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Israel Unter Feuer

Südlich von Hebron sollen mehr als 1500 Palästinenser einem Manövergebiet weichen, damit israelische Soldaten dort ungestört mit scharfer Munition trainieren können.

© AFP Vergrößern Ganze Bataillone will die israelische Armee (hier beim Einmarsch in Libanon 2006) in der „Firing Zone 918“ üben lassen.

Die Warnung ergeht sicherheitshalber in drei Sprachen. „Gefahr: Militärisches Übungsgebiet. Betreten verboten“ steht hebräisch, arabisch und englisch auf dem Betonblock, der aus der wüstenhaften Hochebene in den Hügeln südlich von Hebron aufragt. Kein einziger israelischer Soldat ist zu sehen, dafür einige Höhlen, in denen Hirten mit ihren Ziegen hausen. Jinba liegt in der „Firing Zone 918“, wie sieben weitere palästinensische Dörfer mit mehr als 1500 Einwohnern. Das Verteidigungsministerium in Tel Aviv will, dass auf dem gut 3000 Hektar großen Übungsgebiet im Süden der palästinensischen Autonomiegebiete endlich israelische Soldaten ungestört mit scharfer Munition trainieren können.

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Die Übungszone 918 ist das südlichste der militärischen Sperrgebiete, die sich wie ein breites Band entlang des Toten Meers und parallel zum Jordantal bis in den Norden der besetzten Gebiete erstrecken. Nach israelischem Militärrecht, darf sie, abgesehen von den Einwohnern, niemand ohne eine Genehmigung betreten. Nach Berechnungen des Büros des UN-Nothilfekoordinators (Ocha) beläuft sich der Anteil dieser Feuerzonen und Manövergebiete auf 18 Prozent der palästinensischen Autonomiegebiete, aus denen nach dem Willen der Staatengemeinschaft ein unabhängiger Palästinenserstaat werden soll. Auf knapp 18 Prozent beläuft sich ebenfalls der Anteil am Westjordanland, den die Autonomiebehörde von Präsident Abbas weitgehend eigenständig kontrolliert. Nicht nur südlich von Hebron kollidieren die Interessen der Militärs und der insgesamt gut 5000 palästinensischen Einwohner. Viele sind Hirten und Bauern, die seit Generationen dort ihren kargen Lebensunterhalt verdienen - lange bevor Israel 1967 das Westjordanland eroberte, wie sie sagen.

Das Schicksal der Bewohner ist noch ungewiss

Von der Gegend südlich von Hebron sind Michael Bothe vor allem die große Armut und die Rücksichtslosigkeit der Soldaten in Erinnerung geblieben. Der emeritierte Frankfurter Völkerrechtler hat vor kurzem das Übungsgebiet 918 besucht, über das er im Sommer ein Gutachten erstellt hat. Dort habe er selbst gesehen, was ihm zuvor schon Diplomaten berichtet hätten: „Die ,Firing Zone’ ist Bestandteil einer Salami-Taktik, Palästinenser aus den C-Gebieten dadurch zu verscheuchen, dass ihnen das Leben schwergemacht wird“, sagt Bothe, der auch Vorsitzender des Deutschen Komitees zum Humanitären Völkerrecht des Deutschen Roten Kreuzes ist. Das Übungsgebiet 918 liegt in den sogenannten C-Gebieten, über die Israel gemäß den Friedensverträgen von Oslo die vollständige Kontrolle hat.

Aber noch ist das Schicksal der Bewohner nicht endgültig entschieden. Schon im Jahr 2000 haben sie vor dem Obersten Gericht in Jerusalem gegen ihre Vertreibung geklagt. Der möglicherweise entscheidende Gerichtstermin wurde gerade auf den 16. Dezember verschoben. In diesem Frühjahr hatte das israelische Verteidigungsministerium vor Gericht mitgeteilt, die Armee brauche das Übungsgebiet, um sicherzustellen, dass sie einsatzfähig bleibe. Das ist auch für die Richter ein schweres Geschütz. Denn sie müssen abwägen, was Vorrang hat: die Sicherheit Israels oder die Bedürfnisse der palästinensischen Einwohner.

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