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Neuseelands Regierungschefin : Die lachende Jacinda

Mit breitem Lächeln: Jacinda Ardern bei der Vereidigungszeremonie in Wellington Bild: AFP

Von ihrem Konkurrenten wurde sie als „Sternenstaub“ bezeichnet und bei der Parlamentswahl wurde ihre Partei nur zweitstärkste Kraft. Trotzdem wurde Jacinda Ardern nun als Premierministerin Neuseelands vereidigt.

          Eigentlich konnte sie gar nicht gewinnen, und, genau genommen, hat sie es auch nicht. Als Jacinda Ardern Anfang August, sieben Wochen vor der Parlamentswahl in Neuseeland, die Führung der Labour Party übernahm, war die Wahrscheinlichkeit gering, dass das passieren würde, was an diesem Donnerstag geschehen ist: Sie wurde als Premierministerin Neuseelands vereidigt. Da waren zum einen die miserablen Umfragewerte ihrer eigenen Partei, wegen derer Parteiführer Andrew Little zurückgetreten war, und zum anderen der scheinbar unerschütterliche Ruf der konservativen National-Partei, die drei Legislaturperioden durchregiert hatte.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Nicht zuletzt erschien Ardern selbst mit ihren 37 Jahren vielen als nicht erfahren genug. Doch in kürzester Zeit wurde sie äußerst beliebt. Auf die Wähler wirkte sie authentisch, sie demonstrierte Empathie und zeigte stets ein breites und ansteckendes Lachen. Im ersten Monat nach ihrem Aufstieg zur Parteiführerin stieg der Zuspruch für Labour sogar um 20 Punkte. So klang es fast wie ein Kompliment, als sie ihr Konkurrent mit „Sternenstaub“ verglich. Er wollte damit aber eigentlich auf Arderns mangelndes Detailwissen in vielen Politikfragen hinweisen.

          Erst kurz vor der Wahl änderte sich die Stimmung wieder zugunsten der Konservativen. Labour wurde beim Urnengang einen Tag vor der Bundestagswahl trotz deutlicher Zugewinne nur zweitstärkste Partei. Aber auch die Konservativen hatten nicht genug Stimmen, um allein die Regierung zu stellen. Es liegt an den Eigenheiten des neuseeländischen Wahlsystems, dass sich die kleine Anti-Immigrations-Partei „New Zealand First“ in dieser Lage ihren Koalitionspartner selbst aussuchen konnte. Der streitbare Parteivorsitzende Winston Peters entschied sich überraschend für Labour. Offenbar gibt es genug Gemeinsamkeiten zwischen beiden Parteien etwa bei der Einwanderung, bei der sich Jacinda Ardern sogar für eine stärkere Begrenzung eingesetzt hatte als ihre konservativen politischen Gegner.

          So hat der „Kingmaker“ Peters die junge Parteivorsitzende Ardern also zur Königin der neuseeländischen Politik erhoben. Manche sehen darin einen Verrat des Wählerwillens, andere applaudieren. Auf jeden Fall bedeutet die Koalitions- und Regierungsbildung, dass nun zum ersten Mal seit Helen Clark (1999-2008) wieder eine Frau den dünnbesiedelten Inselstaat regieren wird. Die heutige Chefin des UN-Entwicklungsprogramms gehört zu den Förderern Arderns, die als junge Nachwuchspolitikerin nach dem Studium der Kommunikationswissenschaft in ihrem Büro tätig gewesen war.

          Die jüngste Regierungschefin in der neuseeländischen Geschichte kann schon auf eine Karriere als Jungsozialistin und Abgeordnete zurückblicken. Die Tochter eines Polizisten hat auch in einem Beraterteam für den damaligen britischen Premierminister Tony Blair gearbeitet. Doch nun muss sie das Kunststück vollbringen, sowohl den zukünftigen Vize-Premier und Außenminister Peters als auch die neuseeländischen Grünen zufriedenzustellen, mit denen sie ebenfalls eine Vereinbarung eingegangen ist.

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