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Freigegebene Dokumente : Was steht in den Kennedy-Papieren?

„Im Fall Oswald gibt es nichts Neues, außer, dass er tot ist“: F.B.I.-Chef Hoover in einem bislang unbekannten Schriftstück aus den Kennedy-Akten. Bild: AP

Lange war die Veröffentlichung der letzten Akten zum Mord an John F. Kennedy erwartet worden. Auch wenn Präsident Trump einige Schriftstücke zurückgehalten hat, so gibt es doch einige neue Fakten zum Attentat in Dallas am 22. November 1963.

          In der vergangenen Nacht hat das Nationalarchiv der Vereinigten Staaten ein riesiges Konvolut von Akten veröffentlicht, die mit der Ermordung des früheren amerikanischen Präsidenten John Fitzgerald Kennedy in Verbindung stehen. Ein Teil der Papiere war vor diesem Termin der Öffentlichkeit komplett unbekannt, andere schon in Teilen veröffentlicht. Die Papiere sollten am Donnerstag veröffentlicht werden, nachdem der Kongress im Jahr 1992 entschieden hatte, sämtliche Akten über die Kennedy-Ermordung nach weiteren 25 Jahren der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der einzige der das verhindern hätte können, war der amerikanische Präsident Donald Trump, der auf Twitter schon vor mehreren Tagen die Spannung anheizte. Nun hat er sich jedoch einigen Bedenken der Geheimdienste gebeugt und einen Teil der Akten weiter zurückgehalten. Eine Neubewertung dieser Unterlagen soll in den nächsten 180 Tagen erfolgen.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Politiker, Historiker und vor allem Verschwörungstheoretiker hatten der Veröffentlichung entgegen gefiebert, weil sie sich Aufklärung über einen Aspekt der amerikanischen Geschichte erhofften, der von zahlreichen Theorien und Unklarheiten umrankt ist. Die komplette Auswertung der Akten wird einige Zeit in Anspruch nehmen, sind es doch Tausende Seiten und Tondokumente, die das Nationalarchiv auf 134 Übersichtsseiten zur Verfügung gestellt hat. Doch der „Guardian“ hat schon einige neue Erkenntnisse zusammengetragen.

          So erhielt laut eines Dokuments die englische Zeitung „Cambridge News“ am frühen Abend des 22. November 1963 einen mysteriösen Anruf. Der Anrufer habe dem Redakteur lediglich gesagt, dass er in der amerikanischen Botschaft anrufen solle, es gebe „große Neuigkeiten“. Danach habe der Anrufer aufgelegt. Der Reporter informierte dann die Polizei, die reichte das an den britischen Inlandsgeheimdienst MI5 weiter, der die Information wiederum an die CIA weitergab. Das Merkwürdige an dem Anruf und der Grund dafür, dass der Journalist überhaupt die Polizei einschaltete: Der Anruf soll rund 25 Minuten vor der Ermordung Kennedys eingegangen sein.

          Lee Harvey Oswald, der Kennedy ermordet haben soll, auf einem Polizeifoto kurz nach seiner Festnahme.

          Aus einem weiteren Dokument geht hervor, dass Lee Harvey Oswald, der Mann, der Kennedy erschossen hat, in Mexiko Kontakt zu einem Mitarbeiter des sowjetischen Geheimdienstes KGB gehabt habe. Dieser KGB-Mann wurde als Valerij Kostikov identifiziert, der für Abteilung 13 arbeiten soll, die mit Sabotage und Attentaten befasst sei. Dieses persönliche Gespräch habe am 28. September in der sowjetischen Botschaft in Mexiko-Stadt stattgefunden. Am 1. Oktober habe Oswald dann noch einmal angerufen und sich erkundigt, ob es „etwas Neues im Hinblick auf das Telegramm nach Washington“ gebe.

          Die Sowjetunion wiederum war laut eines Berichts des Justizministeriums geschockt über die Ermordung Kennedys. Wie es in dem Bericht, der sich auf eine Quelle in der Sowjetunion stürzt, betrachtete die sowjetische Führung Oswald als „neurotischen Wahnsinnigen“. Gleichzeitig sei man dort überzeugt gewesen, dass die Ermordung das Ergebnis einer Verschwörung „ultrarechter“ Kräfte in den Vereinigten Staaten gewesen sei. Sie sei durchgeführt worden, um das Attentat den Sowjets in die Schuhe zu schieben und Verhandlungen mit Moskau zu torpedieren. Auch habe es Befürchtungen gegeben, ein „unverantwortlicher amerikanischer General“ könne eine Rakete auf die Sowjetunion starten.

          John F. Kennedy kurz vor seiner Ermordung im offenen Wagen in Dallas.

          Die Reaktion der Kubaner soll durchaus anders ausgefallen sein. So beschreibt ein Papier, dass der kubanische Botschafter in Ottawa Cruz und sein Personal mit fröhlichem Entzücken auf die Nachricht der Ermordung reagiert hätten. Er habe jedoch Instruktionen aus Kuba erhalten, sich zurückzuhalten und deshalb alle seine Angestellten in Kanada angewiesen „in der Öffentlichkeit nicht mehr fröhlich“ auszusehen. Er habe dann zwar an einer Messe für Kennedy teilgenommen, doch nur aus Pflichtgefühl und nicht aus innerer Anteilnahme.

          Der Attentäter Lee Harvey Oswald wurde nur zwei Tage nach der Ermordung Kennedys selbst Opfer eines Anschlags. Wie einem Dokument in den Kennedy-Papieren zu entnehmen ist, habe das F.B.I. von einer Bedrohung gewusst. Behörden-Chef J. Edgar Hoover habe berichtet, dass das F.B.I. in Dallas am Vorabend der Ermordung Oswalds durch den Nachtklubbesitzer Jack Ruby einen anonymen Anruf erhalten habe. Der Anrufer habe gesagt, er sie Mitglied eines Komitees, das Oswald umbringen wolle. Das F.B.I. habe sofort die Polizei verständigt, die gesagt habe, der Schutz Oswalds sei ausreichend. Auch bei einem weiteren Telefonat am Morgen sei diese Versicherung wiederholt worden. „Indes, das ist nicht getan worden“, heißt es in dem Schriftstück. Das F.B.I. habe einen Agenten in dem Krankenhaus gehabt, in das Oswald mit einer Schusswunde im Bauch eingeliefert wurde, in der Hoffnung, er würde noch „so etwas wie ein Geständnis“ machen, „aber das tat er nicht.“ Der Tod Oswalds trotz der Warnungen sei „unentschuldbar“ sagt Hoover laut des Dokuments. Angefangen hatte er das Schriftstück mit dem Satz: „ Es gibt nichts Neues im Fall Oswald, außer, dass er tot ist.“

          Lee Harvey Oswald wird zwei Tage nach der Ermordung Kennedys von Jack Ruby erschossen.

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