieder identisch mit dem Terroristen Issa al Britani, von dem es im Bericht der Untersuchungskommission zur Aufklärung der Terroranschläge vom "11. September" heißt, daß er 1998 von Scheich Mohammed in die Vereinigten Staaten gesandt worden sei, um dort potentielle ökonomische und jüdische Ziele für Terroranschläge in New York auszuspähen.
In dem Untersuchungsbericht wird die Reise Britanis als Beleg dafür erwähnt, daß Scheich Mohammed, der an einem geheimen Ort von den Amerikanern festgehalten wird, neben dem Anschlag vom "11. September" weitere Angriffsmöglichkeiten Al Qaidas erkundete.
Kontakt zu Computerfachmann
Zu Hindi heißt es aus der amerikanischen Regierung weiter, er habe unter anderem Kontakte zu dem verhafteten pakistanischen Computerfachmann Muhammad Naeem Noor Khan gehabt und zu dessen Cousin, dem Briten Babar Ahmad, dessen Auslieferung die Vereinigten Staaten verlangen. In Khans Computer waren Unterlagen über die Observierung amerikanischer Finanzinstitutionen aus dem Jahr 2001 gefunden worden, die die amerikanische Regierung zu einer Erhöhung der Terrorwarnstufe veranlaßt hatten.
Präsident Bush verteidigte die umstrittene Entscheidung, hinter der einige Demokraten wahlkampftaktische Motive vermuteten, in seiner Radioansprache vom Samstag damit, daß die Gefahr für die Vereinigten Staaten, Ziel terroristischer Anschläge zu werden, durch "andere Informationen" bestätigt werden.
An Vorbereitungen beteiligt
Nach Meldungen der "New York Times" hatte Khan ebenfalls Verbindungen zu Al-Qaida-Mitgliedern, die einen Terrorangriff vor der Präsidentenwahl in Amerika planten. Unklar sei nach Angaben amerikanischer Regierungsmitarbeiter, ob diese Terroristen zu der gleichen Gruppe gehörten, die die Finanzinstitutionen beobachtet habe. Amerikanische Ermittler vermuten, daß auch Ahmad, der schon in der Vergangenheit wegen Terrorismusverdachts in Großbritannien verhaftet, dann aber wieder freigelassen worden war, an Vorbereitungen für Anschläge auf amerikanische Finanzinstitutionen beteiligt war.
Die Behörden in Pakistan verhören ein weiteres führendes mutmaßliches Mitglied der Terrororganisation Al Qaida. Das teilte der pakistanische Informationsminister Ahmed mit. Der mutmaßliche Terrorist Akhtar soll an den beiden versuchten Attentaten auf Präsident Musharraf im Dezember 2003 beteiligt gewesen sein. Zudem soll er in Verbindung zu Usama Bin Ladin gestanden haben.
Der Mann war in der vergangenen Woche in den Vereinigten Arabischen Emiraten festgenommen und dann an Pakistan ausgeliefert worden. Es bestehe keine Verbindung zwischen Akhtar und der Verhaftung der führenden Terrorverdächtigen Ghailani und Khan im vergangenen Monat. Bei einem Bombenanschlag in Karachi sind derweil am Sonntag mindestens sieben Menschen getötet und 40 verletzt worden, teilte die Polizei mit.