Home
http://www.faz.net/-gpf-7hcj5
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 09.09.2013, 17:04 Uhr

Jemen Achtjährige offenbar nach Vergewaltigung in der Hochzeitsnacht gestorben

Das Mädchen ist acht, der Mann Mitte 40: Nach einer Zwangshochzeit ist im Jemen laut einem Medienbericht abermals ein Kind gestorben. Die Eltern der kleinen Mädchen, die ihre Töchter verschachern, nennen es „Hochzeit“. Menschenrechtler sprechen von Vergewaltigung.

Im Jemen ist laut Medienberichten eine acht Jahre alte Kindsbraut in der „Hochzeitsnacht“ nach Geschlechtsverkehr mit einem Mann in den Vierzigern gestorben. Die kleine Rawan hatte laut Medienberichten am vergangenen Samstag die erste Nacht mit ihrem „Bräutigam“ verbringen müssen. Dabei sei in einem Hotel der Stadt Haradh die Gebärmutter des Mädchens durch den Geschlechtsverkehr gerissen. Ein Mitarbeiter der Sicherheitsbehörden in der Provinz Hadscha dementierte den Bericht, der jedoch von mehreren jemenitischen Menschenrechtsorganisationen bestätigt wurde.

Der Mann aus Saudi-Arabien sei bislang nicht festgenommen worden. Das sagte Um Kalthum al-Schami, eine Aktivistin der Organisation Demokratische Schule in der Nachbarstadt Saada, unter Berufung auf Informanten in Haradh. Nach Angaben von Menschenrechtlern hatte Rawans Stiefvater für das Mädchen von dem Saudi 10 000 Rial (2024 Euro) erhalten. Der leibliche Vater des Kindes sei tot, teilte das Jemenitische Zentrum für Menschenrechte mit.

Die Aktivistin Al-Schami berichtete, Rawan sei binnen einer Woche bereits das zweite Mädchen, das nach der Verheiratung mit einem erwachsenen Mann gestorben sei. Vier Tage vor ihrem Tod sei in der selben Region bereits eine Zwölfjährige unter ähnlichen Umständen in der Hochzeitsnacht ums Leben gekommen. Dieses Mädchen habe mit seinen Eltern in einem Flüchtlingslager in der Nähe der Grenze zu Saudi-Arabien gelebt.

Ein Mitarbeiter des Jemenitischen Zentrums für Menschenrechte sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Wir wiederholen nach diesem schrecklichen Fall unsere Forderung nach einem Gesetz, das für Eheleute ein Mindestalter von 18 Jahren vorschreibt.“ Islamistische Politiker hatten im Jemen schon mehrfach entsprechende Gesetzesvorlagen zu Fall gebracht. Die Verheiratung minderjähriger Mädchen ist im Jemen relativ weit verbreitet. 2008 sorgte der Fall der zehnjährigen Nudschud Ali für Aufsehen, die vor einem Gericht in Sanaa ihre Scheidung erstritt.

„Die Verheiratung von sehr jungen Mädchen ist leider Alltag in unserem Land, und die Medien berichten nur darüber, wenn eines der Kinder stirbt“, sagte Amal al-Bascha, eine Aktivistin aus Sanaa. Das Argument der Islamisten gegen die Einführung eines Mindestalters sei oft, dass der Prophet Mohammed seine Frau Aischa auch im Kindesalter geheiratet habe. Ihre Organisation, das Mohn-Forum, werde trotzdem weiter versuchen, gegen die Verheiratung von Kindern zu kämpfen.

Quelle: DPA

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Österreich Vergewaltigt im Hallenbad

Im Dezember ist in einem Wiener Hallenbad ein Zehnjähriger von einem irakischen Flüchtling vergewaltigt worden. Berichtet wurde darüber, doch heiß diskutiert wird der Fall erst jetzt. Die Karriere einer schrecklichen Nachricht. Mehr Von Stephan Löwenstein, Wien

09.02.2016, 20:50 Uhr | Politik
Angebliche Vergewaltigung Sorge vor russischer Medien-Kampagne gegen Deutschland

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen sexuellen Missbrauchs eines 13-jährigen russlanddeutschen Mädchens. Russlands Außenminister Lawrow hat sich kritisch zu dem Fall geäußert. Mehr

28.01.2016, 15:18 Uhr | Politik
Naher Osten Steinmeier begibt sich auf Vermittlungsmission

Unterstützung für die Syrien-Gespräche und Vermittlung zwischen den Streithähnen Riad und Teheran: Chefdiplomat Steinmeier hat sich für die nächsten Tage viel vorgenommen. Obendrein will er sich in Iran und Saudi-Arabien auch um die Menschenrechte kümmern. Mehr

02.02.2016, 06:35 Uhr | Politik
Jemen Tote bei Selbstmordattentat in Aden

Bei einem Selbstmordattentat in der jemenitischen Hafenstadt Aden wurden am Sonntag mindestens vier Menschen getötet und zahlreiche Menschen verletzt. Die Explosion ereignete sich vor dem Haus des Sicherheitschefs der Stadt. Bei den Toten soll es sich um Leibwächter des Sicherheitschefs handeln. Mehr

18.01.2016, 14:55 Uhr | Politik
Saudi-Arabien Im Land der letzten Dinge

Außenminister Steinmeier besucht ein gespaltenes Land, Saudi-Arabien: Dem Königshaus fällt es immer schwerer, sich die Gefolgschaft der Bevölkerung zu sichern. Und in der Herrscherfamilie ist die Einhelligkeit bedroht. Mehr Von Christoph Ehrhardt, Riad

03.02.2016, 16:55 Uhr | Politik

Seehofers Unrecht

Von Jasper von Altenbockum

Der CSU-Vorsitzende erweist mit drei Worten der Demokratie einen schlechten Dienst. Die Rede vom „Staatsversagen“, von einer „Herrschaft des Unrechts“ und vom „permanenten Rechtsbruch“ ist eine Sackgasse. Mehr 3 262