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Islamisierung in Holland Zwischen Allah und Amsterdam

11.09.2008 ·  Amsterdams marokkanischer Bezirksbürgermeister Ahmed Marcouch gilt als Vorzeigemuslim. Trotzdem klagen ihn seine Gegner an, er wolle Holland heimlich islamisieren. Eine „Poldermoschee“ soll jetzt die Vereinbarkeit von Islam und Westen beweisen.

Von Andreas Ross, Amsterdam
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Frauen und Männer trennen nur drei Stühle und einige Meter Paketklebeband. Und eine Menge Platz, denn die zwölf jungen Musliminnen knien auf dem ersten Gebetsteppich an der Rückwand, während sich vorn an die 200 Männer drängen. Aller Blicke gehen unter der abgehängten Decke durch 22 Fenster nach Osten. Im schnellen Takt des niederländischen Nahverkehrs blitzen zwischen den Bäumen gelb-blaue Doppeldeckerzüge auf.

Etwa auf Höhe des Gebetsraums im Obergeschoss eines 3000-Quadratmeter-Flachbaus rattern sie durch den Amsterdamer Westen. Zu hören ist davon jetzt aber nichts. Ein Dutzend Lautsprecher trägt die Koranverse in den Raum, die der kurzhaarige Vorbeter im taillierten Anzug rezitiert. Es ist Ramadan, es ist Freitag und es ist Eröffnung: Die „Poldermoschee“ ist das erste islamische Gebetshaus der Niederlande, wo Frauen sich aussuchen können, ob sie bei den Männern beten oder im Nebenraum unter sich bleiben.

Neugierige in Nadelstreifen und T-Shirt

Besonders Männer zwischen 16 und 35 Jahren sind zum Mittagsgebet ins Marokkanerviertel Slotervaart gekommen, teils von weither. Die meisten tragen Jeans, manche Nadelstreifen, wenige haben sich einen weißen Kaftan übergeworfen. Auch ein paar Ältere sind unter den Betenden und Neugierigen, einige haben ihre Söhne mitgebracht.

Das T-Shirt eines marokkanischstämmigen Schülers warnt vor seinem angeblich jugendgefährdenden Inhalt. Die Aufschrift auf dem Hemd eines Studenten, der sich seit seiner Bekehrung zum Islam Nourredeen nennt und sein Bleichgesicht mit Vollbart und Gebetskappe umrahmt, appelliert: „Ummah, be part of it“ (Gehör auch du zur Umma).

Der holländischen Heimat verbunden

Doch nicht nur ihrer Glaubensgemeinschaft sollen sich die Muslime zugehörig fühlen, die heute die neue Moschee ausprobieren, sondern auch ihrer holländischen Heimat. Deshalb kommt Tariq Ramadan auf die kuriose Idee, das schmucklos umfunktionierte Bürogebäude für seine Schönheit zu preisen: Es füge sich perfekt in die Umgebung ein, lobt der Reformtheologe aus Genf, dessen verwandtschaftliche Beziehungen in die ägyptische Muslimbruderschaft hineinreichen.

Ramadan lehrt derzeit in Rotterdam und predigt zur Eröffnung der „Poldermoschee“. „Wir brauchen keinen orientalischen Geschmack, um gute Muslime zu sein“, ruft er in den Raum. Wer eine Moschee gründe, der zeige: „Aus dem Land, in das ich kam, ist das Land geworden, in dem ich lebe.“

Kein Faschismus im alten Gewand

Diese Botschaft steckt im Namen des Gebetshauses, denn ohne Polder, ohne das der Nordsee abgerungene Bau- und Weideland, wäre in den Niederlanden alles nichts. Politisch heißt „poldern“, Gegensätze durch Zusammenarbeit zu überwinden.

Die „Poldermoschee“ will beweisen, dass Holländersein und Muslimsein zusammenpassen. Das ist nicht selbstverständlich in einem Land, in dem ein Abgeordneter wie Geert Wilders viel Zuspruch für die These bekommt, der Islam sei eine Art Faschismus im alten Gewand. Und das ist erst recht nicht selbstverständlich in einem Stadtteil wie Slotervaart.

Islamisierung der Sozialwohnungen

Zehn Minuten Fußweg liegen zwischen dem Trubel der Moschee-Eröffnung und der Trostlosigkeit der Hart-Nibbrig-Straat. In ihren verlotternden Klinkerwohnblocks hatte Mohammed Bouyeri mit seinen Eltern gewohnt, bevor er 2004 den Filmemacher und derben Berufsspötter Theo van Gogh grausam ermordete, weil er das für seine religiöse Pflicht gehalten haben will.

Bouyeri hatte sich für eine Renovierung der Häuserzeile eingesetzt. Er wollte durchsetzen, dass die Sozialwohnungen verschönert und zugleich „islamisiert“ würden: Frauen sollten vom Einkaufen in die Küche gelangen können, ohne männlichen Besuchern im Wohnzimmer zu begegnen.

Freundliche Flure und modische Milchglasscheiben

Die Stadtteilverwaltung zeigte sich offen. Aber die Wohnungsbaugesellschaft entschied, die Häuser abzureißen. Bouyeri soll das nie verwunden haben. Die Häuser stehen noch. Immerhin, in der Parallelstraße wird gebaut, und um die Ecke werden die vierstöckigen Mehrfamilienreihenhäuser tatsächlich aufgefrischt. Ein Plakat verspricht freundliche Flure, zeitgemäße Küchenzeilen und modische Milchglasscheiben an den kleinen Balkonen, auf denen die Bewohner Wäsche trocknen und Satellitenschüsseln montieren. Der Aushang daneben warnt vor einer Rattenplage.

Die El-Oumma-Moschee am Postjesweg war bisher die einzige des Viertels. Die hellen Klinker sind längst grau, von den angedeuteten Kuppeln auf dem Flachdach blättert die mintgrüne Farbe ab. Vier Meter zur Rechten leuchtet orange der Neubau der Polizei. Die meisten Marokkaner, die durch den Regen zum Freitagsgebet eilen, tragen traditionelle Gewänder. Ihre verhüllten Frauen verschwinden durch den Hintereingang. Imam Mohammed Ben Ajiba kann die Fragen der Reporterin vom Stadtfernsehen nur auf Arabisch beantworten. Nein, von einer „Konkurrenz“ zur neuen Moschee könne keine Rede sein, schließlich „verkaufen wir beide dasselbe Produkt“.

Eine Ungläubige im Vorstand

Aber warum richte sich die „Poldermoschee“ vornehmlich an junge Muslime? Man müsse sich an alle Generationen wenden – auch, um einer Radikalisierung der Gläubigen vorzubeugen. Dass in der „Poldermoschee“ Frauen bei den Männern beten dürfen, erwähnt der Vorbeter lieber nicht; auch nicht, dass dort Frauen im Vorstand sitzen, sogar eine Ungläubige, und dass die Vorbeter verschiedener ethnischer Hintergründe nur auf Niederländisch predigen. Der Imam weiß, was in den Medien schlecht ankommt.

In den Talkshows ist die Rolle des guten Marokkaners von Slotervaart ohnehin anderweitig besetzt. Der 39 Jahre alte Sozialdemokrat Ahmed Marcouch ist hier 2006 Bezirksbürgermeister geworden und aus der nationalen Integrationsdebatte kaum mehr wegzudenken. Während der Sommerferien hat er sich vom niederländischen Fernsehen sogar in Beni-Boughafer besuchen lassen, dem marokkanischen Küstendorf, in dem er die ersten zehn Jahre seines Lebens bei seinen Großeltern verbrachte. Sein Vater war Gastarbeiter in Amsterdam, die Mutter früh gestorben.

Vom Analphabeten zum Politstar

Marcouch erzählt gern, wie sein Vater ihm damals Tonkassetten besprach und schickte, um den Kontakt zu halten; er schildert auch, wie er mit einem Äffchen auf der Schulter Wasser holen ging. Die Anekdoten zeigen, wie unwahrscheinlich sein weiterer Weg war: Mit zehn Jahren als Analphabet zum Vater nach Holland gekommen, absolvierte Marcouch die Schule, tat zehn Jahre Dienst bei der Polizei, wurde dann Gemeindebeamter und Sprecher der örtlichen „Union marokkanischer Moscheen“, um nun als erster islamischer Bezirksbürgermeister des Landes seine Politikerkarriere zu begründen.

Nicht alle Marokkaner von Slotervaart sind heute noch froh, den Ihrigen gewählt zu haben. Unverblümt prangert der Sozialdemokrat die Schwierigkeiten mit der „marokkanischen Problemjugend“ an. Sein Wort vom „tuig“, dem Pack auf Slotervaarts Straßen, wiederholt er stur und stolz bei jeder Gelegenheit. Marcouch überlegt kurz, welcher Teil seiner Biographie ihm nun mehr helfe bei seiner Null-Toleranz-Politik gegen Kleinkriminelle und Unruhestifter: die Erfahrungen als Polizei-Brigadier oder als Einwanderer. Schließlich sagt er: „Vor allem hilft mir, dass ich nicht dieses ganze holländische Erbe mit mir herumtrage.“

„Wenn Moralismus gefragt ist, werde ich eben moralisch“

Er sei eben zupackend, nicht zimperlich wie viele Polder-Politiker: „Die sagen: Das Problem ist mir zu kompliziert, weil da ganz verschiedene Kulturen betroffen sind. Ich sage: Wenn Paternalismus hilft, ein Problem zu lösen, dann schrecke ich davor nicht zurück. Und wenn Moralismus gefragt ist, werde ich eben moralisch.“

Viele „Problemjugendliche“ staunten, als Marcouch sie in sein Büro zitierte – mit den Eltern, und zwar unabhängig davon, ob es um einen Zehnjährigen oder einen jungen Mann Anfang zwanzig ging. „Sie fragten: Woher haben Sie meinen Namen? Sie dachten tatsächlich, sie seien anonym!“

Migranten-Selbstmitleid ist Marcouch ein Graus

Marcouch rutscht tief in seinen Sessel und verschränkt die Arme, um die Haltung der Jugendlichen zu demonstrieren, die von ihm verlangten, er solle ihnen eben einen Job oder eine Lehrstelle verschaffen. Migranten-Selbstmitleid ist Marcouch ein Graus. „Jeder bekommt Hilfe, aber er muss sich anstrengen.“

Achtzehn unbewaffnete, aber sichtlich durchsetzungsstarke „Straatcoaches“ radeln auf Marcouchs Geheiß von Mittag bis Mitternacht durch Slotervaart. Die von einem Sicherheitsunternehmen entliehenen, großenteils marokkanischstämmigen Wächter in roten Pullis und schwarzen Stiefeln behalten die Jugendlichen an ihren Treffpunkten im Auge, sprechen sie an, bauen Vertrauen auf und zeigen Grenzen.

Das Versagen der Eltern

Ihre Tagesberichte lesen dann sogenannte Familienbesucher, die wiederum jedes Fehlverhalten vom Schulschwänzen bis zur Schlägerei mit den Eltern besprechen – falls nötig, auf Arabisch.

Das Versagen der Eltern, die sich in der (halb) holländischen Welt ihrer Kinder oft kaum zurechtfinden, ist einer von Marcouchs Ansatzpunkten. Unter marokkanischen Müttern werde derzeit viel über ihn geschimpft, berichtet er nicht ohne Koketterie. Sie sagten: „Erst haben wir Marcouch gewählt, jetzt will er, dass wir uns um unsere Kinder kümmern.“ Er genieße das: „Wahrscheinlich reden diese Frauen zum ersten Mal überhaupt über Politik.“

Heimliche Islamisierungsagenda

Drei Gemeinderäte von Slotervaart, die vor wenigen Wochen aus Protest gegen Marcouch die Arbeiterpartei verlassen haben, zeihen ihn der Inkonsequenz. Wolle der Bürgermeister wirklich die Eltern in die Pflicht nehmen, dürfe er nicht immer neues Wach- und Hilfspersonal einführen – von Nachhilfelehrern über Familienbesucher bis zu „Straatcoaches“.

Doch Jan Engel hat sich nach 15 Jahren im Rat von Slotervaart nicht nur darum mit seinen Kollegen Pieter Beste und Clyde Moerlie von Marcouch abgewandt. Ende Juni veröffentlichten die drei einen Brief, in dem sie dem Vorzeigemuslim der niederländischen Sozialdemokratie vorwarfen, eine heimliche Islamisierungsagenda abzuarbeiten: „Seine größte Angst ist nicht, dass sich Jugendliche radikalisieren, sondern dass sie eines Tages Allah den Rücken kehren.“

„Marcouch ist einfach besessen vom Islam“

Die drei Dissidenten sitzen in ihrem Stammlokal „De Rooseboom“, einer Enklave niederländischer Kneipenkultur im Viertel der Teestuben, Pita-Imbisse und des Ladenleerstands. „Marcouch ist einfach besessen vom Islam“, seufzt Engel. Seinen umfassenden „Aktionsplan“ gegen die Radikalisierung junger Muslime finden die drei lächerlich.

Da seien Innenministerium und Geheimdienste gefragt, nicht der Bezirksbürgermeister. Vorgesehen ist in Slotervaart unter anderem, Imame fortzubilden, damit sie einer Radikalisierung entgegenwirken. Marcouch sagt: „Wenn ein politisches Problem mit einer Religion zu tun hat, können wir uns nicht hinter der Trennung von Kirche und Staat verstecken und die Augen verschließen.“

Mehr islamischer Religionsunterricht

Pieter Beste, verheiratet mit einer Palästinenserin, will nichts von Marcouchs Strategie wissen, die islamische Identität orientierungsloser junger Leute zu stärken, um sie für die Gesellschaft nutzbar zu machen. „Wir sind Sozialdemokraten. Wir sind dafür da, den Menschen zu guter Arbeit und guten Wohnungen zu verhelfen, wir lösen sozial-ökonomische Probleme mit sozial-ökonomischer Politik.“

Marcouch dagegen fordert mehr islamischen Religionsunterricht an staatlichen Schulen. Der Koranunterricht, den Moscheen samstags und sonntags „unter erbärmlichen Umständen in stinkenden Räumen“ organisierten, schade den Kindern; körperliche Züchtigung sei vielerorts der Gipfel der Pädagogik.

Streetworker wollen Frauen nicht die Hand geben

Belegt hat Marcouch die Vorwürfe nicht, als Engel im Gemeinderat nachhakte. Marcouch sagt: „Die jungen Muslime, die am Wochenende zur Koranschule gehen, arbeiten sieben Tage die Woche – und sind am Ende meist doch nur Problemjugendliche mit schlechten Schulabschlüssen.“ Es gehe um ein Angebot jenseits des Lehrplans. Und das werde eines Tages die islamischen Schulen überflüssig machen, die in Holland gleichberechtigt neben protestantischen und katholischen Einrichtungen bestehen.

Aber Engel, Beste und Moerlie glauben weiterhin, es gehe Marcouch mehr um Allah als um Amsterdam. Für sie war eine Grenze schon im Frühjahr überschritten. Da war herausgekommen, dass sich einige der von Slotervaart bezahlten „straatcoaches“ aus marokkanischen Familien weigern, Frauen die Hand zu geben. „Das ist eine Frage des Prinzips, es geht um die Gleichberechtigung“, sagt Moerlie.

Keiner darf zum Handschlag gezwungen werden

Die Händeschüttelfrage ist ein bekannter Topos im niederländischen Integrationsstreit, seit die damalige Ausländerministerin Verdonk kurz nach dem Van-Gogh-Mord einen Imam zurechtwies, weil er ihre ausgestreckte Hand nicht ergriff. In Rotterdam wurde schon ein Stadt-Bediensteter aus demselben Grund entlassen.

Marcouch sagt, die „Straatcoaches“ seien nicht zum Handgeben engagiert worden, eher schon zum Wegstoßen. Und wer auf die Trennung von Kirche und Staat poche, der könne nicht vom Bürgermeister verlangen, die religiösen Gefühle eines Mitarbeiters zu verletzen, indem er ihn zum Handschlag zwingt.

Gründer der Poldermoschee war früher ein Radikaler

Gegen die „Poldermoschee“ schräg gegenüber vom „Rooseboom“ haben die Herren Engel, Beste und Moerlie angeblich nichts – „solange das eine private Initiative bleibt“. Dass Marcouch das Projekt gutheißt, gehört für sie aber in sein Sündenregister.

Zumal der Initiator der neuen Moschee, Mohammed Cheppih, mindestens früher ein Radikaler gewesen sei. Marcouch wischt den Einwand weg: „Cheppih ist gerade deshalb ein gutes Vorbild, weil er sich geändert hat.“

Schwere Jahre mit Hollands Medien

Cheppih hält das für Unsinn. Vor 31 Jahren in Marokko geboren, aber aufgewachsen in Eindhoven, hat er vier Jahre lang in Medina Theologie studiert. In Holland war auch er bald als Interviewpartner begehrt. „Und das waren schwere Jahre, auch für mich“, sagt Cheppih und zählt auf:

Der 11. September 2001, kurz danach der Aufstieg und die Ermordung des islamkritischen Populisten Pim Fortuyn, schließlich der Mord an Theo van Gogh. Ja, er habe die offizielle Version über die Anschläge von New York und Washington angezweifelt. Und einmal, als er für den Parteivorsitz der „Arabisch-Europäischen Liga“ kandidierte, habe er sarkastisch die Reporterfrage bejaht, ob er eigentlich ein Terrorist sei – was dieser für bare Münze genommen habe.

Junge Muslime sollen Homosexuelle respektieren

Gewiss sei er nun reifer geworden, aber seine innere Einstellung habe sich nie geändert. Wie hält Cheppih es mit der Homosexuellenehe, Hollands Lackmustest für Muslime? „Welche Rolle spielt das? Der Islam sagt, das ist eine Sünde, ganz wie die Katholiken“, sagt Cheppih genervt, „aber daraus folgere ich nichts. Ich lehre junge Muslime, Homosexuelle zu respektieren.“

Cheppih wehrt sich auch gegen Vorwürfe aus der anderen Ecke. Aus eingesessenen Marokkaner-Gemeinden ist zu hören, die „Poldermoschee“ bediene willfährig die Wünsche der Politik. „Alles, was ich in meinem Leben gemacht habe“, beteuert Cheppih, „sollte dazu beitragen, den Islam in den Niederlanden zu verwurzeln.“ Gerade junge Leute aber fühlten sich in den traditionellen Moscheen mit ihren Import-Imamen nicht heimisch.

„Finanziell stecken wir tief in der Scheiße“

Cheppih gehört nicht zum Vorstand der „Poldermoschee“. Er hat den Stein ins Rollen gebracht, mag aber mit seinem lädierten Leumund nicht länger als Aushängeschild des Projekts fungieren. Ob sich die „Poldermoschee“ etablieren kann, ist ungewiss: „Finanziell stecken wir tief in der Scheiße“, sagt Cheppih ohne Umschweife und geleitet in sein karges Büro, in dem wenig mehr als sein Notebook und sein Kaftan herumliegt.

Geld aus dem Ausland ist den Gründern nicht willkommen, von der Regierung eigentlich auch nicht. Die Untervermietung von Büros im Gebäude bringt aber zu wenig ein. Spenden sollen nun die Kasse füllen, doch die Klientel ist nicht sehr zahlungskräftig. Tariq Ramadan appelliert an die Gäste: „Es ist einfach, eine Moschee zu eröffnen, aber schwer, sie am Leben zu halten.“ Der Ehrengast aus dem Rathaus bekräftigt das. „Das Durchhalten, das Dranbleiben“, sagt Ahmed Marcouch, „ist immer das schwierigste“.

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Jahrgang 1975, Redakteur in der Politik.

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