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Jemen Deutsche Familie weiter vermisst

16.06.2009 ·  Die zwei im Jemen tot aufgefundenen deutschen Frauen sind identifiziert: Es sind Missionsschülerinnen aus dem Raum Gifhorn. Das Schicksal der entführten deutschen Familie mit drei kleinen Kindern ist weiter völlig unklar.

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Der Tod von zwei deutschen Frauen in dem grausamen Entführungsdrama im Jemen wird immer mehr zur Gewissheit. „Wir müssen heute leider davon ausgehen, dass sich unter den Opfern zwei vermisste deutsche Frauen befinden“, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier am Dienstag in Berlin.

Nachdem Hirten am Montag in einem Tal in der Provinz Saada die Leichen der drei Frauen gefunden hatten, fehlte von den anderen sechs Ausländern aus der neunköpfigen Gruppe von Entführten am Dienstag noch jede Spur. Es sei zu vermuten, dass sich die weiteren fünf deutschen Vermissten - ein Ehepaar mit drei kleinen Kindern - „in den Händen von skrupellosen Gewalttätern befinden“. Ferner wird ein britischer Ingenieur vermisst.

Bibelschule identifiziert Opfer

Unterdessen hat die Bibelschule Brake in Lemgo auf ihrer Internetseite mitgeteilt, dass die beiden tot aufgefundenen deutschen Frauen Schwesternschülerinnen ihrer Institution gewesen seien. Die Schulleitung teilte am Dienstag mit, sie habe „mit tiefer Bestürzung“ die Nachricht vom Tod der 24-jährigen Anita G. und der 25-jährigen Rita S. aufgenommen.

Die beiden Schülerinnen der Bibelschule im Lipperland waren nach Angaben der Schulleitung seit Anfang Juni im Jemen, wo sie im Krankenhaus von Saada als Krankenpflegerinnen ein Praktikum für die Hilfsorganisation Worldwide Services absolvierten. Das Praktikum sollte drei Monate dauern. Laut Schulleitung hatten sich Rita S. und Anita G. „aufgrund ihres ausgeprägten sozial-diakonischen Engagements“ für den Einsatz entschieden.

Vergebliche Suche

Berichte von Provinzbeamten in Saada, wonach zwei kleine Mädchen lebend gefunden wurden, bestätigte das jemenitische Innenministerium am Dienstag nicht. Die Sicherheitskräfte hätten in der Nacht vergeblich nach den entführten Ausländern gesucht, hieß es.

In jemenitischen Medienberichten war am Dienstag von einem Machtkampf zwischen einem lokalen Drogenschmuggler und den Sicherheitskräften die Rede. Nach dieser offiziell nicht bestätigten Version sollen die Ausländer angeblich von einem Drogenboss als Faustpfand entführt worden sein, um die Behörden zur Herausgabe einer in der vergangenen Woche beschlagnahmten großen Drogenlieferung zu zwingen. Die Regierung sei darauf nicht eingegangen, weshalb die Entführer zunächst die Frauen ermordet hätten. Die Provinz Saada liegt unweit der Grenze zu Saudi-Arabien, wo trotz drakonischer Strafen - Rauschgifthändler werden enthauptet - regelmäßig Drogenschmuggler gefasst werden.

Die deutschen Pflegehelferinnen und die koreanische Lehrerin waren am Freitag während eines Ausfluges mit der deutschen Familie und einem 45 Jahre alten britischen Ingenieur nördlich der Hauptstadt Sanaa entführt worden. Die Ausländer hatten alle im Dschumhuri-Krankenhaus in Saada gearbeitet.

Die Regierung in Seoul sagte, die Leiche der 34 Jahre alten Lehrerin aus Südkorea sei in einem Krankenhaus in Saada identifiziert worden. Die deutsche Botschaft im Jemen hat inzwischen einen Mitarbeiter in die Region entsandt.

Beamte in Saada sagten, die Leichen der Frauen, die mit Pistolen und Dolchen umgebracht wurden, seien im Wadi al-Nuschur, einem trockenen Flusstal zwölf Kilometer nordöstlich der Stadt Saada, entdeckt worden. Zu der Entführung und der Ermordung der Frauen hat sich bislang niemand bekannt. Beobachter in Saada halten es für möglich, dass islamistische Extremisten der Al Qaida die Ausländerinnen umgebracht haben.

Unklar ist bislang, ob eine Verbindung zwischen dieser Geiselnahme und der Entführung einer Gruppe von Ärzten und Krankenschwestern aus einem anderen Krankenhaus in Saada besteht. Die 14 Ärzte und Pfleger aus Indien, Ägypten, dem Sudan und den Philippinen waren am Donnerstag vergangener Woche zusammen mit acht Familienangehörigen von bewaffneten Stammesangehörigen nördlich von Sanaa entführt worden. Einen Tag später kamen sie frei.

Keine Hinweise auf Täter

Dafür, dass die von der Regierung als Täter bezichtigten Rebellen der Schiiten-Bewegung von Abdulmalik al-Houthi die Frauen getötet haben könnten, gibt es bislang keine Hinweise. Mohammed Abdulsalam, der Sprecher der Rebellen, sagte am Dienstag: „Die Region, in der die Ausländer entführt wurden, ist voller Straßensperren der Armee. Das Gebiet wird nicht von uns, sondern von den staatlichen Sicherheitskräften kontrolliert, deshalb tragen sie auch die Verantwortung dafür.“

Den Rebellen sei sehr an einer Aufklärung gelegen. Sie hätten auch davon gehört, dass möglicherweise Drogengeschäfte bei der Entführung eine Rolle gespielt haben könnten. Beweise dafür lägen ihnen aber nicht vor. Sie planten für Mittwoch eine Demonstration, um gegen das „verabscheuungswürdige Verbrechen“ zu protestieren. Aus ihrer Sicht sei die Arbeit der Ausländer in dem Krankenhaus ein Segen für die lokale Bevölkerung.

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Von Stefan Tomik

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