Home
http://www.faz.net/-gq5-7hcj5
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Jemen Achtjährige offenbar nach Vergewaltigung in der Hochzeitsnacht gestorben

Das Mädchen ist acht, der Mann Mitte 40: Nach einer Zwangshochzeit ist im Jemen laut einem Medienbericht abermals ein Kind gestorben. Die Eltern der kleinen Mädchen, die ihre Töchter verschachern, nennen es „Hochzeit“. Menschenrechtler sprechen von Vergewaltigung.

Im Jemen ist laut Medienberichten eine acht Jahre alte Kindsbraut in der „Hochzeitsnacht“ nach Geschlechtsverkehr mit einem Mann in den Vierzigern gestorben. Die kleine Rawan hatte laut Medienberichten am vergangenen Samstag die erste Nacht mit ihrem „Bräutigam“ verbringen müssen. Dabei sei in einem Hotel der Stadt Haradh die Gebärmutter des Mädchens durch den Geschlechtsverkehr gerissen. Ein Mitarbeiter der Sicherheitsbehörden in der Provinz Hadscha dementierte den Bericht, der jedoch von mehreren jemenitischen Menschenrechtsorganisationen bestätigt wurde.

Der Mann aus Saudi-Arabien sei bislang nicht festgenommen worden. Das sagte Um Kalthum al-Schami, eine Aktivistin der Organisation Demokratische Schule in der Nachbarstadt Saada, unter Berufung auf Informanten in Haradh. Nach Angaben von Menschenrechtlern hatte Rawans Stiefvater für das Mädchen von dem Saudi 10 000 Rial (2024 Euro) erhalten. Der leibliche Vater des Kindes sei tot, teilte das Jemenitische Zentrum für Menschenrechte mit.

Die Aktivistin Al-Schami berichtete, Rawan sei binnen einer Woche bereits das zweite Mädchen, das nach der Verheiratung mit einem erwachsenen Mann gestorben sei. Vier Tage vor ihrem Tod sei in der selben Region bereits eine Zwölfjährige unter ähnlichen Umständen in der Hochzeitsnacht ums Leben gekommen. Dieses Mädchen habe mit seinen Eltern in einem Flüchtlingslager in der Nähe der Grenze zu Saudi-Arabien gelebt.

Ein Mitarbeiter des Jemenitischen Zentrums für Menschenrechte sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Wir wiederholen nach diesem schrecklichen Fall unsere Forderung nach einem Gesetz, das für Eheleute ein Mindestalter von 18 Jahren vorschreibt.“ Islamistische Politiker hatten im Jemen schon mehrfach entsprechende Gesetzesvorlagen zu Fall gebracht. Die Verheiratung minderjähriger Mädchen ist im Jemen relativ weit verbreitet. 2008 sorgte der Fall der zehnjährigen Nudschud Ali für Aufsehen, die vor einem Gericht in Sanaa ihre Scheidung erstritt.

„Die Verheiratung von sehr jungen Mädchen ist leider Alltag in unserem Land, und die Medien berichten nur darüber, wenn eines der Kinder stirbt“, sagte Amal al-Bascha, eine Aktivistin aus Sanaa. Das Argument der Islamisten gegen die Einführung eines Mindestalters sei oft, dass der Prophet Mohammed seine Frau Aischa auch im Kindesalter geheiratet habe. Ihre Organisation, das Mohn-Forum, werde trotzdem weiter versuchen, gegen die Verheiratung von Kindern zu kämpfen.

Quelle: DPA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Geiseln im Jemen Wieder scheitert ein amerikanischer Befreiungsversuch

Eine zweite Militäraktion zur Befreiung des amerikanischen Journalisten Luke Somers ist fehlgeschlagen. Die Entführer haben den Fotografen und eine weitere Geisel erschossen. Präsident Obama spricht von barbarischem Mord. Mehr

06.12.2014, 11:01 Uhr | Politik
Jemen Attentäter zündet Sprengstoff vor iranischer Botschaft

Bei einem Selbstmordanschlag auf die Residenz des iranischen Botschafters in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa sind mindestens drei Menschen getötet worden. Rettungssanitäter sprachen zudem von mehreren Verletzten. Mehr

03.12.2014, 10:50 Uhr | Politik
Vergewaltigungsvorwurf Karl Dall in Zürich vor Gericht

Wegen einer angeblichen Vergewaltigung muss sich Karl Dall vor einem Gericht in Zürich verantworten. Er soll sich 2013 an einer Journalistin vergangen haben. Mehr

09.12.2014, 08:45 Uhr | Gesellschaft
Boko Haram Entführte Mädchen wurden verheiratet

In einem Video äußert sich der angebliche Chef der Extremisten zum Schicksal der vor Monaten entführten Mädchen. Mehr

01.11.2014, 15:54 Uhr | Aktuell
Geiseldrama im Jemen In Stärke gescheitert

Die Chancen der Amerikaner standen schlechter als zuvor. Obama befahl die Kommandoaktion trotzdem. Warum wieder eine Geiselbefreiung im Jemen fehlschlug. Mehr Von Andreas Ross, Washington

07.12.2014, 16:55 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 09.09.2013, 17:04 Uhr

Russische Selbsterhaltung

Von Reinhard Veser

Wladimir Putin macht für die russische Krise äußere Faktoren verantwortlich. Merkt er nicht, wie absurd es klingt, wenn der Führer des größten Landes der Erde so etwas sagt? Mehr 46