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Iyad ag Ghaly im Portrait : Talib

Geschäftsmann und Gotteskrieger: Iyad Ag Ghaly Bild: AFP

Der Kopf der malischen Islamisten von Ansar al Dine hat sich von Mitglied der nationalistischen Tuareg zu einem waschechten Talib entwickelt. Die französischen Militärschläge bringen Iyad ag Ghaly nun in Schwierigkeiten.

          Der Führer der malischen Islamistengruppe „Ansar al Dine“, Iyad ag Ghaly, scheint sich verkalkuliert zu haben. Offenbar hatte der Targi nicht an die Bereitschaft Frankreichs geglaubt, notfalls allein gegen die Radikalen in Mali vorzugehen. Seit Freitag vergangener Woche sind Ghalys Gotteskrieger auf der Flucht. Ob sich damit der Spuk des Islamismus im Norden Malis seinem Ende nähert, bleibt abzuwarten.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Ghaly aber, der politische Kopf der Radikalen, ist in ernsten Schwierigkeiten. Er wird seinen Verbündeten von „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (Aqim) und „Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika“ (Mujao) erklären müssen, wie er sich derart irren konnte und warum so viele Mudschahedin jetzt tot sind. Und warum das Geschäft mit Geiseln und Drogentransporten inzwischen bedroht wird.

          Dabei hatte Ghaly sie alle um den Finger gewickelt: Der malischen Regierung hatte er vorgegaukelt, ernsthaft an Friedensverhandlungen interessiert zu sein. Doch wie dieser Mann funktioniert, war spätestens klargeworden, als er dem Vermittler in der malischen Krise, dem burkinischen Präsidenten Blaise Compaoré, mitteilen ließ, er habe jeglicher Form des Terrorismus abgeschworen, um kurz darauf mit den Terroristen von Aqim und Mujao die Offensive auf Konna zu planen.

          Von Saudi-Arabien ausgewiesen

          Iyad ag Ghaly, der in seiner Heimatregion als Respektsperson gilt, hat sich von einem nationalistischen Tuareg zu einem waschechten Talib entwickelt. Ghaly schloss als Anführer einer Tuareg-Rebellion 1990 einen Friedensvertrag mit Bamako, weil er den Zusagen der Regierung, die zurückgebliebene Region Azawad zu entwickeln, glaubte. Dafür haben ihn rivalisierende Tuareg-Gruppen lange gescholten. Die ersten Kontakte Ghalys zu radikalen Islamisten entstanden mutmaßlich um 2000, als die algerische Terrorgruppe „Groupe salafiste pour le combat et la prédication“ (GSPC) mit Geiselnahmen ausländischer Touristen - darunter auch Deutschen - auf sich aufmerksam machte. Ghaly empfahl sich als Vermittler zwischen den Terroristen und der Regierung in Bamako. Diese Rolle behielt er bei, als sich die GSPC 2007 in Aqim umbenannte.

          Offenbar wurden der Regierung in Bamako die guten Kontakte des Tuareg-Führers unheimlich. Ghaly wurde aus Mali „weggelobt“. 2008 trat er einen Posten im malischen Konsulat in Dschidda in Saudi-Arabien an. 2010 tauchte Ghaly wieder in Mali auf. Offiziell hieß es, er sei auf Wunsch des malischen Außenministeriums zurückgekehrt. Tatsächlich aber hatten ihn die Saudis ausgewiesen, nachdem Ghaly auffällig engen Kontakt zu bekannten Radikalen aus Pakistan unterhalten hatte.

          Anfang 2012 hängte sich Ghaly an die Tuareg-Rebellen der „Nationalen Befreiungsbewegung für Azawad“ (MNLA), und als diese fast den gesamten Norden erobert hatten, ließ Ghaly seine Gotteskrieger von der Leine und führte die inzwischen faktisch machtlose MNLA vor. Das alles hätte den Verhandlungsführern in der malischen Krise eine Lehre sein sollen, als sie Ansar al Dine an den Verhandlungstisch baten und Ghaly damit die Zeit gaben, eine neue Offensive vorzubereiten.

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