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Islamischer Staat : Ein bestialischer Mord

Über der historischen Stadt Palymra weht eine Flagge des „Islamischen Staats“. Bild: AFP

Die Dschihadisten des IS haben in Palmyra den syrischen Archäologen Khaled Asaad ermordet. Der 82-Jährige hatte ein halbes Jahrhundert lang die Ruinenstadt erforscht.

          Ein halbes Jahrhundert hatte der syrische Archäologe Khaled Asaad die Ruinenstadt Palmyra erforscht. In dieser Zeit entdeckte er um die Stadt neue Friedhöfe, einen sogar im Garten des Museums, in dem er seit 1963, als er zum Direktor der antiken Stätten Palmyras ernannt worden war, sein Büro unterhielt. Nun ist er auch in Palmyra getötet worden – auf eine Art, die kaum bestialischer hätte sein können. Die Barbaren des „Islamischen Staats“ (IS) hatten ihn vor einem Monat gefangen genommen und seither verhört, mutmaßlich auch gefoltert. Dann führten sie ihn am Dienstag auf den Platz vor dem Museum inmitten der antiken Stätten, bestellten mehrere Dutzend Zuschauer ein und enthaupteten ihn. Seine Leiche soll seither an einer der römischen Säule hängen, die er selbst restauriert hat.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Ein Schild, das an seinem Leichnam angebracht ist, führt die „Vergehen“ auf, für die der 82 Jahre alte Asaad, was übersetzt „der Glücklichste“ heißt, sterben musste: So wird er der Loyalität zum syrischen Präsidenten Baschar al Assad beschuldigt, der angeblichen Zusammenarbeit mit den syrischen Geheimdiensten und vor allem der Pflege der „Götzen“ von Palmyra.

          Denn für die Barbaren des IS ist alle Kultur, die nicht islamisch ist, automatisch Dienst an Götzen und damit Apostasie. Ein Apostat leugnet, so ihr Verständnis, nicht nur die Glaubenssätze des Islams, er begehrt auch gegen dessen politische Ordnung auf, in diesem Falle also den „Islamischen Staat“. Daher verdiene er den Tod. Das Enthaupten von Feinden hat bei sunnitischen Extremisten eine lange Tradition. Sie geht auf den Omayyaden-Herrscher Yazid zurück, der im Jahr 680 in Kerbela seinen Gegenspieler Hussein enthauptet hat. Husseins Kopf wurde nach Damaskus, in die Hauptstadt der Omayyaden, gebracht.

          Khaled Asaad auf einem undatierten Foto

          Die Antikenverwaltung in Damaskus teilte den grausamen Tod eines ihres bekanntesten Archäologen mit. Sie würdigte seine Verdienste und Leistungen und erinnerte an Asaads zahlreiche Publikationen in internationalen akademischen Zeitschriften. Auch nach seiner Pensionierung vor 13 Jahren setzte er seine wissenschaftliche Arbeit fort. Die Website der Antikenverwaltung zeigt zudem ein Foto des Museums mit zerborstenen Fenstern, offenbar eine Folge von Kämpfen. Wie das Museum im Innern aussieht, kann auch die Antikenverwaltung nicht mitteilen. Bekannt ist aber, dass der IS in Palmyra, das zum Weltkulturerbe zählt, Skulpturen und Mausoleen zerstört hat. Mutmaßlich hat er zudem Ruinen vermint. Als gesichert gilt, dass viele Kunstschätze aus dem Museum vor der Eroberung durch den IS im Mai nach Damaskus in Sicherheit gebracht werden konnten.

          Viele Schätze sind aber nicht beweglich, wie die weitläufigen Nekropolen, in denen sich die Angehörigen der großen Familien in Grabtürmen bestatten ließen. Reliefplatten mit den Porträts der Verstorbenen schlossen die Schächte mit den Sarkophagen, die in eine Wand eingelassen wurden, ab. Der IS lehnt die Erinnerung an die Toten als „Götzendienst“ ab.

          Von Palmyra stößt der IS nach Westen vor. Sein Ziel ist mutmaßlich, die strategisch wichtige Achse von Damaskus nach Homs unter Kontrolle zubekommen. Am 6. August eroberte er die Stadt Qaryatain und nahm dort mehrere Hundert Menschen als Geiseln.

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