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Kabul Erste Lebenszeichen von Christina M.

20.08.2007 ·  Ein afghanischer Fernsehsender hat ein Video ausgestrahlt, auf dem die entführte Deutsche Christina M. zu sehen ist. Die 31-Jährige liest von einem Blatt ab. Sie sagt, dass es ihr gut gehe und sie nicht bedroht werde. Christina M. ist schwanger und wollte Medienberichten zufolge im Oktober nach Deutschland zurückkehren, um ihr erstes Kind zur Welt zu bringen.

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In der afghanischen Hauptstadt Kabul ist ein erstes Lebenszeichen der Entführten aufgetaucht. Der private Sender Tolo TV strahlte am Sonntag ein Video mit der Geisel und einem der Entführer aus. Christina M. las von einem Blatt ab, dass es ihr gut gehe und sie nicht bedroht werde. Sicherheitsexperten gingen davon aus, dass es sich um die deutsche Geisel handelt. Einer der Entführer trat in dem Video vermummt auf und sagte, die Geiselnehmer gehörten nicht den Taliban an. Seine Gruppierung fordere die Freilassung „unschuldiger Gefangener“ aus afghanischer Haft.

Christina M. wollte nach Angaben eines ihrer Bekannten im Oktober nach Baden-Württemberg zurückkehren, um in der Heimat ihr erstes Kind zur Welt zu bringen. Die „Stuttgarter Nachrichten“ zitieren dazu Albrecht Hauser, Pfarrer im Ruhestand aus Korntal-Münchingen, der Christina M. und ihren Mann, einen Ingenieur, im Mai dieses Jahres in Kabul besucht hatte.

„Etliche Hilfsprojekte auf den Weg gebracht“

„Sie haben sich in dem Land gut eingelebt, erstaunlich schnell die afghanische Sprache gelernt und etliche Hilfsprojekte auf den Weg gebracht“, sagte Hauser. Christina M., die in Freudenstadt geboren wurde, hatte die zweijährige Ausbildung an der Akademie für Weltmission in Korntal-Münchingen absolviert und war 2006 nach Afghanistan gegangen. Träger der Akademie sind rund 150 evangelische Missionsgesellschaften in Deutschland und der Schweiz.

Die 31-Jährige war am Samstag verschleppt worden, genau einen Monat nach der Entführung des deutschen Bauingenieurs Rudolf B. in Afghanistan. Die Deutsche bat die Bundesregierung in der in dem Video verlesenen Botschaft um Hilfe und darum, alles für ihre Freilassung zu unternehmen. Christina M., die ein Kopftuch trug, identifizierte sich durch Nennung ihres Namens und der Namen von Angehörigen. Sie hielt Personal- und Dienstausweis der Hilfsorganisation ora international, für die sie in Kabul arbeitet, in die Kamera. Unklar blieb, wann das Video aufgezeichnet wurde.

Vermummter Entführer mit Sonnenbrille

Der Entführer, der vermummt war und eine Sonnenbrille trug, sagte, man tue alles für die Sicherheit der Geisel. Er sprach in der Landessprache Dari. Christina M. identifizierte sich auf Englisch und verlas die Botschaft auf Dari. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte nach der Ausstrahlung: „Der Krisenstab wertet das Video sorgfältig aus.“ Die 31-Jährige, die nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur schwanger sein soll, war am Samstagmittag vor den Augen ihres deutschen Ehemannes von vier Bewaffneten aus einem Schnellimbiss in Kabul gezerrt worden.

Die sofort eingeleitete Großfahndung blieb zunächst ohne Erfolg. Die Polizei vermutete die Frau, die nach Angaben von ora international aus Süddeutschland stammt, und ihre Geiselnehmer am Sonntag noch in Kabul. Im Westen der Hauptstadt durchsuchten die Beamten Häuser, sagte der Chefermittler der Kabuler Polizei, Alishah Paktiawal. Auf den Ausfallstraßen aus Kabul wurden Straßensperren errichtet. „Wir kontrollieren jedes einzelne Auto“, sagte Polizeimajor Shah Agha Noori an der Straßensperre auf der wichtigen Ausfallstraße nach Ghasni.

Polizei spricht Frauen an

Die Polizisten sprächen verschleierte Frauen in den Landessprachen Dari oder Paschtu an, um sicherzugehen, dass es sich nicht um die Deutsche handele, sagte Noori. Im Zweifelsfall würden Frauen entgegen der strengen muslimischen Sitten von den Beamten aufgefordert, ihr Gesicht unter der Burka - dem in Afghanistan verbreiteten Vollschleier - zu zeigen. Die Beamten liefen außerdem Fußpatrouillen, um eine Flucht abseits der Straßen zu verhindern.

Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Geiselnehmer seien in einem blauen Toyota Corolla geflohen. Afghanische Geheimdienstoffiziere sagten, sie gingen von einer „kriminellen Bande“ aus. Ein Taliban-Sprecher erklärte, die radikal-islamische Organisation habe die Deutsche nicht in ihrer Gewalt.

Täglich auf der Straße

Anwohner in dem Viertel, wo sich die Entführung ereignet hatte, sagten, die junge Frau habe in der Nachbarschaft gewohnt. Sie sei täglich auf der Straße gesehen worden. Bei dem Lokal - dem Bar.B.Q. Tonight Café - handelt es sich um einen einfachen afghanischen Grill-Imbiss ohne Sicherheitsvorkehrungen wie Mauern, Stacheldraht oder Wachmänner. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurde der Ehemann der Geisel in die deutsche Botschaft in Kabul gebracht und zu dem Fall befragt.

Unmittelbar nach der Entführung wurde eine Polizeipatrouille auf die Tat aufmerksam. Bei der anschließenden Verfolgungsjagd erschossen die Beamten nach Polizeiangaben versehentlich einen Taxifahrer.

Lebenszeichen zweite deutsche Geisel

Ein Lebenszeichen gab es am Sonntag auch von der zweiten deutschen Geisel in Afghanistan. ARD-Reporter aus Kabul berichteten, sie hätten am Sonntag telefonisch Kontakt zu dem 62 Jahre alten Rudolf B. gehabt, der vor gut einem Monat verschleppt worden war. Rudolf B. habe in dem Gespräch gesagt, sein Gesundheitszustand habe sich verschlechtert. Er habe gefragt, warum nicht Lösegeld gezahlt werde, damit die Entführung schnell zu Ende gehe.

Der Ingenieur habe die deutsche Botschaft in Kabul aufgefordert, sich stärker für seine Freilassung zu engagieren, berichtete die ARD weiter. Die Krisenstäbe im Auswärtigen Amt in Berlin und in der deutschen Botschaft in Kabul arbeiten seit der Geiselnahme des Deutschen mit Hochdruck an dessen Freilassung.

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Von Stefan Tomik

Als das Internet auf die Welt kam, wurde es mit Heilserwartungen überfrachtet: die neue Technologie werde die Gesellschaft bessern. Das war naiv. Die Menschen nutzen das Netz für ihre Interessen - und bleiben dabei, wie sie sind - zuweilen heuchlerisch und intrigant. Mehr