26.12.2009 · Bei neuerlichen Protesten in Iran ist es wieder zu schweren Zusammenstößen zwischen Regierungskritikern und der Polizei gekommen. An mehreren Orten in der Hauptstadt gingen Sicherheitskräfte gegen Demonstranten vor.
Bei Protesten in Iran ist es am Samstag wieder zu schweren Zusammenstößen zwischen Regierungskritikern und der Polizei gekommen. Augenzeugen und oppositionelle Internetseiten berichteten übereinstimmend, Sicherheitskräfte seien in der Hauptstadt Teheran an mehreren Orten mit Schlagstöcken gegen Demonstranten vorgegangen. Diese nutzten eine traditionelle Trauerkundgebung, um Präsident Mahmud Ahmadineschad und dessen umstrittene Wiederwahl im Juni abermals öffentlich zu kritisieren.
„Die Polizei setzt Tränengas ein, um die Menschenmenge auf dem Imam-Hussein-Platz aufzulösen“, berichtete die Website Jaras. „Doch die Leute halten Stand und skandieren Parolen gegen die Regierung.“ Die Sicherheitskräfte würden auch Fensterscheiben von Fahrzeugen einschlagen, die an der Menschenmenge nur vorbeifahren wollten, heißt es. Hunderte Sondereinsatzkräfte der Polizei gingen gegen die Anhänger der Opposition vor.
Mit Schlagstöcken und Pfefferspray
Ein Augenzeuge berichtete von weiteren Zusammenstößen im Norden der Hauptstadt, wo der reformorientierte ehemalige Präsident Mohammad Chatami eine Rede hielt. Diese wurde nach Angaben der Opposition von Dutzenden Regierungsanhängern unterbrochen, die den Veranstaltungsort mit Schlagstöcken und Pfefferspray angriffen hätten.
Nach Angaben der Opposition setzten die Sicherheitskräfte auch Schusswaffen ein. „Die Spezialeinsatzkräfte schießen auf dem Platz Enkelab in die Luft, um die Demonstranten mit ihren regierungskritischen Sprechchören zu vertreiben“, hieß es auf der Seite. Zudem hätten Polizisten das Büro der iranischen Nachrichtenagentur Isna angegriffen, nachdem mehrere Demonstranten in dem Gebäude Zuflucht gesucht hätten. Dabei wurden einem Augenzeugen zufolge mindestens zwei Menschen verletzt. Die Angaben der regierungskritischen Internetseite konnten nicht von unabhängiger Seite überprüft werden, weil die iranischen Behörden ausländischen Journalisten die Berichterstattung über Kundgebungen verboten haben.
Ein Augenzeuge berichtete, dass die Polizei an mehreren Orten in Teheran Demonstranten daran hindere, sich zu einer größeren Menschenmenge zusammenzuschließen. Per SMS forderte die Reformbewegung ihre Anhänger dazu auf, auch am Sonntag auf die Straße zu gehen und dem verstorbenen Großajatollah Hussein Ali Montazeri zu gedenken.
In Iran haben sich die Spannungen zwischen Opposition und Regierung zuletzt wieder deutlich verschärft, nachdem am vergangenen Wochenende der regierungskritische Großajatollah Montazeri im Alter von 87 Jahren gestorben war. Der Geistliche war eine Art Mentor der Reformbewegung und galt als einer der schärfsten Kritiker Ahmadineschads. Die Gedenkfeiern könnten der Protestbewegung nun einen neuen Kristallisationspunkt verschaffen. Gemäß schiitischer Tradition dürften sie am Sonntag - dem siebten Tag nach dem Tod des Geistlichen - einen ersten Höhepunkt erreichen, der mit dem religiösen Feiertag Aschura zusammenfällt.