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Terrormiliz : Persönliche Daten von 22.000 IS-Dschihadisten enttarnt

  • Aktualisiert am

Kämpfer des „IS“ im Januar 2014 in der irakischen Provinz Anbar Bild: AP

Das Informationsleck bei der Terrormiliz „Islamischer Staat“ ist offenbar weitaus größer als bislang bekannt: Ein früherer Kämpfer des „Islamischen Staats“ soll die Identitätsprofile von rund 22.000 Dschihadisten der Terrormiliz enttarnt haben.

          Der Fernsehsender Sky News hat nach eigenen Angaben Daten über 22.000 IS-Kämpfer aus mehr als 50 Staaten erhalten. Damit weitet sich das vor wenigen Tagen bekanntgewordene Leck in der radikal-islamischen Extremistenmiliz IS massiv aus. Die Informationen seien Sky News von einem enttäuschten ehemaligen IS-Anhänger zugespielt worden, teilte der britische Nachrichtensender am Donnerstag mit. Darunter sollen neben Namen auch Telefonnummer und Adressen der Unterstützer sein.

          Die Betreffenden stammen laut Sky News aus 51 Ländern, darunter Großbritannien, mehrere nordeuropäische Staaten, die Vereinigten Staaten, Kanada sowie zahlreiche Länder des Nahen Ostens und in Nordafrika. Bei einigen soll es sich um bislang unbekannte Kämpfer handeln, die nicht im Visier der Sicherheitsbehörden stehen, berichtete der Sender am Mittwochabend. Die Akten seien dem Chef des internen Sicherheitsapparats des „Islamischen Staats“ von einem enttäuschten IS-Mitglied gestohlen und auf einem Speichermedium an Sky News übermittelt worden. Sie basieren demnach auf Registrierungsbögen, mit denen die Betreffenden bei der Aufnahme in die Terrororganisation erfasst wurden. Vermerkt worden seien etwa Merkmale wie Blutgruppe, Ausbildung, Kampferfahrung und Kenntnisse im islamischen Scharia-Recht, aber auch Telefonnummern.

          Vor wenigen Tagen hatte das Bundeskriminalamt (BKA) bestätigt, dass deutschen Medien zugespielte Daten über IS-Unterstützer in Deutschland als authentisch eingestuft würden. Diese sind offenbar Teil der größeren Datei, die Sky News erhalten hat. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte am Donnerstag mit, dass der IS-Kommandeur Abu Omar al-Schischani noch am Leben sei. Die amerikanische Regierung hatte am Dienstag mitgeteilt, dass dieser bei einem Angriff getötet worden sei. Der IS-Kommandeur sei schwer verwundet in die vom IS beherrschte Stadt Raqqa gebracht worden, teilte die Beobachtungsstelle mit.

          Eigene Datensätze über „Märtyrer“

          Ein Datensatz habe explizit „Märtyrer“ aufgelistet, die sich zu Selbstmordanschlägen bereiterklärt hätten und dafür trainiert worden seien, hieß es weiter. Unter den Tausenden Männern sind dem Bericht zufolge viele, die gleich mehrfach unbehelligt durch „Risikoländer“ wie den Jemen, Libyen, Pakistan und Afghanistan gereist sind. Da sie aber nicht kontrolliert und überwacht wurden, konnten sie im syrischen Bürgerkrieg kämpfen und danach wieder in ihre Heimatländer zurückkehren.

          Genau solche kampferprobten und radikalisierten Rückkehrer fürchten auch die deutschen Sicherheitsbehörden. Bei dem Datendieb handelt es sich laut Sky News um einen früheren Angehörigen der Freien Syrischen Armee, der sich selbst Abu Hamed nennt. Dem Informanten zufolge wolle der IS seinen jetzigen Hauptsitz vom syrischen Al-Raqqa in die zentralen Wüstengebiete des Landes und letztlich in den Irak verlegen, wo die Terrormiliz ihre Wurzeln habe.

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          Quelle: dpa

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