28.06.2012 · Italiens Ministerpräsident Monti hat einen Gutteil des Rückhalts, den er bei Amtsantritt genoss, längst eingebüßt. Schon droht sein Vorgänger mit Rückkehr.
Von Jörg Bremer, RomRichtlinien für Lesermeinungen
Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Leser-Kommentare zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 1000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung des Leser-Kommentars weisen wir am Beitrag sowohl den Klarnamen als auch den Nickname des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.
Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Leser-Kommentaren von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Leser-Kommentare zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für FAZ.NET-Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.
Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.
Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Leser-Kommentare automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.
Die Italiener müssen ähnlich wie alle anderen
südeuropäischen Pleitestaaten erkennen lassen, dass SIE die
Verantwortung für ihre Staatsfinanzen zu tragen bereit sind. Sonst
wird das nichts mehr mit dem Vertrauen der Märkte in diese Staaten.
Wir Deutsche sollten uns mal fragen, wie sehr die anderen unsere
Situation interessieren wird, wenn wir alle zusammen nach
Vergemeinschaftung der Schulden abgesoffen sind. Ganz schnell wird klar:
Jeder muß für sich kämpfen- nur dann bleiben wir gute Freunde.
Wenn ich die Immobilienschulden meiner Nachbarn auch noch abtragen
sollte und sehen dürfte, wie sie es sichim Gegenzug gut gehen
lassen, würden wir nicht mehr zusammen grillen.
Sparen u. Verzicht!?, zuerst die anderen. Wie immer reagieren Menschen überall gleich; Hemd ist näher als Hose. Bequemer ist Siesta und Probleme ignorieren. Kommen Probleme, kommt ESM. Berlusconi führt Italien in griechische Verhältnisse, ein Mentalist der erzählt was Menschen hören wollen. Its Showtime in Rom! Nur wenige EU-Staaten wie DE haben Menschen gespart und verzichtet, Reformen erduldet. Alle andere EU-Staaten waren mehr Nutznießer statt Solidarpartner. Aus welchen Gründen erwarten solche Schuldenstaaten Solidarität in Krisenzeiten? Alle deren "Einfälle" wie Eurobonds usw. ist nichts anderes was bisher Banken, Versicherungen ectr. auch mit Menschen gemacht hatten. Absolut NO-GO. Vielleicht ist eine DE Verschuldung bei €-Austritt überschaubarer statt €+ESM-Faß ohne Boden!?
...bräuchte Italien eine Margret Thatcher...die diese korrupten Gewerkschaften "aus dem Weg räumt". Dann gäbe es auch eine Wendung in den seit Jahrzehnten nötigen Maßnahmen im Arbeitssektor.
Monti:In der Maske des Biedermanns als ESM-Schutzgelderpresser in Brüssel
Monti wird abgezogen, sobald seine Täuschungsmission in
Brüssel erfüllt ist. Schon jetzt bröckelt die von Monti
vorgeschobene Reformkulisse - eine kurze Zeit des Wohlverhaltens, um
weitere EU-Subventionen zu erschwindeln.
Tatsächlich verdient der Subventionist Italien keinerlei
EU-Solidarität. Italiens Bürger horten (gemessen am BIP) mehr
Nettofinanzvermögen, als die Bewohner Deutschlands.
Italien, dem das Kino vor allem Diebeskomödien verdankt, frönt
immer ungenierter seinen Nationalcharakter:
So lässt das wohlhabende Italien arme EU-Staaten wie die Slowakei
hart für Rettungsschirme sparen, damit Italiens Bürger
weiterhin ihre opulente Staatszeche prellen können.
(So vergeudet das unbedeutende italienische Präsidialamt das
8-Fache seines dt. Pendants).
Das Italien des Goldman Sachs-Beraters Monti täuscht
Reformbereitschaft nur vor. Als sich dort verräterische Risse
zeigten, ersetzte Monti Glaubwürdigkeit durch EU-Untergangsdrohungen.
Ein Schutzgelderpresser bei der Arbeit.
Sanieren und Sparen schafft genauso viel Frust, wie das Verprassen
geliehenen Geldes Spaß macht. Und wer nur "blood, sweat and
tears" zu bieten hat, hat es schwer.
Diese Erfahrung macht jetzt Monti. Die Parteien lassen seine
ehrgeizigen, oft harten Reformen bestenfalls halbiert durch das
Parlament.
Die Gläubiger sind damit verständlicherweise unzufrieden,
zumal spätestens 2013 ein populistischer Berlusconi oder eine
Hollande-freundliche Links-Koalition droht. Daher bleibt der Zins-Spread hoch.
Mit unverschämten Forderungen nach Euro-Bonds will Monti die
Italiener bei Stimmung halten, verprellt damit aber die Deutschen.
Die gute Zeit für Monti ist vorbei. Aber alle Alternativen sind
noch schlechter.
Jörg Bremer Jahrgang 1952, politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan mit Sitz in Rom.
Jüngste Beiträge