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Kampf gegen Piraterie Sicherer durch Waffen an Bord?

30.04.2009 ·  Kriegsschauplatz Kreuzfahrtschiff? Bewaffnete an Bord haben den Piratenangriff auf den Luxusliner „Melody“ vereitelt. Aber die Aufrüstung ziviler Schiffe ist riskant und teuer. Reedereiverbände raten ab. Völkerrechtlich hingegen wäre es wohl unproblematisch.

Von Stephan Löwenstein
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Der Piratenangriff auf das Kreuzfahrtschiff „MS Melody“ am Samstagabend war in mehrerlei Hinsicht ungewöhnlich. Zum einen fand er sehr weit draußen im Indischen Ozean statt. Bis zur somalischen Küste waren es etwa 1100 Kilometer. Zum anderen wäre ein Kreuzfahrtschiff ein sehr ambitioniertes Ziel für ein Piratenboot. Denn anders als viele Frachter hat es hohe Bordwände, die von den kleinen Motorbooten aus nicht leicht zu erklimmen sind.

Allerdings wäre es auch ein sehr lohnendes Ziel, denn die 1500 Menschen an Bord böten ein enorm hohes Erpressungspotential gegenüber dem Reeder. Auf Zeit zu spielen, verböte sich da. Zweimal wurden zuletzt Versuche registriert, Passagierschiffe anzugreifen. Ende November wurde das amerikanische Kreuzfahrtschiff „Nautica“ mit mehr als tausend Menschen an Bord von Piraten beschossen. Im Dezember wurde das deutsche Kreuzfahrtschiff „MS Astor“ von zwei verdächtigen Schnellbooten verfolgt, die aber dann von einem deutschen Kriegsschiff vertrieben wurden.

„Unser“ Sicherheitspersonal

Im Fall der „Meldody“ waren es überdies - eine weitere Besonderheit - keine Militärs, die die Piraten abgewehrt haben, sondern Bewaffnete an Bord des Kreuzfahrtschiffes. Was das für Leute waren, ist unklar. Der italienische Kapitän sagte im britischen Radio etwas von „unserem“ Sicherheitspersonal, im italienischen Rundfunk war von „israelischen“ Sicherheitsleuten die Rede. Ergänzt wurde das in den italienischen Medien unter Berufung auf die Reederei durch den Hinweis, man habe israelische Sicherheitsleute angeheuert, weil diese die beste Ausbildung hätten. In der Marine ist aber auch - ohne Gewissheit für diesen konkreten Fall - die Rede davon, dass israelische Sicherheitsbehörden größere Gruppen von israelischen Staatsangehörigen mit Personal zu schützen pflegten, das mit Schusswaffen umzugehen verstehe.

So oder so hat der allenfalls gemischte Erfolg der internationalen Marinepräsenz gegen die Piraterie am Horn von Afrika die Debatte darüber verstärkt, ob sich die zivile Schiffahrt in diesen Gegenden nicht selbst Schutzmannschaften an Bord nehmen sollte. Der amerikanische General Petraeus wurde zuletzt mit dieser Empfehlung zitiert. Private Sicherheitsfirmen haben längst dieses Geschäftsfeld entdeckt.

Zur Selbstverteidigung und gegen Meuterei

So schaffte die Firma Blackwater Worldwide schon 2006 ein ehemaliges Vermessungsschiff an und ließ es für Sicherheitsverwendungen umrüsten, wie die Fachzeitschrift „Marine-Forum“ in ihrer Märzausgabe berichtete. Zwar hat sich Blackwater aus dem Geschäftsfeld vorerst zurückgezogen, doch andere Firmen bleiben dort aktiv. Die Firma Secopex, im französischen Carcassonne ansässig, hat laut der Zeitschrift elf Schiffe im Angebot. Das größte mit einem Dutzend ehemaliger Kommandosoldaten an Bord, darunter zwei Scharfschützen, koste pro Tag 30.000 Dollar; das kleinste mit fünfköpfiger Crew immerhin noch 12.000 Dollar täglich.

Völkerrechtlich ist es wohl unproblematisch, Waffen an Bord ziviler Schiffe zu haben. Zur Selbstverteidigung und zur Bekämpfung von Meuterei ist das seit je möglich, und das UN-Seerechtsübereinkommen von 1982 sagt nichts Gegenteiliges. Allerdings kann das nationale Recht des Flaggenstaates das Führen von Schusswaffen an Bord verbieten. Bewaffnete Patrouillenschiffe von Sicherheitsfirmen müssten sich jedenfalls auf Selbstschutz und Nothilfe beschränken. Das Aufbringen von Schiffen wegen Seeräuberei bleibt staatlichen Kriegs- oder Polizeischiffen vorbehalten.

Professionellen Seeräubern nicht gewachsen

Wer nicht gleich ein ganzes Schiff als Geleitschutz anheuern möchte, kann auch Begleitpersonal mieten. Bewaffnete Mannschaften können das Feuer erwidern und dadurch möglicherweise Piraten abschrecken, die sich dann lieber ein leichteres Ziel aussuchen. Unbewaffnete Kräfte unterweisen die Bordmannschaften in Abwehrtechniken, etwa mit Hochdruckwasserschläuchen oder „Schallkanonen“. Allerdings mussten vier solcher Sicherheitskräfte im vergangenen November im Golf von Aden die Erfahrung machen, dass sie - als die Piraten dennoch den Tanker „MV Biscaglia“ entern konnten - von den Angreifern gezielt gejagt wurden. Sie konnten sich nur durch einen Sprung über Bord retten und wurden dann von inzwischen hinzugekommenen Kriegsschiffen aufgenommen.

Der Vorfall zeigt, worauf die Vertreter von Reedereiverbänden immer wieder hinweisen: Widerstand könnte die Lage gefährlich aufschaukeln lassen und die Gefahr für die Besatzungen damit sogar noch erhöhen. Zumindest die Option mit einem oder zwei Einweisern und einer bewaffneten Crew, so die Befürchtungen, bürge solche Gefahren. Der Geschäftsführer des Verbands Deutscher Kapitäne (VDK), Follert, sagte der Deutschen Presse-Agentur, es sei unmöglich, „auf jedem Schiff eine Kampfgruppe zu stationieren“. Normale Seeleute auf zivilen Schiffen seien professionellen Seeräubern jedoch keinesfalls gewachsen. „Piraten haben die besseren Waffen, und sie können besser damit umgehen.“ Die Reeder verweisen daher auf die Verantwortung der Politik, Lösungen für das Piratenproblem zu finden - auf See und an Land.

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Jahrgang 1968, politischer Korrespondent in Berlin.

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