Home
http://www.faz.net/-gq5-s0zu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Israel „Was hier geschehen ist, entzweit das Volk“

 ·  Auf unerwartet heftigen Widerstand sind israelische Polizisten bei der Räumung der illegalen jüdischen Siedlung Amona im Westjordanland gestoßen. Mehr als 250 Menschen wurden bei den schweren Auseinandersetzungen verletzt.

Artikel Bilder (1) Bildergalerie Lesermeinungen (0)

Bei der Räumung der illegalen jüdischen Siedlung Amona im Westjordanland sind am Mittwoch nach Angaben des staatlichen israelischen Rundfunks mehr als 250 Menschen verletzt worden. Hunderte Polizisten trafen auf erhebliche Gegenwehr von Siedlern und Sympathisanten, als sie neun Häuser stürmten, die ohne Genehmigung errichtet worden waren. Unter den Verletzten waren auch die ultrakonservativen israelischen Parlamentarier Efi Eitam und Arieh Eldad. Regierungschef Ehud Olmert verurteilte den gewalttätigen Protest. Die neun Häuser wurden niedergerissen.

Von den mehr als 250 Verletzten seien Rettungskräften zufolge nur zwei schwer verletzt, berichtete der staatliche Rundfunk. Es handele sich um einen Grenzer und um einen 15 Jahre alten Jugendlichen. Die Sicherheitskräfte waren mit Planierraupen und Baggern in die Siedlung eingerückt. Der Oberste Gerichtshof hatte zuvor einen Einspruch der Siedler gegen den Abriß der illegal errichteten Häuser zurückgewiesen. Bevor sie mit den Abrißarbeiten beginnen konnten, mußten Polizisten und Soldaten zunächst die besetzten Gebäude räumen.

„Klar die Grenze überschritten“

Auf den Dächern der besetzten Häuser hatten sich mehrheitlich junge Siedler verschanzt. Sie bewarfen die mit Helmen und Schutzschilden ausgerüsteten Polizisten mit Steinen, Metallrohren, Brettern, Farbe und Sandsäcken. Die Beamten setzten Wasserwerfer ein. Regierungschef Olmert zeigte sich bestürzt über den gewalttätigen Protest. „Wenn Ziegelsteine auf die Köpfe von Soldaten und Polizeioffizieren geworfen werden, ist die Grenze klar überschritten“, sagte er. Dies könne nicht hingenommen werden.

Illegale Siedlung geräumt: „Was hier geschehen ist, entzweit das Volk“

Der Vorsitzende des Rates der jüdischen Kolonien im Westjordanland, der größten Siedlerorganisation des Gebiets, Benzi Liebermann, übte Kritik am Vorgehen der Sicherheitskräfte. „Was sich heute ereignet hat, entzweit das Volk“, sagte er am Mittwoch. Der Rabbinerrat des Westjordanlands drohte der Regierung Olmert in einer Erklärung mit einem „Krieg“. Nach amtlichen israelischen Angaben gibt es im Westjordanland 105 illegale Kolonien, von denen 24 seit dem Amtsantritt Scharons im Jahr 2001 gegründet wurden.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AFP
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Antiterrorkampf 2.0

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Obama möchte das Kapitel, das am 11. September 2001 begann, schließen. Mit dieser Absicht aber steht seine Verantwortung als Präsident und Oberbefehlshaber in einem Spannungsverhältnis, das schwer aufzulösen ist. Mehr 1