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Israel im Cyber-Krieg : Große Chancen für die Kleinen

Ein wohl fast fertiger Atomreaktor in Syrien wurde von Israel offenbar mit manipulierten Computerchips zerstört Bild: AP

Israels Regierung sieht sich Angriffen aus dem Internet ausgesetzt. Das Hochtechnologieand glaubt sich aber gerüstet - mit Hilfe von Trojanern, Viren oder manipulierten Computerchips soll es sogar einen syrischen Reaktor zerstört haben.

          Wer dahintersteckte, weiß man bis heute nicht. Nur dass es der heftigste aller bisher registrierten Angriffe war. Mit bis zu 15 Millionen Mails pro Sekunde bombardierten rund eine halbe Million Computer in vier Wellen im vergangenen Jahr während des Gaza-Kriegs Internetseiten der israelischen Regierung. Ihnen gelang es jedoch nicht, Seiten wie die des Zivilschutzes lahmzulegen. Innerhalb kurzer Zeit konnte die israelische Datenschutzbehörde Tehila auch diese Attacke abwehren. Die Fachleute sind aus leidvoller Erfahrung gut gerüstet: Jedes Mal, wenn der Konflikt mit den Palästinensern wieder aufflammt, sieht sich Israel solchen Angriffen aus dem Internet ausgesetzt, und jedes Mal werden sie massiver.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Bisher waren nur Informationsseiten das Ziel, aber die Militärs sind besorgt, dass eines Tages auch Energieversorger, Banken oder Kommunikationssysteme angegriffen werden könnten. Aber in Israel trübt nicht nur Furcht den Blick in die virtuelle Zukunft. „Die Cyber-Welt gibt auch den Kleinen die Macht und Möglichkeiten, die bisher den Supermächten vorbehalten waren. Wir werden in der Lage sein, in der ersten Liga mitzuspielen“, sagte der Chef des israelischen Militärgeheimdienstes, Amos Yadlin, vor kurzem zuversichtlich. Für ihn stehe außer Frage, dass die digitale Kriegsführung längst „eine militärische Dimension beim Sammeln von Informationen wie bei Verteidigung und Angriff“ erreicht habe - auch wenn er sich noch nicht sicher sei, ob der „Cyberwar“, die Kriegsführung mit Computern und Internet, schon mit der Einführung der Luftwaffe in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts vergleichbar sei, sagte der frühere Kampfpilot. So ausführlich und offen wie Yadlin vor einigen Wochen in einem Vortrag vor dem „Institut für Nationale Sicherheitsstudien“ (INSS) in Tel Aviv hatte in Israel noch kein führender General oder Geheimdienstler auf Gefahren und Chancen dieser neuen Art von Kriegen hingewiesen.

          Welche Rolle spielen Trojaner, Viren und Computerchips wirklich?

          In Israel wurden die Äußerungen des Chefs des Militärgeheimdienstes aufmerksam registriert, denn Spekulationen über solche Aktivitäten israelischer Dienste gibt es reichlich. Zum Beispiel, dass sie im September 2007 syrische Radaranlagen lahmlegten, ohne dabei auf konventionelle Waffen zurückzugreifen: Von der syrischen Luftabwehr unentdeckt, zerstörten damals israelische Kampfflugzeuge in Al Kibar einen offenbar kurz vor der Fertigstellung stehenden Atomreaktor. Aber auch von unerklärlichen Pannen in syrischen Raketenfabriken und iranischen Anlagen für Urananreicherung erzählt man in Israel gerne.

          Welche Rolle Trojaner, Viren oder manipulierte Computerchips wirklich dabei spielten, bleibt ungewiss. Internationale Fachleute trauen jedoch Israel auf diesem Gebiet eine Menge zu. Das zeigt der jüngste Bericht des auf Internetsicherheit spezialisierten Unternehmens McAfee über den Krieg mittels Computern. Die Autoren rechnen Israel zum Kreis der fünf Staaten, die über „Cyber-Waffen“ verfügen und dieses Arsenal ausbauen - neben Großmächten wie Amerika, Russland, China und Frankreich. Zwar gebe es immer noch keine allgemein akzeptierte Definition für diese Art der Kriegsführung. Deutlich erkennbar sei aber, dass die Zahl der Cyber-Attacken steige und dass diese stärker mit politischen Konflikten zu tun hätten und weniger mit kriminellen Umtrieben, heißt es in dem Bericht, in dem Militärs, Diplomaten und Computerfachleute zu Wort kommen. Einige von ihnen befürchten hier schon einen Rüstungswettlauf.

          Besonderes Augenmerk gilt „Einheit 8200“

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