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Jacob Zuma Südafrikas neuer „Big Man“

 ·  Lesen und Schreiben lernte er im Gefängnis. Über den Posten des Geheimdienstchefs stieg er zum Vorsitzenden des ANC auf. Und mit steilen Thesen zu HIV und Homosexuellen setzt Jacob Zuma die „politische Korrektheit“ außer Kraft.

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Für Jacob Gedleyihlekisa Zuma, den neuen Vorsitzenden der südafrikanischen Regierungspartei ANC, scheint der Begriff „politische Korrektheit“ außer Kraft gesetzt zu sein: Dass er nach seiner Absetzung als stellvertretender Präsident des Landes nach wie vor mit einem Verfahren wegen Korruption rechnen muss, ist seiner Popularität ebenso wenig abträglich wie der spektakuläre Vergewaltigungsprozess, in dem er schlussendlich freigesprochen wurde - und das, obwohl er sich im Verlaufe des Prozesses der Lächerlichkeit preisgab, als er aussagte, nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr mit der HIV-positiven Tochter eines alten ANC-Weggefährten sich per heißer Dusche vor einer Infektion geschützt zu haben.

Die ebenfalls aktenkundige Aussage, er könne einer Frau ansehen, ob sie Verkehr mit ihm wünsche oder die Bemerkung, er hätte als Jugendlicher jeden Homosexuellen ohne Zögern umgehauen, machen aus Jacob Zuma den typischen afrikanischen „Big Man“, an dem der Kontinent seit jeher leidet. 17 Kinder von neun Frauen hat der bekennende Polygamist, und die Zahl seiner gegenwärtigen Gattinnen schwankt mangels Auskunftsbereitschaft seinerseits zwischen drei und sechs. Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu nennt ihn schlicht „eine Zumutung“.

Der warmherzige „Comrade“

Doch daneben gibt es noch den anderen Zuma. Einen als warmherzig beschriebenen „Comrade“, der den Kontakt zu den kleinen Leuten nie vernachlässigt habe und dem deshalb die Herzen zufliegen. Einer, der regelmäßig alleine in die Slums von Durban fährt, um mit den Ärmsten der Armen ein Essen zu teilen.

Zuma, der aus bitterarmen Verhältnissen stammt, hat seine Herkunft im Gegensatz zu vielen arrivierten ANC-Mitgliedern offensichtlich nicht vergessen. Sein Vater, ein Polizeibeamter, starb, als Jacob drei Jahre alt war. Seine Mutter zog die Kinder mit dem wenigen Geld auf, das sie als Hausangestellte in Durban verdiente. Als Jacob alt genug war, einen Knüppel zu schwingen, musste er als Viehhirte seinen Teil zum Einkommen beisteuern.

Folgenschwere Fehleinschätzung

Dem ANC trat der heute 65 Jahre alte Zuma 1958 bei, weil er sich „unterdrückt“ fühlte. Fünf Jahre später wurde er wegen Umsturzplänen zu zehn Jahren Haft verurteilt, die er auf Robben Island absaß, wo auch Nelson Mandela inhaftiert war. Die „Comrades“ im Gefängnis brachten dem jungen Zulu Lesen und Schreiben bei. Nach seiner Entlassung ging er ins Exil nach Mocambique, später nach Swaziland und Sambia und stieg dabei zum Geheimdienstchef des ANC auf.

Eine politische Karriere auf nationaler Ebene blieb Zuma nach dem Machtwechsel 1994 aber zunächst verwehrt. Stattdessen wurde er Wirtschaftsminister in der Regionalregierung seiner Heimatprovinz KwaZulu-Natal. Erst als Mbeki 1999 Mandela als Präsident beerbte und der sprunghafte Vorsitzende der Zulu-Regionalpartei Inkhata, Mangosuthu Buthelezi, den Posten des Vize-Präsidenten ablehnte, entsann man sich des Zulu Zuma, der nicht nur geeignet war, die notorisch erhitzten Gemüter in der Provinz Natal zu beruhigen, sondern auch als Mann ohne Ambitionen galt - eine folgenschwere Fehleinschätzung, wie man heute weiß. Doch das erstaunliche Comeback des Jacob Zuma hat dem ANC tiefe Wunden beigebracht, die zu heilen es eines Mandelas bedürfte. Für Zuma sind diese Schuhe eindeutig zu groß.

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Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Johannesburg.

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