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Islamisierung in Holland : Zwischen Allah und Amsterdam

Vorzeigemuslim der Politik:Bürgermeister Marcouch im Gebetsraum der „Poldermoschee” Bild:

Amsterdams marokkanischer Bezirksbürgermeister Ahmed Marcouch gilt als Vorzeigemuslim. Trotzdem klagen ihn seine Gegner an, er wolle Holland heimlich islamisieren. Eine „Poldermoschee“ soll jetzt die Vereinbarkeit von Islam und Westen beweisen.

          Frauen und Männer trennen nur drei Stühle und einige Meter Paketklebeband. Und eine Menge Platz, denn die zwölf jungen Musliminnen knien auf dem ersten Gebetsteppich an der Rückwand, während sich vorn an die 200 Männer drängen. Aller Blicke gehen unter der abgehängten Decke durch 22 Fenster nach Osten. Im schnellen Takt des niederländischen Nahverkehrs blitzen zwischen den Bäumen gelb-blaue Doppeldeckerzüge auf.

          Andreas Ross

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Etwa auf Höhe des Gebetsraums im Obergeschoss eines 3000-Quadratmeter-Flachbaus rattern sie durch den Amsterdamer Westen. Zu hören ist davon jetzt aber nichts. Ein Dutzend Lautsprecher trägt die Koranverse in den Raum, die der kurzhaarige Vorbeter im taillierten Anzug rezitiert. Es ist Ramadan, es ist Freitag und es ist Eröffnung: Die „Poldermoschee“ ist das erste islamische Gebetshaus der Niederlande, wo Frauen sich aussuchen können, ob sie bei den Männern beten oder im Nebenraum unter sich bleiben.

          Neugierige in Nadelstreifen und T-Shirt

          Besonders Männer zwischen 16 und 35 Jahren sind zum Mittagsgebet ins Marokkanerviertel Slotervaart gekommen, teils von weither. Die meisten tragen Jeans, manche Nadelstreifen, wenige haben sich einen weißen Kaftan übergeworfen. Auch ein paar Ältere sind unter den Betenden und Neugierigen, einige haben ihre Söhne mitgebracht.

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          Das T-Shirt eines marokkanischstämmigen Schülers warnt vor seinem angeblich jugendgefährdenden Inhalt. Die Aufschrift auf dem Hemd eines Studenten, der sich seit seiner Bekehrung zum Islam Nourredeen nennt und sein Bleichgesicht mit Vollbart und Gebetskappe umrahmt, appelliert: „Ummah, be part of it“ (Gehör auch du zur Umma).

          Der holländischen Heimat verbunden

          Doch nicht nur ihrer Glaubensgemeinschaft sollen sich die Muslime zugehörig fühlen, die heute die neue Moschee ausprobieren, sondern auch ihrer holländischen Heimat. Deshalb kommt Tariq Ramadan auf die kuriose Idee, das schmucklos umfunktionierte Bürogebäude für seine Schönheit zu preisen: Es füge sich perfekt in die Umgebung ein, lobt der Reformtheologe aus Genf, dessen verwandtschaftliche Beziehungen in die ägyptische Muslimbruderschaft hineinreichen.

          Ramadan lehrt derzeit in Rotterdam und predigt zur Eröffnung der „Poldermoschee“. „Wir brauchen keinen orientalischen Geschmack, um gute Muslime zu sein“, ruft er in den Raum. Wer eine Moschee gründe, der zeige: „Aus dem Land, in das ich kam, ist das Land geworden, in dem ich lebe.“

          Kein Faschismus im alten Gewand

          Diese Botschaft steckt im Namen des Gebetshauses, denn ohne Polder, ohne das der Nordsee abgerungene Bau- und Weideland, wäre in den Niederlanden alles nichts. Politisch heißt „poldern“, Gegensätze durch Zusammenarbeit zu überwinden.

          Die „Poldermoschee“ will beweisen, dass Holländersein und Muslimsein zusammenpassen. Das ist nicht selbstverständlich in einem Land, in dem ein Abgeordneter wie Geert Wilders viel Zuspruch für die These bekommt, der Islam sei eine Art Faschismus im alten Gewand. Und das ist erst recht nicht selbstverständlich in einem Stadtteil wie Slotervaart.

          Islamisierung der Sozialwohnungen

          Zehn Minuten Fußweg liegen zwischen dem Trubel der Moschee-Eröffnung und der Trostlosigkeit der Hart-Nibbrig-Straat. In ihren verlotternden Klinkerwohnblocks hatte Mohammed Bouyeri mit seinen Eltern gewohnt, bevor er 2004 den Filmemacher und derben Berufsspötter Theo van Gogh grausam ermordete, weil er das für seine religiöse Pflicht gehalten haben will.

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