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Japan will Kernkraftwerke bauen : Rolle rückwärts

Ist es wirklich klug, in einem Land mit beträchtlichem Erdbebenrisiko nicht nur die Wiederinbetriebnahme vermeintlich sicherer Reaktoren anzukündigen, sondern sogar laut über den Bau neuer Kernkraftwerke nachzudenken?

          Wenn eine Regierung meint, Dinge, die jahrzehntelang richtig gewesen seien, könnten noch für einige Jahrzehnte nicht falsch sein, dann kann man das konsequent nennen. Man kann es aber auch rückwärtsgewandt nennen. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen. Wenn die neue japanische Regierung von Ministerpräsident Abe jetzt verkündet, sie wolle wieder verstärkt auf die zivile Nutzung der Atomkraft setzen, kann sie sich großer Aufmerksamkeit sicher sein.

          In Deutschland, wo über das Thema Atomkraft schon lange nicht mehr wirklich kontrovers diskutiert wird, dürfte Unverständnis überwiegen. Anderswo, etwa in Japans Nachbarschaft, sieht das ganz anders aus. Chinesen und Koreaner setzen auf Atomkraft, obwohl weder dort noch in Japan ein Endlagerkonzept vorliegt. Auch vielen anderen Ländern ist der deutsche Rigorismus fremd, der die Energiewende hier und jetzt erzwingen will.

          Das soll jetzt alles besser werden?

          Aber die Frage muss erlaubt sein, ob es wirklich klug ist, in einem Land mit beträchtlichem Erdbebenrisiko nicht nur die Wiederinbetriebnahme (vermeintlich) sicherer Reaktoren anzukündigen, sondern sogar laut über den Bau neuer Kernkraftwerke nachzudenken. Die Erfahrung mit dem, was nach den Explosionen in Fukushima im März 2011 geschah, stimmt nicht eben zuversichtlich. Mittlerweile ist durch mehrere Untersuchungen belegt, dass die Betreiberfirma Tepco ein miserables Krisenmanagement betrieben hat. Die Regierung hatte offenbar nicht die Möglichkeit, hier nachhaltig korrigierend einzugreifen. Das soll jetzt alles besser werden? Zwar gibt es eine neue Aufsichtsbehörde. Wie frei diese in ihren Urteilen sein wird, ist zumindest ungewiss. Wo ein politischer Wille ist, ist auch ein administrativer Weg. Und erst im Katastrophenfall zeigt sich, ob ein Kraftwerk sicher ist oder nicht.

          Ein überstürzter Verzicht auf Atomenergie hätte die japanische Wirtschaft vermutlich in eine noch tiefere Krise gestürzt als in jene, die sie wegen der exorbitanten Staatsverschuldung ohnehin schon zu bewältigen hat. Aber gerade eine globale Wirtschaftsmacht wie Japan sollte sich überlegen, ob es nicht klüger wäre, das eine (erneuerbare Energiegewinnung) zu tun, ohne das andere (Kernkraft) zu schnell zu lassen. Das wäre eine zukunftsgerichtete Politik. Ministerpräsident Abes Stärken liegen offenbar woanders.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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