Home
http://www.faz.net/-gpf-758gq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Italien Haushalt gebilligt – Monti reicht Rücktritt ein

In Italien hat am Abend auch das Abgeordnetenhaus den Haushalt für das kommende Jahr gebilligt. Wie erwartet, hat Ministerpräsident Mario Monti nun sein Rücktrittsgesuch bei Staatspräsident Napolitano eingereicht. Ob der Ökonom ein weiteres Mal antritt, lässt er offen.

© dapd Rücktritt eingereicht: Mario Monti am Freitagabend in Rom

Ministerpräsident Mario Monti hat nach nur 13 Monaten im Amt am Freitagabend seinen Rücktritt erklärt. Der parteilose Reformer reichte ein entsprechendes Schreiben bei Präsident Giorgio Napolitano ein. Kurz zuvor hatte Monti im Parlament eine letzte Vertrauensabstimmung gewonnen: Die Abgeordneten votierten mit großer Mehrheit für den Staatshaushalt 2013. Es gab 309 Ja- und 55 Nein-Stimmen sowie fünf Enthaltungen. Napolitano hat Neuwahlen in Italien für den 24. Februar in Aussicht gestellt.

Der Präsident will bereits an diesem Samstag mit wichtigen politischen Führern über die Lage beraten. Anschließend wird seine Entscheidung zur Auflösung des Parlaments erwartet.

Keine Unterstützung mehr im Parlament

Monti hatte das Amt des Regierungschefs im November 2011 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise nach dem Rücktritt von Silvio Berlusconi übernommen. Seine Amtszeit sei „schwierig, aber faszinierend“ gewesen, sagte der 69 Jahre alte Wirtschaftsexperte am Freitag. „Vor einem Jahr hat diese Regierung ihre Arbeit aufgenommen. Heute - und das ist nicht die Schuld der Maya-Prophezeiung - müssen wir unsere Rolle ablegen“, sagte Monti wenige Stunden vor seinem Rücktritt.

Monti hatte bereits vor zwei Wochen angekündigt, dass er nur noch das Budget 2013 durchbringen und dann abtreten wolle, weil er für seine Reformpolitik keine Unterstützung mehr im Parlament habe. Die Partei Berlusconis hatte dem Wirtschaftsprofessor die Unterstützung entzogen.

Über Montis Zukunft gibt es viele Spekulationen. Ob er abermals kandidieren wird, ist ungewiss. Für Sonntag kündigte er eine Pressekonferenz an. Der parteilose Ökonom könnte an der Spitze einer Koalition der Mitte ins Rennen gehen und somit gegen seinen Vorgänger Berlusconi sowie die Mitte-Links-Kräfte antreten, heißt es.

Verbündung mit Berlusconi?

Fabrizio Cicchitto, ein prominenter Vertreter von Berlusconis Partei PdL (Volk der Freiheit), rief Monti auf, sich mit dem 76 Jahre alten Medienmogul zu verbünden. Zugleich kritisierte er Italiens Linke: Diese sei Deutschland hörig, wie sie einst der Sowjetunion hörig gewesen sei. „Deutschland kümmert sich über Europa in sehr effektiver Weise um seine Interessen“, sagte Cicchitto.

Der 76-Jährige Berlusconi hatte in der vergangenen Woche erklärt, er könne als Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten zugunsten von Monti verzichten, wenn dieser an der Spitze eines Bündnisses aller Mitte-Rechts-Kräfte antrete.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET mit dpa

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Eurokrise Griechischer Minister deutet baldige Neuwahl an

Spekulationen über eine Neuwahl in Griechenland schon in den nächsten Wochen bekommen neue Nahrung. Die Vertrauensabstimmung von Ministerpräsident Tsipras könnte gar in den nächsten Tagen stattfinden. Mehr

17.08.2015, 11:22 Uhr | Politik
Bunga Bunga-Sexpartys Freispruch für Silvio Berlusconi

Das Oberste Gericht Italiens hat den Freispruch für den früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi im Prozess um Prostitution Minderjähriger und Amtsmissbrauch in der sogenannten Ruby-Affäre bestätigt. Der Kassationsgerichtshof in Rom setzte damit einen Schlussstrich unter eine Justizsaga, die das Land seit Jahren beschäftigt. Mehr

11.03.2015, 14:36 Uhr | Politik
Westliche Einflussnahme Der Albtraum ukrainischer Politiker

Eigentlich prowestliche Politiker in der Ukraine werfen Deutschland und Frankreich vor, den Einfluss Moskaus in ihrem Land zu verewigen. So werde die reformierte Verfassung zur Waffe der Russen. Was ist da dran? Mehr Von Konrad Schuller, Kiew

17.08.2015, 06:32 Uhr | Politik
Kuriose Werbung Wahlkampf mit Drachen und Alien

Was Wyatt Scott machen will, sollte er ins kanadische Parlament gewählt werden, ist das eine. Das andere ist, wie sich der parteilose Wahlkämpfer in seinem Spot präsentiert. Mehr

13.08.2015, 14:40 Uhr | Gesellschaft
Japanische Verfassungsreform Massenproteste gegen geplante Militäreinsätze

Japans Ministerpräsident möchte die Armee zukünftig auch außerhalb des Heimatlandes einsetzen. Doch sein Reformvorhaben ist umstritten. Zehntausende Menschen demonstrieren dagegen und fordern seinen Rücktritt. Mehr

30.08.2015, 17:22 Uhr | Politik

Veröffentlicht: 21.12.2012, 19:34 Uhr

Osteuropa darf sich nicht verkriechen

Von Thomas Gutschker

Der Flüchtlingsstrom zieht in eine Richtung – in den Norden. Der Osten Europas hat bisher nur wenige Menschen aufgenommen. Es wird Zeit für mehr Solidarität und ein faires Quotensystem für Flüchtlinge in der EU. Mehr 14