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Jamaika Dutzende Tote bei Jagd auf Drogenbaron Coke

26.05.2010 ·  Die Suche nach dem mutmaßlichen Drogenboss Christopher Coke hat in Jamaikas Hauptstadt Kingston mehrere Dutzend Menschenleben gekostet. Premierminister Golding verhängte einen einmonatigen Ausnahmezustand.

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Bei Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Drogenbanden sind in Jamaika mehrere Dutzend Menschen ums Leben gekommen. Die Polizei in der Hauptstadt Kingston Town bezifferte die Zahl der Todesopfer am Dienstag (Ortszeit) auf 27. Krankenhäuser und Regierung schätzen die tatsächliche Opferzahl deutlich höher ein. Teilweise ist von 60 Toten die Rede. 211 Menschen wurden festgenommen.

Premierminister Bruce Golding verhängte einen einmonatigen Ausnahmezustand. In einer Erklärung gegenüber dem Parlament bedauerte er die zahlreichen Todesopfer unter Sicherheitskräften und unbeteiligten Passanten.

Die Zusammenstöße begannen bereits am Montag, als Armee und Polizei das Armenviertel Tivoli Gardens stürmten, um den mutmaßlichen Drogenboss Christopher Coke festzunehmen. Anwohner und Mitglieder seiner Gang „The Shower Posse“ setzten sich dagegen mit Waffen zur Wehr. Die Kämpfe zwischen Sicherheitskräften und Gangs breiteten sich am Dienstag auf weitere Armenviertel aus. Dabei griffen Drogengangs auch gezielt Polizeiposten an. Der 41 Jahre alte Coke konnte bisher nicht gefunden werden.

Video: Vier Tote bei Kämpfen wegen Drogenboss in Jamaika

Die Vereinigten Staaten hatten im August 2009 Cokes Auslieferung beantragt, doch Jamaikas Regierung sperrte sich zunächst lange dagegen. Die amerikanische Justiz wirft Coke vor, in großem Stil Marihuana und Crack in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln. Sie betrachtet ihn als einen der einflussreichsten Drogenhändler der Welt. In den vergangenen Tagen übte die amerikanische Regierung großen Druck auf Golding aus, um die Auslieferung Cokes voranzubringen.

In Jamaika sind Drogenbanden und Politik eng verbunden. Die von Coke angeführte Gruppe „The Shower Posse“ half der regierenden Labourpartei im vergangenen Wahlkampf. Die Regierung vergab einer von Coke kontrollierten Baufirma in der Vergangenheit zahlreiche Aufträge. In den Armenvierteln von Kingston Town ist Coke populär, da er Sozialleistungen finanziert. Coke wies die Vorwürfe der amerikanischen Justiz in der Vergangenheit stets zurück und bezeichnete sich als Geschäftsmann.

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Von Thomas Gutschker

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