http://www.faz.net/-gpf-96v2n

Syrischer Bürgerkrieg : Israel greift abermals Militäreinrichtung nahe Damaskus an

  • Aktualisiert am

Schon öfter in Syrien aktiv: Kampfflugzeuge der israelischen Luftwaffe Bild: dpa

Israel hat eine Militäreinrichtung nahe Damaskus angegriffen, die zur Herstellung von Chemiewaffen genutzt worden sein soll. Auch aus dem benachbarten Irak werden neue Militäraktionen gemeldet.

          Israels Luftwaffe hat nach Angaben der syrischen Armee abermals eine Militäreinrichtung nahe Damaskus angegriffen. Die Raketen seien vom benachbarten Libanon aus abgefeuert worden, teilte die syrische Armeeführung am Mittwoch mit, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete. Syriens Luftabwehr habe die meisten Raketen zerstört. Informationen über Schäden an der Militäreinrichtung lagen zunächst nicht vor. Eine israelische Armeesprecherin wollte sich zu den Berichten nicht äußern.

          Nach Angaben aus Regierungskreisen in Damaskus handelte es sich bei dem bombardierten Ziel um ein Forschungszentrum in dem Ort Dschamraja, rund zehn Kilometer nördlich der Hauptstadt. Die Einrichtung sei schon früher Ziel israelischer Angriffe gewesen. Berichten zufolge sollen dort Chemiewaffen hergestellt worden sein. In Dschamraja sind auch syrische Eliteeinheiten stationiert.

          Israel hat bereits mehrfach Ziele im benachbarten Bürgerkriegsland bombardiert. Beobachter gehen davon aus, dass sich die meisten Angriffe gegen die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah richten. Diese ist Israel feindlich gesinnt, ihre Kämpfer unterstützen im syrischen Bürgerkrieg die Regierungstruppen.

          Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte Anfang Januar erklärt, Israel habe „eine langjährige Politik, die Lieferung von Waffen, die das (strategische) Gleichgewicht zerstören, von syrischem Gebiet aus an die Hisbollah zu verhindern“. Dies habe sich nicht verändert, „und wenn nötig setzen wir sie mit Einsätzen durch“.

          Neue Militäroffensive der irakischen Armee

          Unterdessen kommt es auch im benachbarten Irak zu neuen Militäraktionen. So hat die irakische Armee in einer Wüstenregion im Nordosten des Landes eine Offensive gestartet, um die letzten Kämpfer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zu vertreiben. Fünf Dörfer und mehrere Anhöhen seien  östlich von Tus Chormatu bereits erobert worden, teilte das Zentrum für Sicherheitsinformationen am Mittwoch mit. Auch ein IS-Lager sei gestürmt worden.

          Neben der neunten Armeedivision beteiligen sich demnach auch die Schnellen Einsatzkräfte, die Haschd-al-Schaabi-Milizen und die kurdischen Peschmerga-Milizen an dem Einsatz, der aus
          der Luft von Kampfflugzeugen der internationalen Anti-IS-Koalition  unterstützt wird. Wie ein AFP-Reporter vor Ort berichtete, stießen die Regierungstruppen zunächst auf keinen Widerstand.

          Die irakische Regierung hatte am 10. Dezember den Sieg über die IS-Miliz erklärt, die über Jahre große Gebiete im Norden und Westen des Landes kontrolliert hatte. Es sind aber weiter einzelne IS-Zellen im Land aktiv, und aus der Region um Tus Chormatu  wurden wiederholt Angriffe gemeldet. Die Regierung machte Kämpfer des IS, aber auch der sogenannten "Weißen Fahnen" dafür verantwortlich.

          Dabei soll es sich um kurdische Unabhängigkeitskämpfer handeln, die sich für die Niederlage rächen wollen, welche die Regierungstruppen den kurdischen Peschmerga im Oktober zugefügt
          hatten, als sie die ölreiche Provinz Kirkuk einnahmen. Zudem wurden  damals zahlreiche Kurden aus der ethnisch gemischten Stadt Tus Chormatu vertrieben.

          Weitere Themen

          „Die Drähte sind dünn“ Video-Seite öffnen

          Reaktionen auf Polizeischutz für Özdemir : „Die Drähte sind dünn“

          Der Grünen-Politiker Cem Özdemir brauchte in München Polizeischutz. Bundestagsabgeordnete äußerten sich am Rande der Sicherheitskonferenz gegenüber FAZ.NET entsetzt. Der Vorfall zeige, dass „noch lange nicht alles gut ist“ zwischen der Türkei und Deutschland.

          Topmeldungen

          Peter Tauber hört als CDU-Generalsekretär auf

          CDU-Generalsekretär Tauber : Am Ende fehlte ihm die Autorität

          Den einen war er zu konservativ, den anderen zu modern: Nach vier Jahren im Amt als CDU-Generalsekretär hört Peter Tauber auf. Kanzlerin Merkel könnte schon morgen einen Nachfolger vorschlagen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.