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Israel Die „Aktion eines Verrückten“

 ·  Nach der Ermordung mehrerer Palästinenser durch jüdische Siedler, rechnet Israel seit Wochen mit Anschlägen. Allein um Gush Katif ließ der palästinensische Präsident Abbas 20.000 Mann stationieren. Bisher blieb es ruhig.

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Kaum hatte der Rundfunk den Anschlag auf Palästinenser im Westjordanland gemeldet, da ging in der Siedlung Morag im südlichen Gazastreifen eine Mörsergranate nieder. Sie traf einen geräumten Ort, der wohl in gut einem Monat palästinensisch sein wird.

Diese Tat war also ein Eigentor. Dennoch bemühen sich Israelis und Palästinenser gleichermaßen, die möglichen Folgen des jüngsten „jüdischen Terroranschlages“ zu dämpfen. Selbst die meisten Siedler, die in diesen Tagen um ihre Heimat im Gazastreifen kämpfen, wollen mit dem Mörder aus der Siedlung Schwut Rachel nichts zu tun haben. Das sei die „Aktion eines Verrückten, für die es kein Verständnis geben kann“, sagte Siedlerführer Lieberman.

Rache der Palästinenser schüren

Der 38 Jahre alte Ascher Weissgan nahm am Mittwoch wie nach jedem Arbeitsstag im Industrieviertel von Shilo zwei Palästinenser in seinem Wagen mit. Doch diesmal stoppte er am Ausgang der Siedlung, fragte den Sicherheitsmann dort nach Wasser, bedrohte ihn mit einem Messer und entwandt ihm seine Waffe. Damit erschoß er beide Mitfahrer, mit denen er dem Vernehmen nach noch seine Mittagspause verbracht hatte.

Dann lief er zurück in die Siedlung und schoß weiter. Vier arabische Arbeiter starben, zwei wurden verletzt. Weissgan wurde festgenommen. Er habe den Anschlag von langer Hand geplant, sagte die Polizei. Er habe die Rache der Palästinenser schüren und so Zustände herbeiführen wollen, die es unmöglich machen sollen, den Abzug aus dem Gazastreifen fortzusetzen.

Hatte Weissgan Kontakte zu Kach?

Israel rechnet seit Wochen mit Anschlägen, allemal nach der Ermordung von vier israelischen Arabern in einem Bus in Schfaram. Am 4. August hatte ein Deserteur geschossen. Eden Natan-Zadan paßte in das Raster der Ermittler: Von zuhause weggelaufen, verweigerte er sich den Befehlen seiner Armeevorgesetzten und lief mit der Waffe weg.

Aus einer säkularen Familie zur jüdischen Religion zurückgekehrt, schloß er sich in der Siedlung Tapuach der verbotenen rassistischen Kach-Bewegung an. Auch der Arzt Baruch Goldstein, der im Februar 1994 in Abrahams Grabhalle 29 betende Muslime erschoß, gehörte zum Freundeskreis von Kach. Doch Weissgan?

Gefahr im Westjordanland

Für die Sicherheitsdienste wird nun die Vorermittlung schwieriger. Sie wissen aber, daß die Gefahr nicht mehr in Gaza sondern im Westjordanland lauert. Gerade während des Anschlages verhandelte in Gaza die Autonomieführung unter Minister Dahlan mit der islamistischen Hamas, um die Waffenruhe nach Jahresende fortsetzen zu können.

Hamas verlangt das Recht auf Vergeltung. Der ehemalige Sicherheitschef Dahlan aber forderte in Gaza und Westjordanland seine Gewährleute auf, jeden Akt der Gewalt zu verhindern. „Wir wollen den Abzug, kein Feuer“, wurde Dahlan zitiert.

Allein um den Siedlungsblock Gush Katif ließ Präsident Abbas 20.000 Mann stationieren, um Angriffe auf Siedler zu verhindern. Bisher blieb es ruhig. Nur bei Shilo setzten Palästinenser ein paar Reifen in Brand, um gegen den Mordanschlag zu demonstrieren.

Quelle: jöb; Frankfurter Allgemeine Zeitung
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