http://www.faz.net/-gpf-90n5m

Geflohene Journalistin : Israel und die iranischen Dissidenten

  • -Aktualisiert am

Die iranische Journalistin Neda Amin am Donnerstag in Jerusalem Bild: dpa

Eine iranische Journalistin flieht ausgerechnet nach Israel. Dort hat man Dissidenten aus dem Mullah-Regime gerne zu Gast – bestätigen sie doch die Selbstdarstellung als einzige Demokratie im Nahen Osten.

          Größer hätte der Kontrast nicht ausfallen können. Trotz massiver internationaler Proteste wurde in Iran am Donnerstag ein junger Mann hingerichtet, der zum Zeitpunkt der ihm vorgeworfenen Taten erst fünfzehn Jahre alt war. Am selben Tag landete die iranische Bloggerin und Journalistin Neda Amin auf dem Flughafen Tel Aviv. Ausgerechnet in Israel fand die 33 Jahre alte Frau Zuflucht, ausgerechnet in dem Land, das die Machthaber ihrer Heimat seit Jahrzehnten mit üblen Beschimpfungen überziehen, dessen Vernichtung sie fordern. In Iran hätten ihr Folter, Vergewaltigung und die Todesstrafe gedroht, sagt Amin – weil sie für Israelis gearbeitet hatte.

          Amins Geschichte, erzählt vom israelischen Journalisten Raphael Ahren, klingt in der Tat wie ein Krimi. Als Dissidentin hatte die junge Frau ihre iranische Heimat 2014 verlassen müssen und war in die Türkei geflohen. Von dort aus berichtete sie weiter kritisch über das Regime in Teheran. Schlimmer noch: Amin schrieb Beiträge für das israelische Nachrichtenportal „The Times of Israel“. Bald geriet sie ins Visier der türkischen Behörden, die sie der Spionage für Israel verdächtigten. Wiederholt wurde Amin von der türkischen Polizei verhört.

          Moralische Verpflichtung, der Journalistin zu helfen

          Schließlich gaben ihr die Behörden zu verstehen, dass man sie wohl trotz ihres Flüchtlingsstatus' in ihre Heimat ausliefern werde. In der Türkei, das stand für Amin fest, war sie nicht mehr sicher. Nachdem sie von diplomatischen Vertretungen anderer Staaten nur schwammige Zusagen erhalten hatte, kontaktierte sie ihren alten Arbeitgeber – die „Times of Israel“. „Wir waren ihr letzter Ausweg“, sagt Ahren. Das war vor zwei Wochen. Nun ging alles ganz schnell. Am Sonntag gab das israelische Innenministerium einer Bitte des nationalen Journalistenverbandes statt, die Frau einreisen zu lassen. Vier Tage später war Amin bereits in Tel Aviv, wo sie der Herausgeber der „Times of Israel“, David Horovitz, in Empfang nahm.

          In der Redaktion des Nachrichtenportals habe man Amin zunächst gar nicht gekannt, sagt Ahren, schließlich sei die Frau nur freie Mitarbeiterin bei der persischsprachigen Ausgabe der Zeitung gewesen. Doch Herausgeber Horovitz habe sich moralisch dazu verpflichtet gefühlt, Amin zu helfen, und keine Sekunde geruht, ehe die Journalistin sicher in Israel war. Schließlich, schrieb Horovitz am Donnerstag, hätten der Staat Israel und insbesondere die „Times of Israel“ ein Stück weit zu Amins Misslage beigetragen.

          In einer eilig improvisierten Presserunde saß Neda Amin nun am Donnerstag in Jerusalem da. Schüchtern, aber doch lächelnd sagte sie auf Nachfrage in gebrochenem Englisch, sie sei sehr froh, hier zu sein. Und weiter: Israel sei ihr Land, hier sei sie nun in Sicherheit. Horovitz ist vollen Lobes für die israelischen Behörden, die in dem Fall „weit mehr getan“ hätten, als zu erwarten gewesen sei.

          Iranische Aktivisten sind immer willkommen

          Tatsächlich kommen die positiven Schlagzeilen für Israel zu einer Zeit, in der die Regierung sowohl daheim als auch international unter Druck steht. Die jüngsten Ausschreitungen am Tempelberg haben Israels Position in der Region geschwächt, die Beziehungen zum wichtigen Partner Jordanien befinden sich auf einem Tiefpunkt, nachdem Amman Mordanklage gegen einen Wachmann der israelischen Botschaft erhoben hat. Zudem wurde in der vergangenen Woche bekannt, dass die israelische Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wegen Korruption aufgenommen hat.

          Weitere Themen

          Lindner sieht Wahrscheinlichkeit bei 50:50 Video-Seite öffnen

          Jamaika-Koalition : Lindner sieht Wahrscheinlichkeit bei 50:50

          Nach der Bundestagswahl 2013 lag die FDP politisch am Boden. Im Jahr 2017 ist sie nicht nur in den Bundestag zurückgekehrt, sondern steht vor einen neuen Regierungsbeteiligung. FDP-Chef Christian Lindner hat sich jedoch zurückhaltend zu den Chancen für eine Regierung aus Union, FDP und Grünen geäußert.

          Topmeldungen

          Seehofer in der Krise : Wie die eigene Ära beenden?

          Horst Seehofer wankt. Wie es weitergeht? Unklar. Nur gemütlicher wird es wohl nicht mehr. Eine Telefonumfrage sagt bereits neues Unheil für die CSU voraus – und befeuert Debatten, die noch vor kurzem undenkbar waren.

          Christian Lindner : Demut unter der Dusche

          Der FDP-Vorsitzende legt am zweiten Tag der Sondierungen ein Buch über die Rückkehr der Liberalen vor – und seine Rolle dabei. Zudem will er einen Autoritätsverlust bei Merkel erkennen.
          Chinas Notenbankchef Zhou

          Zhou Xiaochuan : Chinas Notenbankchef warnt vor Einbruch an Finanzmärkten

          In China läuft das wichtige Treffen der Kommunistischen Partei. Am Rande spricht der renommierte Zentralbankchef des Landes eine brisante Warnung aus. Das ist nicht die einzige Sorge, die gerade die Runde macht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.