Afghanistans Staatspräsident Hamid Karzai hat in Kabul eine internationale Konferenz zur Zukunft seines Landes eröffnet. In seiner Auftaktrede vor Delegationen aus mehr als 70 Ländern nannte er die siebenstündige Zusammenkunft einen „Meilenstein“ für Afghanistan und einen wichtigen Schritt zur Vertiefung der internationalen Partnerschaft. Deutschland wird von Außenminister Guido Westerwelle vertreten. Auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton sind nach Afghanistan gereist.
Karzai strebt bis 2014 die Übernahme der Verantwortung für die Sicherheit am Hindukusch an. „Ich bleibe entschlossen, dass unsere afghanischen Sicherheitskräfte für alle militärischen und strafrechtlichen Operationen in unserem Land bis 2014 verantwortlich sind“, sagte er auf der Konferenz am Dienstag. Zugleich sagte er, Afghanistan verfüge für die nächsten drei Jahre über genügend ausländische Finanzmittel.
Rasmussen: Die Übergabe wird „schrittweise“ erfolgen
Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagte in Kabul, die internationalen Einsatzkräfte würden auch nach der Übergabe der Verantwortung an Afghanistan für ihre Sicherheit das Land nicht sofort verlassen. Die Übergabe werde „schrittweise“ erfolgen und „von den Voraussetzungen, nicht von Terminen“ abhängen, sagte Rasmussen in Kabul. „Und wenn das passiert ist, werden die internationalen Kräfte nicht abziehen. Sie werden dann eine Unterstützerrolle einnehmen.“
Karzai bat auf der Konferenz um Zustimmung für ein groß angelegtes Aussteigerprogramm für Kämpfer der Taliban. Die Afghanen hätten sich bei der „Friedens-Dschirga“ Anfang Juni darauf verständigt, „die Hand auch bewaffneten Gegnern zu reichen, die gewillt sind, die Verfassung zu akzeptieren und sich vom Terrornetzwerk Al Qaida loszusagen“, sagte Karzai. „Von unseren internationalen Partnern erwarten wir daher, unserer Friedensinitiative zuzustimmen und diese zu unterstützen.“
Der Plan sieht vor, bis Ende 2015 etwa 36.000 Aufständische in die afghanische Gesellschaft zu re-integrieren. Zum einen ist vorgesehen, Taliban-Mitläufern den Ausstieg durch finanzielle und materielle Hilfe zu erleichtern. Zum anderen soll auch mit ranghohen Kommandeuren der Taliban über ein Ende der Gewalt verhandelt werden. Ihnen könnten unter anderem Straffreiheit und Exil in einem sicheren Drittstaat in Aussicht gestellt werden. Die Gesamtkosten des Plans sind mit umgerechnet mehr als 600 Millionen Euro veranschlagt.
Westerwelle sagte in Kabul, es sei ein „sehr wichtiger Tag nicht nur für Afghanistan, sondern auch für die Staatengemeinschaft“. Die Konferenz solle eine „Wegmarke sein auf dem Weg zur Übergabe der Verantwortung an die afghanische Regierung“. Nach dem Willen des deutschen Außenministers soll im Abschlussdokument das Ziel verankert werden, dass die Afghanen bis 2014 selbst für ihre Sicherheit sorgen. Zudem erwarte er von der afghanischen Regierung „ganz konkrete Schritte“ bei der Korruptionsbekämpfung und der Bekämpfung des Drogenhandels.
Heftige Explosion vor Beginn der Konferenz
Kurz vor Beginn der Konferenz wurde Kabul von einer heftigen Explosion erschüttert. Es habe sich jedoch nicht wie zunächst befürchtet um einen Anschlag gehandelt, sondern um einen Unfall, teilte das Innenministerium am Dienstagmorgen mit. In einem nördlichen Vorort sei eine altes Artilleriegeschoss explodiert. Den Angaben zufolge wurden dabei drei Jugendliche verletzt. Bereits am Montagabend hatte es in der Nähe des Flughafens mehrere Detonationen gegeben. Offensichtlich wurde niemand verletzt. Die Taliban erklärten, sie hätten vier Raketen abgefeuert.
Nach Angaben des schwedischen Außenministers Carl Bildt wurde durch den Angriff die Anreise mehrerer Konferenzteilnehmer behindert. Wie Bildt am Dienstag in seinem Internet-Blog berichtete, wurde sein Flugzeug nach einstündigem Warteflug zum amerikanischen Militärflugplatz Bagram umgeleitet. Zusammen mit Ban Ki Moon habe er mehrere Stunden gewartet. Um vier Uhr morgens wurden beide sowie Mitarbeiter nach den Ministerangaben mit zwei Hubschraubern der amerikanischen Streitkräfte bei noch nächtlicher Dunkelheit nach Kabul geflogen. Das Flugzeug mit der dänischen Außenministerin Lene Espersen wurde nach Kasachstan umgeleitet. Nach Angaben aus Kopenhagen will die Ministerin von dort direkt nach Dänemark zurückkehren.
Salut
Gerhard Rinker (GerdR)
- 20.07.2010, 13:47 Uhr
wenn die NATO abzieht- wer bewacht dann die Opiumfelder?
Kevin Bond (00Kevin)
- 20.07.2010, 18:14 Uhr
Lesenswert: 'Afghans lack faith in Kabul conference'
Rolf Joachim Siegen (rolfS2)
- 23.07.2010, 12:35 Uhr
