28.06.2006 · Nach Beginn der Militäroffensive im Gazastreifen hat Ministerpräsident Olmert „extreme Mittel“ zur Befreiung des entführten israelischen Soldaten angekündigt. Die Regierung droht, Hamas-Führer Meschal zu töten. Palästinenserpräsident Abbas verurteilt die Militäraktion als „Kollektivstrafe“.
Drei Tage nach der Entführung eines ihrer Soldaten hat die israelische Armee eine großangelegte Bodenoffensive begonnen. Etwa 5000 Soldaten rückten mit Panzern, Transportfahrzeugen und Bulldozern in der Nacht in den Gazastreifen ein. Ministerpräsident Ehud Olmert kündigte „extreme Mittel“ zur Befreiung des Soldaten an, der Gazastreifen solle aber nicht wieder besetzt werden. Ein israelischer Minister drohte mit gezielten Angriffen auf Hamas-Mitglieder in Syrien. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas kritisierte die Offensive als „Kollektivstrafe“, die Hamas-Regierung drohte mit Vergeltung.
Zu Beginn der Operation mit dem Codenamen „Sommerregen“ flog die Luftwaffe mehrere Angriffe, bei denen drei Brücken und das wichtigste Elektrizitätswerk des Gebietes im Flüchtlingslager Nusseirat zerstört wurden. Weite Teile des Gazastreifens waren von der Stromversorgung abgeschnitten. Aus Furcht vor Angriffen flohen viele Bewohner aus ihren Häusern.
Israel: Wir verhandeln nicht
Ministerpräsident Olmert sagte im israelischen Rundfunk, Israel werde mit keiner terroristischen Gruppe über die Freilassung des Soldaten verhandeln. Der Minister für Innere Sicherheit, Avi Dichter, drohte mit gezielten Angriffen auf Hamas-Mitglieder im Ausland. Nach Warnungen an Syrien, die ignoriert worden seien, habe Israel nun freie Hand, „diese Mörder zu treffen“.
Militante Palästinenser hatten den 19 Jahre alten Soldaten Gilad Schalit am Sonntag bei einem Angriff auf einen israelischen Militärposten am Rande des Gazastreifens verschleppt. Zu der Entführung hatten sich unter anderen der bewaffnete Arm der Hamas, die Essedin-al-Kassam-Brigaden, und das Komitee für den Volkswiderstand bekannt.
Abbas: Eine „Kollektivstrafe“
Mehrere Minister beschuldigten den in Syrien lebenden Hamas-Führer Meschal, die Entführung des Soldaten befohlen zu haben. Justizminister Chaim Ramon sagte über Meschal im Armeeradio: „Wir haben ihn definitiv im Fadenkreuz. Wie jeder Terrorist und Terroraktivist ist er ein Ziel.“
Meschal hatte 1997 in der jordanischen Hauptstadt Amman einen Giftanschlag des israelischen Geheimdienstes Mossad überlebt. Die Agenten konnten festgenommen werden und wurden später im Austausch gegen den bis dahin in Israel inhaftierten Hamas-Gründer Scheich Ahmad Jassin freigelassen. Die Aktion löste damals eine schwere diplomatische Krise mit Jordanien aus und gilt als einer der größten Fehlschläge des Mossad.
Palästinenserpräsident Abbas werte die Angriffe Israels auf zivile Ziele und die Infrastruktur als „Kollektivstrafe“ für das gesamte palästinensische Volk und als „Verbreche gegen die Menschlichkeit“, sagte sein Sprecher. Abbas sei von der nächtlichen Offensive überrascht worden, während er sich noch um die Freilassung des Soldaten bemüht habe. „Diese gewaltsame Eskalation dient keinem anderen Ziel, als das tägliche Leben der Palästinenser zu zerstören und wird auch kein Problem lösen“, ließ Abbas mitteilen.
Hamas droht mit „schweren Konsequenzen“
Die Hamas-Regierung bezeichnete den Einsatz als „ungerechtfertigt“. Ein „militärischer Wahnsinn diesen Ausmaßes“ werde „schwere Konsequenzen“ nach sich ziehen, sagte Hamas-Sprecher Ghasi Hamad. Von den neun in der Vergangenheit verschleppten israelischen Soldaten überlebte kein einziger.
Das Komitee für den Volkswiderstand drohte in einem Anruf bei der Nachrichtenagentur AFP mit der Tötung eines ebenfalls entführten jüdischen Siedlers. Israel bestätigte die Entführung des 18 Jahre alten Elijahu Ascheri aus dem Westjordanland bisher nicht. Dessen Mutter appellierte aber im Rundfunk an die Entführer, ihren Sohn freizulassen. Die Gruppe zeigte bei einer Pressekonferenz in Gaza-Stadt die Kopie eines Personalausweises des jungen Israeli.
Tote bei Explosion in Chan Junis
EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner rief die Konfliktparteien zur Mäßigung auf und forderte die Freilassung des entführten Soldaten. Beide Seiten müßten eine Krise vermeiden, „die niemand mehr kontrollieren kann“, hieß es in einer Erklärung.
Bei einer schweren Explosion in Chan Junis im Gazastreifen wurden unterdessen zwei Menschen getötet. Nach palästinensischen Angaben kamen ein junger Mann und ein Kind ums Leben, sechs Palästinenser
wurden verletzt. Palästinensische Sicherheitskreise erklärten, es handele sich vermutlich um die vorzeitige Explosion eines Sprengsatzes. In Ramallah im Westjordanland gab es Schießereien, als die Armee zeitweise ein Büro der Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Abbas umstellte.
Ewiges Spiel!!
Dilara Kilinc (dikilinc)
- 28.06.2006, 09:54 Uhr
entfürung
hyder farhat (farhat)
- 28.06.2006, 09:56 Uhr
Das sind folgen der Staatterrorismus durch israel
Nice Day (rajabi)
- 28.06.2006, 12:59 Uhr
Wann hört es auf?
Thomas Mecha (Alimekka)
- 28.06.2006, 16:56 Uhr
Wozu verhandeln
Nils Gösche (cartan)
- 28.06.2006, 17:45 Uhr