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Veröffentlicht: 10.08.2017, 11:51 Uhr

Nach Anschlägen in Israel Armee zerstört Häuser palästinensischer Attentäter

Israels Armee setzt die umstrittene Praxis fort, Häuser palästinensischer Attentäter abzureißen. Gleichzeitig soll eine unterirdische Mauer zum Gazastreifen den Bau von Angriffstunneln verhindern.

© Reuters Die Mutter eines palästinensischen Attentäters steht in den Trümmern ihres Hauses in Deir Abu Maschal.

Die israelische Armee hat die Häuser von vier mutmaßlichen, palästinensischen Attentätern im besetzten Westjordanland zerstört oder versiegelt. Im Dorf Deir Abu Maschal, nordwestlich von Ramallah, rissen Soldaten am Donnerstag zwei Häuser mit Bulldozern ab, wie eine Armeesprecherin und der Bürgermeister des Ortes bestätigten. Ein weiteres Haus wurde demnach mit Beton versiegelt. Die drei Angreifer hätten im Juni eine Polizistin in Jerusalem getötet, teilte die israelische Armee am Donnerstag mit. Sie waren nach der Tat erschossen worden.

In Silwad, nordöstlich von Ramallah, zerstörte die Armee das Haus eines weiteren Palästinensers. Armeeangaben zufolge hatte er im April nahe einer israelischen Siedlung einen Soldaten mit einem Auto angefahren und getötet. Anschließend war der Angreifer festgenommen worden.

Mit zweierlei Maß gemessen

Die Zerstörung der Häuser mutmaßlicher, verurteilter oder auch getöteter Terroristen ist völkerrechtlich umstritten. Menschenrechtsorganisationen lehnen die Strafmaßnahme als Kriegsverbrechen ab. Israel rechtfertigt sie hingegen als wichtige Abschreckung. In den Häusern leben in der Regel die Familien der Attentäter, die durch die Zerstörung häufig obdachlos werden. Nach Ansicht von Kritikern kommt die Maßnahme daher einer Kollektivbestrafung der Angehörigen gleich und könnte weitere Gewaltakte auslösen.

Im Jahre 2005 war die Zerstörung von Häusern palästinensischer Attentäter ausgesetzt worden, nachdem eine armeeinterne Kommission Zweifel an der Abschreckungswirkung geäußert hatte. Während des letzten großen Gewaltausbruchs im Juni 2014 wurde die umstrittene Praxis dennoch wieder aufgenommen.

Häuser von jüdischen Terroristen bleiben dagegen von einer Zerstörung verschont. Israelische Offizielle begründen dies üblicherweise mit der geringen Anzahl jüdischer Attentäter, die eine entsprechende Abschreckung überflüssig mache. Zuletzt lehnte Anfang Juli das Oberste Gericht Israels einen Antrag der Familie des im Juni 2014 entführten und grausam ermordeten palästinensischen Jugendlichen ab, die Häuser der jüdischen Täter abzureißen.

Unterirdische Mauer gegen Angriffstunnel der Hamas

Unterdessen kündigte Israel an, den Bau einer unterirdischen Mauer entlang der Grenze zum Gazastreifen beschleunigen. Die Sperranlage um das abgeriegelte Palästinensergebiet, die den Bau von Angriffstunneln unter der Grenze verhindern soll, werde hoffentlich bereits in zwei Jahren fertig sein, sagte der israelische General Ejal Samir am Donnerstag. Nach Angaben von Bauminister Joav Galant gibt es jedoch Befürchtungen, dass die radikalislamische Hamas Angriffe auf das Bauprojekt ausführt.

Für die Hamas, die den Gazastreifen seit 2007 kontrolliert, seien die Tunnel ein „strategisches Instrument“ im Kampf gegen Israel, sagte Galant im Armeeradio. Da die unterirdische Mauer aber „auf israelischem Territorium“ entlang der bereits bestehenden oberirdischen Sperranlage gebaut werde, gebe es für Angriffe auf die Bauarbeiter „keinerlei Rechtfertigung“.

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Laut Armeeradio sind rund tausend Arbeiter an dem Bau beteiligt. Die Mauer, die aus Betonplatten bestehen und zusätzlich mit Sensoren ausgerüstet werden soll, soll demnach die gesamte 64 Kilometer lange Grenze abriegeln. Die Baukosten belaufen sich auf drei Milliarden Schekel (rund 710 Millionen Euro). Die israelische Armee hatte während des Gazakrieges im Sommer 2014 rund 30 Tunnelanlagen entdeckt und zerstört. Die Hamas nutzte die unterirdischen Gänge unter anderem für Angriffe auf Israel.

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Von Reinhard Müller

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