15.08.2005 · Am 60. Jahrestag der Kapitulation Japans hat sich Ministerpräsident Koizumi für die militärische Aggression seines Landes im Zweiten Weltkrieg entschuldigt. Er erwähnte dabei erstmals namentlich die Nachbarländer China und Südkorea.
Am 60. Jahrestag der Kapitulation Japans hat sich Ministerpräsident Junichiro Koizumi bei den Staaten Asiens für das ihnen zugefügte Unrecht im Zweiten Weltkrieg entschuldigt. Koizumi erwähnte dabei namentlich die Nachbarländer China und Südkorea.
Bei einer Gedenkzeremonie im Beisein von Kaiser Akihito versprach Koizumi am Montag, daß sich sein Land nie wieder an einem Krieg beteiligen werde. China und Südkorea forderten die Regierung in Tokio unterdessen auf, ihren Worten der Reue über die Kriegsvergangenheit auch Taten folgen zu lassen.
Koizumi erwähnt erstmals Nachbarstaaten
Japan habe in vielen Ländern, vor allem in Asien, „enormen Schaden und Leid“ verursacht, sagte Koizumi in einer Erklärung. „Wir akzeptieren diese historischen Tatsachen in Demut und drücken abermals unsere tiefe Reue und das Gefühl aufrichtigen Bedauerns aus.“
Koizumis Stellungnahme ähnelte stark den Entschuldigungen früherer japanischer Ministerpräsidenten. Allerdings erwähnte Koizumi erstmals explizit die Nachbarstaaten: „China, Südkorea und andere asiatische Staaten sind nur durch einen schmalen Streifen Wasser von Japan getrennt. Ich denke, es ist Zeit, sich die Hände zu reichen, um Frieden in dieser Region aufrechtzuerhalten und zu entwickeln.“
Koizumi unterließ es, zum heftig umstrittenen Yasukuni-Schrein für Japans Kriegstote zu gehen, wo auch verurteilte Kriegsverbrecher geehrt werden. Allerdings gingen zwei seiner Kabinettsmitglieder und mehrere Parlamentarier zum Schrein, was scharfe Kritik Chinas auslöste.
China will Taten sehen
China forderte nachdrücklich, daß sich die japanische Regierung „mit wirklichen Taten seiner Geschichte und der Invasion stellt und nichts mehr tut, was die Gefühle der Menschen in den Ländern verletzt, die damals Opfer waren“, wie der Sprecher des Außenministeriums, Kong Quan, in Peking erklärte.
Mit landesweiten Gedenkfeiern begingen Chinesen den 60. Jahrestag des Sieges über die Japaner. Nach der Invasion der Japaner 1931 sind nach offiziellen Angaben mehr als 35 Millionen Chinesen ums Leben gekommen.
Südkorea will „ehrliche“ Vergangenheitsbewältigung
Südkorea rief Japan auf, die bilateralen Beziehungen auf der Grundlage einer „ehrlichen“ Vergangenheitsbewältigung und praktischer Schritte dafür zu fördern. „Ungeachtet der offiziellen Entschuldigung und Bekundung der Reue durch Japan lassen führende japanische Politiker mit ihrer Rhetorik und Aktionen daran zweifeln, ob sie wirklich reumütig sind,“ sagte der Sprecher der Außenministeriums in Seoul, Lee Kyu Hyung.
Koizumi hat den Yasukuni-Schrein seit seinem Amtsantritt 2001 vier Mal besucht. In diesem Jahr ging er bisher jedoch nicht hin. Zehntausende meist ältere Japaner strömten am Montag in das Heiligtum, um die 3,1 Millionen Kriegstoten zu ehren.
Britische Kriegsveteranen gedenken Kapitulation
Hunderte von britischen Kriegsveteranen gedachten unterdessen bei Veranstaltungen im ganzen Land des 60. Jahrestags der Kapitulation Japans. Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten stand die Erinnerung an das Leid der Kriegsgefangenen in Südostasien während des Krieges.
Zu deren Andenken wurde in der englischen Grafschaft Staffordshire ein Museum eröffnet. Am 15. August 1945 hatte Japan kapituliert und damit den Zweiten Weltkrieg in Asien beendet.