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Jean-François Copé im Porträt : Ehrgeizig

Jean-François Copé Bild: dpa

Mit nur 98 Stimmen Vorsprung ist Jean-François Copé zum Chef der UMP gewählt worden. Bescheidenheit ist seine Stärke nicht. Er strebt in den Elysée-Palast.

          Auf seinem Schreibtisch in der UMP-Parteizentrale steht eine Zorro-Figur, sein Idol. Wie der Mann mit dem schwarzen Umhang und der Augenbinde sieht sich Jean-François Copé als einer, der nie aufgibt und immer wieder in den Sattel steigt. Ähnlich wie einst Nicolas Sarkozy wird Copé von dem Ehrgeiz getrieben, das höchste Staatsamt zu erobern. Die Gäste, die der junge Copé zu seiner Hochzeitsfeier einlud, erinnern sich noch schmunzelnd daran, wie der Bräutigam sie mit den Worten begrüßte: „Sie wohnen der Hochzeit des künftigen Präsidenten der Republik bei“. Die Ehe ist inzwischen geschieden, aber das Ziel Copés geblieben.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Im Alter von 48 Jahren hat er aus seiner Sicht eine wichtige Hürde auf dem Weg in den Elysée-Palast genommen: Künftig bestimmt er als UMP-Präsident über die Geschicke der wichtigsten Oppositionspartei Frankreichs. Den Parteiapparat kennt er, der bisherige Generalsekretär, so gut wie kein anderer. Dass sein Sieg denkbar knapp ausfiel (98 Stimmen Vorsprung) und vom Verdacht von Unregelmäßigkeiten bei der Urabstimmung überschattet wird, ficht ihn nicht an. Copé triumphierte vielmehr über die „absolute Mehrheit“, die er erreicht habe. Bescheidenheit ist nicht unbedingt eine der Stärken des talentierten „Überfliegers“, der auf eine französische Eliteausbildung zurückblickt.

          Bekennender Laizist

          Der 1964 geborene Sohn eines angesehenen Pariser Facharztes wurde am Institut d’Etudes Politiques („Sciences Po“) und an der Kaderschmiede Ena ausgebildet. Väterlicherseits stammt die Familie aus Bessarabien, der Vater verkürzte den Familiennamen Copelovici zu Copé. Zum jüdischen Glauben der Eltern fühlt sich Copé nicht zugehörig, er definiert sich lieber als bekennender „Laizist“. Seine jetzige (zweite) Ehefrau Nadia stammt aus Algerien und wuchs im muslimischen Glauben auf. Sie soll ihn unterstützt haben, als er dagegen aufbegehrte, dass französischen Schulkindern der „Schokocroissant“ versagt werden könne unter dem Vorwand, dass der Fastenmonat Ramadan respektiert werden müsse. Copé hat sich zum Anwalt einer „Rechten ohne Komplexe“ gemacht, die einen „Rassismus gegen Weiße“ in der Banlieue beklagt.

          Copé zog es gleich nach dem Studium in die Politik. Er war gerade 30 Jahre alt, als er das Rathaus der östlich von Paris gelegenen Kleinstadt Meaux eroberte und wenig später als Nachrücker in die Nationalversammlung einzog. Zwischen 2004 und 2007 leitete er als Budgetminister ein Schlüsselressort. In diese Zeit reicht sein großes Interesse an Deutschland zurück. Noch vor Sarkozy machte Copé im deutschen Reformprozess ein Modell für Frankreich aus. Auch als UMP-Fraktionsvorsitzender wurde er nicht müde, das deutsche Modell zu verteidigen. Mit Sarkozy, der ihm lange misstraute, hat sich Copé seit dessen Rückzug aus der Politik versöhnt. Doch die Parteimitglieder erwarten von Copé vor allem, dass er sich mit Francois Fillon und dessen Anhängern versöhnt. Das ist eine Herausforderung, für die Copé die Kräfte eines Zorros gut gebrauchen könnte.

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