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Israel Schreiben und das Leben genießen

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak zieht sich aus der Politik zurück. Regierungschef Netanjahu hätte den erfahrenen Militär gern noch eine Weile an seiner Seite gehabt.

© dapd Vergrößern Verteidigungsminister Ehud Barak erklärt seinen Rücktritt.

Wenn das Klavier in der Jerusalemer Residenz des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu erklingt, ist meistens Ehud Barak im Haus. Während schwieriger Gespräche zieht sich der Verteidigungsminister gerne an das Instrument zurück. Auf die Frage, was er während der jüngsten Koalitionsverhandlungen im Mai gespielt habe, antwortete er schlagfertig „Franz Liszts Liebestraum“. Das Regierungsbündnis mit der Kadima-Partei hielt dann aber nur wenige Wochen. In Baraks luxuriöser Wohnung im Zentrum von Tel Aviv steht richtiger ein Konzertflügel, den er angeblich meisterhaft beherrscht.

Das Instrument wird künftig häufiger zu hören sein: Er wolle mehr Zeit für sich und seine Familie haben, kündigte der 70 Jahre alte Politiker am Montag an. Deshalb habe er sich entschlossen, sich nach der Parlamentswahl am 22. Januar 2013 vollständig aus der Politik zurückzuziehen, um „zu schreiben und das Leben zu genießen“, wie er vor Journalisten sagte. Seit seiner Jugend macht Barak, der Mathematik studiert hat, nicht nur Musik, sondern er zerlegt auch Uhren, um sie nachher wieder zusammenzubauen.

Bislang trieb ihn vor allem der Wunsch an, politisch und militärisch an vorderster Front zu stehen - wie in der vergangenen Woche, als Barak die Militäraktion gegen die Hamas leitete. Mit 17 Jahren ging er zur Armee, um 36 Jahre später als der am höchsten dekorierte Soldat seines Landes in die Politik zu wechseln. Auch dort gelangte er innerhalb weniger Jahre bis nach ganz oben: Im Jahr 1999 löste Barak Netanjahu als Ministerpräsident ab, hielt sich aber nur anderthalb Jahre im Amt. Er holte die israelische Armee aus dem Südlibanon zurück und verhandelte im Sommer 2000 in Camp David mit PLO-Chef Jassir Arafat erfolglos über ein Friedensabkommen.

Uneinigkeit über möglichen Angriff auf Iran

„Die Regierung hätte mehr tun sollen, um den Friedensprozess voranzutreiben“, sagte er Anfang November in einem Interview über Netanjahus Kabinett, dem er seit 2009 angehört. Die Schuld dafür sieht er aber nicht bei sich selbst, sondern bei den Koalitionspartnern von Netanjahus Likud-Partei. Schon zuvor hatten sich Risse in der bis dahin engen Zusammenarbeit mit dem Regierungschef abgezeichnet; einige Kommentatoren hatten beide bis dahin als „politische Zwillinge“ bezeichnet.

Besonders mit Blick auf das iranische Atomprogramm rückte Barak im Spätsommer von Netanjahu ab. Der Ministerpräsident erweckte den Eindruck, als sei ein israelischer Angriff auf Iran noch in diesem Jahr unumgänglich. Bei Barak mehrten sich dagegen die Hinweise darauf, dass seine Zweifel an einem baldigen militärischen Eingreifen wuchsen. Israelische Beobachter erklärten das damals mit dem beginnenden Wahlkampf: Barak rechne mit besseren Chancen, wenn er auf linksliberale Politiker zugeht, die einem Iran-Krieg skeptisch gegenüber stehen. Baraks kleine Unabhängigkeitspartei droht, an der Zwei-Prozent-Hürde zu scheitern.

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