03.06.2009 · Acht Stunden wird Präsident Obama in Kairo sein. Viele Ägypter fühlen sich geehrt, die Stadt wird herausgeputzt. Gedämpft wurden die Hoffnungen aber, weil Obama seinen Friedensplan für die Region noch nicht vorlegen will.
Von Hans-Christian Rößler, KairoGerade einmal acht Stunden wird der amerikanische Präsident Barack Obama am Donnerstag in Kairo sein. Aber die ägyptische Hauptstadt befindet sich schon seit Tagen im Ausnahmezustand. Überall wird geputzt, gestrichen und frisch geteert - zumindest in den Straßen und Vierteln, die der Gast aus Amerika und seine Entourage aufsuchen würde. „Klar tut man das, wenn hoher Besuch kommt. Aber warum passiert das immer nur dann? Für normale Menschen tut das hier keiner“, meint ein Zeitungsverkäufer, vor dessen Stand Arbeiter sogar den Bürgersteig frisch streichen, während sich in den Seitenstraßen der Abfall türmt.
Viele Ägypter fühlen sich jedoch geehrt und in ihrem Nationalgefühl bestärkt, dass Obama in Kairo seine lange erwartete Rede an die Muslime auf der Welt halten wird. Marokko, die Türkei und Indonesien waren nämlich auch im Gespräch. Aber die Wahl fiel auf Ägypten. Je höher die Hochhäuser in den Golfstaaten in den Himmel wuchsen, desto stärker wuchsen dort in letzter Zeit die Zweifel an der traditionellen Vormachtstellung in der arabischen Welt.
Die Erwartungen sind groß
Obama wird jedoch am Donnerstagmittag unter der Kuppel des Festsaals der ehrwürdigen Universität von Kairo, die vor hundert Jahren gegründet wurde, erläutern, wie er neue Brücken zur islamischen Welt schlagen will. „Die Erwartungen sind sehr groß. Ob die Leute ihm glauben, hängt davon ab, was er zum Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern sagen wird“, erwartet der Politikwissenschaftler Gamal Abd al Gawad vom Al-Ahram-Zentrum für Politische und Strategische Studien in Kairo. Doch Obamas Sprecher hat diese Hoffnungen schon gedämpft: Der Präsident werde in Kairo noch nicht seinen Friedensplan für die Region vorlegen.
Großer Aufmerksamkeit kann er sich aber unter den Muslimen auf der ganzen Welt sicher sein. In Kairo selbst werden die meisten den Donnerstag vor dem Fernseher verbringen, um etwas von dem Gast aus Amerika mitzubekommen. Mehrfach wird Obama die Stadt durchqueren, die schon an normalen Tagen dem Verkehrskollaps nahe ist. Angeblich werden etwa 3000 Sicherheitskräfte auf ihn aufpassen. Viele Bewohner der Millionenmetropole werden erst gar nicht gar nicht versuchen, zur Arbeit zu gelangen.
Die Studenten der Universität Kairo haben schon länger frei. Sie dürfen nicht einmal in die Nähe ihrer Hörsäle kommen. Die Begeisterung hält sich jedoch bei manchen in Grenzen, denn es ist Zeit für die Abschlussprüfungen. Auf sie hatten sich viele seit langem vorbereitet. Wegen Obama wurden sie einfach auf unbestimmte Zeit verschoben.
Hans-Christian Rößler Jahrgang 1967, politischer Korrespondent für Israel und die Palästinensergebiete mit Sitz in Jerusalem.
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