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James Baker Bushs Helfer in der Not

06.12.2006 ·  Der frühere amerikanische Außenminister James Baker diente einst schon seinem Vater: Nun warten George W. Bush und Amerika gespannt auf die Empfehlungen der Kommission, die den Vereinigten Staaten militärisch einen Weg aus den irakischen Kalamitäten weisen sollen.

Von Klaus-Dieter Frankenberger
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Den Rat seines Großvaters hat er nur zum Teil beherzigt: Arbeite hart, lerne - und halte dich von der Politik fern! Denn eines kann man von James Addison Baker nicht sagen: daß er sich von der Politik ferngehalten hätte, selbst wenn die Beschäftigung mit ihr keinem jugendlichen Drang entsprang und mehr einem Zufall geschuldet war, der Begegnung mit George H. W. Bush. Der hat ihn entdeckt, und seither hat sich der Texaner Baker als begnadet-verbindlicher Manager der Politik hervorgetan und bewährt, genauer: als Manager der republikanischen Politik.

Er war Wahlkampfleiter für Ford, Reagan und Bush den Älteren, er war Reagans erfolgreicher Stabschef und, während der zweiten Amtszeit, dessen couragierter Finanzminister, der dem Sinken des Dollarkurses politisch nachhalf. Daß der Epochenwechsel nach dem Fall der Mauer sich so ruhig vollzog, war gewiß nicht sein Verdienst allein; aber als Außenminister hat er vieles vorzuweisen, was heute als Großtaten der internationalen Diplomatie Bibliotheken füllt: die Verankerung des vereinigten Deutschlands in der Nato; der kontrollierte Zerfall der Sowjetunion; das Schmieden einer breiten Koalition im zweiten Golfkrieg; die Anbahnung nahöstlicher Friedenskonferenzen.

Wegweisen aus den irakischen Kalamitäten

Bush dem Jüngeren, dem er verbunden ist, aber in Habitus, Naturell und Stil bei weitem nicht so nahesteht wie dessen Vater, diente er schon zweimal als Helfer in der Not: Nach der Wahl 2000 koordinierte er den juristischen Kampf, der Bush schließlich ins Weiße Haus führte; und dann, vor genau drei Jahren und im Schatten des Irak-Krieg-Zerwürfnisses, warb er bei skeptischen Mächten und noch skeptischeren Partnern von Paris bis Peking um das Erlassen irakischer Schulden - und zwar mit Erfolg.

Jetzt ist er, im Alter von 76 Jahren, der Kovorsitzende einer auch auf Wunsch des Kongresses eingesetzten Kommission, deren Empfehlungen Amerika militärisch einen Weg aus den irakischen Kalamitäten weisen sollen und deren Bedeutung zwischen Legitimitätsspender, Wegweiser und Alibi rangiert. Wie er es beurteilt, daß die Vereinigten Staaten unter Bush dort überhaupt hineingeraten sind, behält Baker für sich.

Desaströse Prognose?

Schließlich paßt er weder in die Kategorie des harten Nationalisten vom Schlage Cheneys noch teilt(e) er die Ambition der Neokonservativen. Was er von der bisherigen Führung des Pentagons hält - Stichwort Truppenstärke und Nachkriegsplanung - und wie er die Folgen eines nicht mehr einzudämmenden Bürgerkriegs im Irak für Amerika einschätzt, das hat er sich entlocken lassen: Das eine ist nicht schmeichelhaft, im zweiten Fall ist die Prognose desaströs.

Aber was immer die Baker-Hamilton-Kommission hinsichtlich Truppenstärken, Zeit- und Abzugsplänen empfiehlt - man kann sich kaum vorstellen, daß die Regierung Bush diese Empfehlungen mit einem Dankeschön entgegennimmt und sie prompt zur Grundlage ihrer künftigen Irak-Politik machen wird. Auch daß damit so bald die Kontrolle über die irakischen Entwicklungen zurückgewonnen werden kann. Aber sie könnten der Stoff sein, aus dem ein überparteilicher Konsens gewoben wird. Es würde den Ruf Bakers als Realisten und Staatsmann, den die Aura des Star-Consigliere umgibt, noch verstärken.

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Jahrgang 1955, verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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