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Iranisches Atomprogramm Furcht vor einem neuen Krieg

12.04.2007 ·  Die arabischen Golfstaaten fürchten in die Fronten zwischen Amerika und Iran zu geraten. „Chomeini wollte die Revolution exportieren, die heutigen Machthaber in Iran tun es“, heißt es. Teheran verberge nicht seine Ambitionen, den Nahen Osten dominieren zu wollen.

Von Rainer Hermann, Doha
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Das iranische Atomprogramm lässt auch die Sorgen in der Golfregion wachsen. „Chomeini wollte die Revolution exportieren, die heutigen Machthaber in Iran tun es“, sagt beunruhigt Muhammad al Musfer, Politikwissenschaftler an der Universität Qatar. Iran verberge nicht einmal mehr seine Ambitionen, den ganzen Nahen Osten zu dominieren.

Er wolle aber weder eine Vorherrschaft Irans noch Amerikas über die Region. Muhammad al Kafood denkt ähnlich. Die arabischen Golfstaaten seien zwischen die Mühlsteine der Vereinigten Staaten und Irans geraten, sagt der ehemalige Kulturminister von Qatar. Ein Krieg zwischen beiden würde weder Sieger noch Besiegte hervorbringen, sondern nur Zerstörung zurücklassen.

An einem Krieg gegen Iran würde sich Qatar nicht beteiligen, sein Land stelle auch keine Bedrohung für den Nachbarn auf der anderen Seite des Golfs dar, hatte vor kurzem der neue Ministerpräsident Hamad Bin Dschassim Al Thani versprochen. Er ist der zweite starke Mann Qatars nach dem Emir und zudem Außenminister. Seine Ankündigung hätte bei einem Angriff auf Iran Folgen für die Amerikaner: Sie unterhalten in Qatar einen großen Luftwaffenstützpunkt und das „Central Command“ für die Region.

Forderung nach einer Sicherheitsgarantie der Nato

Die Furcht vor einem neuen Krieg am Golf hat auch andere erfasst: Mehr als die iranische Atombombe fürchte er einen Krieg, sagt Babakr Issa, Nachrichtenchef von „Al Raya“, der auflagenstärksten Zeitung Qatars. Im vergangenen Vierteljahrhundert habe es genügend Kriege in der Region gegeben. Iran sei in der Lage, Raketen abzufeuern oder Agenten aus „Schläferzellen“ einzusetzen. Erst vor zwei Jahren verhafteten ägyptische Sicherheitskräfte iranische Agenten, die Ziele für mögliche Vergeltungsschläge ausgekundschaftet hatten.

Die Bevölkerung in den sechs Staaten des Golfkooperationsrats (GCC) sei geschlossen gegen einen Krieg, beobachtet der Politikwissenschaftler Musfer. Ihre Regierungen unterhielten jedoch enge Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Die Führungen am Golf täten, was ihnen Washington diktiere, kritisiert Musfer. Sollten die Amerikaner von Qatar aus Iran angreifen, würde es zu iranischen Vergeltungsaktionen in Qatar kommen, befürchtet der Journalist Issa.

Um die Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten zu verringern, fordern die GCC-Staaten immer häufiger eine Sicherheitsgarantie der Nato. Die Istanbul-Charta, die auf dem Gipfeltreffen der Nato im Juni 2004 in Istanbul verabschiedet wurde, reicht ihnen nicht. Immerhin sind schon französische und italienische Flottenverbände zu Manövern im Golf oder in dessen Nähe.

Andere Maßstäbe als bei anderen Ländern

Unberechenbar sei die Politik der Vereinigten Staaten, wirft ihnen der Politikwissenschaftler Musfer vor. In der Region habe Washington jede Glaubwürdigkeit verloren. Zu stark setze Amerika ausschließlich auf militärische Gewalt. Während der Krise um die 15 von Iran festgenommenen britischen Marinesoldaten habe Teheran in der Bevölkerung der GCC-Staaten den Propagandakrieg gewonnen.

Die meisten Menschen schlossen sich der Ansicht Teherans, dass sich die Soldaten in iranischen Hoheitsgewässern aufgehalten hätten, an, sagt Issa. Wegen ihrer erfolglosen Irak-Politik machten die Einwohner der Region die Vereinigten Staaten und Großbritannien auch für andere Krisen verantwortlich, sagt Issa. Und der frühere Minister Kafood wirft dem Westen vor, im Atomstreit mit Iran einen anderen Maßstab anzulegen als bei anderen Ländern.

„Supermacht des Nahen Ostens“

Die Regierungen halten sich aber mit Parteinahmen im iranischen Atomkonflikt zurück. Im UN-Sicherheitsrat, dem es in den Jahren 2006 und 2007 angehört, muss Qatar aber Farbe bekennen. Bei der ersten Iran-Resolution hat Qatar im August 2006 noch nicht mit dem Westen gestimmt. Doha hat sich damals herausgeredet, es sei nur unzureichend in die Formulierung der Resolution eingebunden gewesen.

Im vergangenen Dezember und nun im März hat sich Qatar dann der Meinung angeschlossen, den Druck auf Iran zu erhöhen. Zur Verärgerung Irans besteht in der qatarischen Hauptstadt weiter eine israelische Interessenvertretung in Form eines Handelsbüros. Alle anderen arabischen Staaten, die keinen Friedensvertrag mit Israel haben, hatten ihre Beziehungen zu Israel in den vergangenen Jahren suspendiert, auch das gemäßigte Oman.

Angreifen könne Iran beispielsweise die Öl- und Gasförderanlagen Ras Tanura in Saudi-Arabien, Ras Laffan in Qatar und Schuaiba in Kuweit, zählt Musfer auf. Ferner die Meerwasserentsalzungsanlagen und die Kraftwerke, die ebenso an der Golfküste liegen, deren Verschmutzung der prominente Politikwissenschaftler fürchtet. Er ist überzeugt, dass Iran die Atombombe will. Nicht um Israel anzugreifen, sondern um die „Supermacht des Nahen Ostens“ zu sein. Schon der Schah habe nach der Atombombe gestrebt, Chomeini wollte die Macht über die islamische Welt, und selbst Pragmatiker wie Rafsandschani und Chatami seien nicht viel anders.

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Jahrgang 1956, Korrespondent für Wirtschaft und Politik in der arabischen Welt mit Sitz in Abu Dhabi.

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