17.01.2011 · Die italienischen Staatsanwälte versorgen die Presse abermals mit saftigen Geschichten über Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Der Vorwurf: ein eigener „Harem in Mailand“. Nun wird gegen ihn auch wegen Beihilfe zur Prostitution ermittelt.
Von Jörg Bremer, RomSeit dem Wochenende auch noch konfrontiert mit Ermittlungen der Mailänder Staatsanwaltschaft wegen Beihilfe zur Prostitution einer Minderjährigen und Amtsmissbrauchs, schlägt der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi nun zurück - in der von ihm gewohnten Form. Er werde von der Justiz seit 17 Jahren verfolgt, „in der Hoffnung, mich aus der Politik zu verdrängen. Doch diesmal wurde jede Grenze überschritten. Der Schlamm wird auf diejenigen zurückfallen, die Ermittlungen als politische Waffe benutzen“, ließ er am Wochenende mitteilen: „Auch diesmal wird es ihnen nicht gelingen, mich aufzuhalten“, versicherte Berlusconi, der schon in drei Verfahren verstrickt ist, meist wegen Steuerhinterziehung und Bestechung.
In der Opposition forderte der Chef der Partei „Italien der Werte“, Antonio Di Pietro, Berlusconis Rücktritt. Der Demokrat Pierluigi Bersani von der größten Oppositionspartei (PD) meinte, Berlusconi sei auf der Flucht vor sich selbst: „In diesem Moment schämen wir uns seinetwegen vor der Welt. Minderjährige Mädchen sollten in die Schule und nicht auf Partys mit alten Reichen gehen“, sagte Bersani. Andererseits gibt es inoffiziell auch Zweifel im PD am Verfahren der Staatsanwälte in Mailand, die immer wieder neue Prozesse gegen Berlusconi anstrengen, aber nicht belangt werden können, wenn sie Monate später die Ermittlungen fallen lassen. Hoffentlich gebe es harte Beweise, sonst mache sich die Justiz lächerlich, heißt es beim PD.
7000 Euro für die 17-Jährige „Ruby“
Seit dem Wochenende versorgen die Staatsanwälte die Presse mit saftigen Geschichten. Danach soll Berlusconi einen „Harem in Mailand“ gehalten haben. Er habe seine frühere Zahntechnikerin Nicole Minetti als Vertraute dafür genutzt, um seine jungen Geliebten im Bedarfsfall mit einem Zimmer in einer von ihm gemieteten Wohnung zu versorgen. Dort habe es an Geld und Schmuck nicht gefehlt, schreibt „La Stampa“. Vor allem aber geht es um die vor einem Jahr noch 17 Jahre alte Nachtclub-Tänzerin „Ruby“. Mindestens dreimal sei sie bei Berlusconi zu Gast gewesen, sagt die Presse. Im vergangenen Mai habe er sie im direkten Telefonat mit der Polizei in einer Nacht unter dem Vorwand aus dem Polizeigewahrsam geholt, sie sei eine Verwandte des ägyptischen Präsidenten und Italien wolle keine diplomatischen Verwicklungen. Obwohl dies nicht stimme, sei sie entlassen worden.
Nun verteidigt „Ruby“ Berlusconi. Sie habe „absolut keinen Sex“ mit dem Ministerpräsidenten gehabt. Sie habe sich stets als Vierundzwanzigjährige ausgegeben und entsprechend gekleidet, sagte sie einem Fernsehsender. Sie sei mit anderen Mädchen einmal am Valentinstag beim Regierungschef gewesen, zum Essen, Plaudern und Tanzen. Berlusconi habe gesungen und Witze erzählt. Er habe ihr 7000 Euro gegeben, weil „ich gerade in Mailand angekommen war und er von meiner schwierigen familiären Lage wusste“. Die Mailänder Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 74 Jahre alten Berlusconi, um zu klären, ob er Sex mit dem damals noch minderjährigen Mädchen gehabt hat. Auch soll untersucht werden, ob Berlusconi seine Macht missbrauchte, um die angebliche Zusammenkunft zu verschleiern.
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Jörg Bremer Jahrgang 1952, politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan mit Sitz in Rom.
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