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Kampf gegen Al Qaida „Jemen wird der Krieg von morgen sein“

30.12.2009 ·  Schon vor dem gescheiterten Attentat auf eine Delta-Maschine bei Detroit verstärkten die Amerikaner ihre Unterstützung der Regierung in Sanaa im Kampf gegen Al Qaida. Auch bei den Ermittlungen gegen den Todesschützen auf dem texanischen Heeresstützpunkt Fort Hood führte eine wichtige Spur in den Jemen.

Von Matthias Rüb, Washington
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Wer nach einer klaren Aussage und einer entschiedenen Haltung zu Amerikas „Krieg gegen den Terrorismus“ sucht, wird bei Joseph Lieberman fündig. Der Senator aus Connecticut war im Jahr 2000 vom damaligen Vizepräsidenten Al Gore als dessen „running mate“ ausgesucht worden, um im Präsidentschaftswahlkampf gegen die Republikaner George W. Bush und Dick Cheney anzutreten. Lieberman, der damals noch Demokrat war, sollte Gores außen- und sicherheitspolitisches Profil stärken, denn Gore hatte sich als Umweltpolitiker und nicht als Fachmann für die nationale Sicherheit hervorgetan.

Inzwischen sitzt Lieberman als Unabhängiger im Senat, denn bei den Kongresswahlen im Jahr 2006 musste er sich gegen einen von seiner eigenen Partei aufgestellten Gegenkandidaten zur Wehr setzen, der anders als Lieberman gegen den Krieg im Irak war und auch sonst den politischen Zeitgeist verkörperte, der zwei Jahre darauf Barack Obama ins Weiße Haus brachte. Lieberman gab nicht klein bei, sondern trat als Unabhängiger gegen den „Friedenskandidaten“ Ned Lamont an. Obwohl der mit vielen Millionen Dollar Wahlkampfhilfe von der Parteizentrale der Demokraten unterstützt wurde, verteidigte Lieberman seinen Senatssitz souverän. Heute ist er Vorsitzender des Heimatschutzausschusses der zweiten Kammer. Aus einem jüngsten Gespräch mit einem hohen Mitarbeiter des Weißen Hauses zitierte Lieberman dieser Tage folgenden Satz: „Der Irak war der Krieg von gestern, Afghanistan ist der Krieg von heute. Wenn wir nicht präemptiv handeln, wird der Jemen der Krieg von morgen sein.“ Einige Anzeichen deuten darauf hin, dass Washington diesen präemptiven Krieg im Jemen schon begonnen hat.

Auch beim Fort-Hood-Todesschützen führten Spuren in den Jemen

Als der muslimische Heeresmajor und Militärpsychologe Nidal Malik Hasan, dessen Eltern aus Palästina in die Vereinigten Staaten eingewandert waren, Anfang November auf dem texanischen Heeresstützpunkt Fort Hood das Feuer auf Kameraden und Zivilisten eröffnete und dreizehn Menschen erschoss, führte eine wichtige Spur in den Jemen. Dort lebt der radikale Imam Anwar al Aulaqi, der bis zu seiner Rückkehr 2002 in einer Moschee in Falls Church nahe Washington gepredigt hatte. (Siehe auch: Amoklauf von Fort Hood: „Täter kannte radikalen Imam“

Diese Moschee hatten neben Hasan auch zwei Attentäter der Terroranschläge vom 11. September 2001 aufgesucht. Zudem hatte Hasan E-Mails mit al Aulaqi ausgetauscht, in denen es unter anderem darum gegangen sein soll, ob es angesichts der Kriege im Irak und in Afghanistan Pflicht eines Muslimen in den amerikanischen Streitkräften sei, seine Kameraden zu töten.

Trainingslager von Al Qaida

Nach dem Attentatsversuch des Nigerianers Umar Faruk Abdulmutallab auf ein mit rund 300 Menschen besetztes Passagierflugzeug im Landeanflug auf Detroit am ersten Weihnachtsfeiertag ist abermals vom Jemen die Rede. Dort hielt sich Abdulmutallab offenbar mehrfach auf; er soll dort in einem Trainingslager von Al Qaida auf seine „Mission“ vorbereitet worden sein. Mit einer am Montagabend im Internet veröffentlichten Erklärung nahm schließlich erwartungsgemäß die Terrorgruppe „Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel“ für sich in Anspruch, den verhinderten Attentäter mit Sprengstoff ausgestattet und instruiert zu haben. (Siehe auch: Al Qaida bezichtigt sich: „Vergeltung für amerikanische Aggression“)

CIA operiert in Sanaa

Amerikanische Medien berichteten am Montag, der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA habe schon vor einem Jahr mehrere im Terrorkampf erfahrene Mitarbeiter nach Sanaa entsandt. Etwa zum selben Zeitpunkt hätten geheim operierende amerikanische Spezialkräfte damit begonnen, die jemenitischen Sicherheitskräfte für den Kampf gegen Terroristen auszubilden und auszurüsten. Das Pentagon soll für diese Aufgabe mehr als 70 Millionen Dollar bereitgestellt haben, die sowohl den jemenitischen Streitkräften als auch Spezialeinheiten des Innenministeriums in Sanaa und der Küstenwache zugutegekommen seien.

Der Chef des für die Region zuständigen Zentralkommandos der amerikanischen Streitkräfte, Heeresgeneral David Petraeus, sowie Präsident Barack Obamas Beauftragter für den Antiterrorkampf John Brennan hielten sich im Spätsommer in Sanaa auf; sie sollen dabei wichtige Vereinbarungen mit der jemenitischen Regierung zum gemeinsamen Kampf gegen Al Qaida getroffen haben.

Die Bombenangriffe vom 17. und 24. Dezember gegen vermutete Terroristenlager im Jemen, bei denen nach Angaben aus Sanaa bis zu 60 Terroristen getötet worden sein sollen, wurden zwar von der jemenitischen Luftwaffe geflogen. Doch mutmaßlich haben die Amerikaner bei der Zielerfassung und bei der Ausführung der Angriffe wichtige Hilfe geleistet. In der Al-Qaida-Erklärung vom Montagabend hieß es, mit dem Anschlag von Detroit habe man Vergeltung für amerikanische Angriffe auf Kämpfer der Organisation im Jemen üben wollen. Unklar ist, ob auch Imam al Aulaqi, der über das Internet großen Einfluss auf radikale Muslime in der englischsprachigen Welt hatte, bei einem der Luftangriffe getötet wurde. (Siehe auch: Tote bei Angriff auf Al Qaida im Jemen)

Die Überstellung von sechs Jemeniten aus dem Gefangenenlager Guantánamo an die Behörden in Sanaa kann als Zeichen gedeutet werden, dass Washington der jemenitischen Regierung zutraut, mit den Terrorverdächtigen besser umzugehen als früher. Es ist aber sicherlich kein Zufall, dass noch immer 91 aus dem Jemen stammende Terrorverdächtige - knapp die Hälfte der rund 200 Gefangenen - in dem Lager im Südosten Kubas festgehalten werden.

Deren Überstellung in den Jemen steht nicht bevor, obwohl Sanaa von Washington schon lange die Überstellung aller jemenitischen Staatsbürger zum Zwecke der Strafverfolgung in ihrer Heimat verlangt. In Washington vermutet man, dass sich in Trainingslagern in den von der Regierung nicht kontrollierten Teilen des Landes bis zu 1500 Al-Qaida-Kämpfer aufhalten. „Wir haben eine verstärkte Präsenz dort, und wir müssen sie haben“, sagte Senator Lieberman am Sonntag über die jüngsten Entwicklungen der amerikanisch-jemenitischen Beziehungen.

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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

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