16.08.2005 · Jeder dritte jüdische Siedler hat den Gazastreifen bereits vor Ablauf der Frist in der kommenden Nacht freiwillig verlassen; die Polizei nahm 500 Abzugsgegner fest. Am Morgen hatten israelische Sicherheitsbeamte das Haupttor der größten jüdischen Siedlung, Neve Dekalim, zerschnitten.
Jeder dritte jüdische Siedler hat den Gazastreifen bereits vor Ablauf der Frist am Dienstag abend freiwillig verlassen. Dabei handle es sich um eine erste Schätzung, sagte Regierungsberater Ejal Arad an diesem Dienstag dem Fernsehsender Kanal 10. Verteidigungsminister Schaul Mofas drohte erneut mit harten Maßnahmen gegen jede Störung des israelischen Abzugs.
Die ursprünglich 8.500 Bewohner der 21 jüdischen Siedlungen im Gazastreifen hatten noch bis Mitternacht Zeit, ihre Häuser zu verlassen, danach drohte ihnen die Zwangsräumung. Widerstand deutete sich unter anderem in der größten Siedlung Neve Dekalim an. Israelische Polizisten zerschnitten Morgen mit einer Metallsäge das Haupttor von Newe Dekalim. Damit sollte den Bewohnern ermöglicht werden, die Ortschaft vor Ablauf der Frist rasch zu verlassen, erklärte die Polizei.
Widerstand in Orange
Am Montag hatten Hunderte von Demonstranten die Sicherheitskräfte daran gehindert, die Siedlung zu betreten und Ausweisungsbescheide zu verteilen. Während die Polizisten am Dienstag morgen auf keinerlei Widerstand stießen, versammelten sich am Vormittag erneut zahlreiche in der Protestfarbe Orange gekleidete Jugendliche am Tor, um Fahrzeugen den Weg zu verstellen. Die Demonstranten hielten nach Angaben der israelischen Streitkräfte auch Siedler auf, die Newe Dekalim verlassen wollten. Dies werde man nicht noch einmal zulassen, sagte der Kommandeur der Streitkräfte im Gazastreifen, Generalmajor Dan Harel, dem israelischen Fernsehen. „Wir werden die Leute frei gehen lassen.“
Der größte Widerstand schien nicht von den im Gazastreifen ansässigen Siedlern auszugehen, sondern von Abzugsgegnern, die in den vergangenen Wochen extra aus dem Westjordanland oder Israel eingereist waren. Nach Einschätzung der Behörden beläuft sich ihre Zahl auf 5.000. In der Nacht zum Dienstag seien 500 Personen festgenommen worden, die sich illegal im Gazastreifen aufhielten, sagte Polizeisprecher Awi Selba. Dutzende weitere seien beim Versuch aufgehalten worden, in das Gebiet einzudringen. Zu gewaltsamen Zusammenstößen war es am Montag nicht gekommen. Viele Siedler weigerten sich aber, mit den Sicherheitskräften zu kooperieren und machten ihnen heftige Vorwürfe.
Drei Siedlungen bereits menschenleer
Die Behörden zeigten sich dennoch zuversichtlich, daß an diesem Dienstag zahlreiche Siedler nach Israel aufbrechen würden. Wer die Zwangsräumung abwartet, muß mit einer Kürzung der Entschädigung rechnen, die alle Betroffenen für die Umsiedlung erhalten. Laut einem Bericht des israelischen Rundfunks waren drei Siedlungen bereits menschenleer, in fünf weiteren schritt der Abzug rasch voran. Außer in Neve Dekalim deuteten sich Schwierigkeiten aber auch in Morag im Süden des Gazastreifens an, wo sich nach Angaben der Streitkräfte 300 zugereiste Abzugsgegner verschanzten.