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Iran : Von der Mine bis zur Rakete

2009: Iran testet die „Shahab3“ Bild: AFP

Für vieles, was die Welt über Teherans Atomprogramm weiß, gibt es keine plausible Erklärung außer dem Streben nach einer Bombe. Iran wird dabei behindert, kommt aber trotzdem immer mehr voran.

          Iran behauptet, es habe mit seinem Atomprogramm immer nur friedliche Zwecke verfolgt. Doch es hatte Anlagen zur Konversion und zur Anreicherung von Uran in Isfahan und Natans errichtet, ohne die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) darüber zu informieren. Das wurde 2002 aufgedeckt. Später gestand Abdul Qadeer Khan, der „Vater“ der pakistanischen Atombombe, dass sein Schmuggelnetz Iran geholfen hatte. Schon in den achtziger Jahren dürfte Iran den Bau von Atomwaffen angestrebt haben. Vor kurzem hat das Washingtoner „Institute for Science and International Security“ (ISIS) des früheren IAEA-Waffeninspekteurs David Albright ausführlich beschrieben, wie das 1989 in Teheran gegründete, inzwischen in militärischen Strukturen aufgegangene „Physikalische Forschungszentrum“ im Ausland dafür Komponenten beschafft hatte. Das ISIS wertete mehr als 1600 Telex-Nachrichten aus, welche iranische Forscher und ausländische Lieferanten austauschten.

          Andreas Ross

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Inspekteure der IAEA überwachen unter anderem die Anlagen zur Urananreicherung in Natans und in Fordo nahe der Theologenstadt Ghom. Auch die in einen Berg gebohrte Halle in Fordo hatte Iran heimlich für den Betrieb von Zentrifugen vorbereitet; 2009 enthüllten das westliche Regierungen. Deren Geheimdienste, auch der Bundesnachrichtendienst, haben in Iran weitere Spionageerfolge erzielt. Sie stellen aber in Rechnung, es dürfte Dinge geben, von denen sie nichts wissen. Die IAEA hat die Informationen, die Mitgliedstaaten ihr überließen, geprüft und im November mitgeteilt, einige iranische Aktivitäten seien „relevant für die Entwicklung eines nuklearen Sprengsatzes“. Ferner heißt es in dem Bericht, dass „diese Aktivitäten vor Ende 2003 in einem strukturierten Programm stattfanden und einige Aktivitäten noch andauern können“.

          Russische Lieferung

          Der UN-Sicherheitsrat hat Iran aufgefordert, die Urananreicherung auszusetzen, bis die Zweifel an der friedlichen Natur des Programms beseitigt sind. Daran hält Iran sich nicht. Es verfügt über importiertes Natururan, beutet inzwischen aber auch eigene Vorkommen aus. In der von der IAEA überwachten Anlage in Isfahan wird aus Uranerz sogenanntes Yellowcake produziert. Dieses Gemisch wird in Natans und Fordo in derzeit knapp 10 000 Gaszentrifugen weiterverarbeitet, um den Anteil des für eine Kettenreaktion benötigten Isotops U-235 zu steigern. Iran produziert monatlich etwa 150 bis 170 Kilogramm schwach (nämlich zu 3,5 Prozent) angereichertes Uran; der Vorrat beträgt inzwischen etwa 5,5 Tonnen. Daraus könnten Brennelemente für moderne Leichtwasserreaktoren hergestellt werden. Doch gibt es in Iran nur ein solches Kraftwerk. Es steht in Buschehr, wurde von Russland fertiggestellt und braucht russische Brennstäbe, die Russland Iran liefert. Vor kurzem hat Iran zwar in Isfahan begonnen, mit der Herstellung von Brennelementen zu experimentieren. Für das in Natans und Fordo lagernde Spaltmaterial hat Iran aber keine (zivile) Verwendung.

          Schwach angereichertes Uran kann in den vorhandenen Zentrifugen bis auf 90 Prozent angereichert werden, dann ist es atomwaffenfähig. Deshalb gilt Irans Schritt von 2010, einen Teil des Materials auf 19,75 Prozent weiter anzureichern, als Eskalation. Irans Vorwand ist ein alter Forschungsreaktor in Teheran aus Zeiten des Schahs. Dieser benötigt Brennelemente aus zu knapp 20 Prozent angereichertem Uran. Der Reaktor produziert Radionuklide, die für Krebstherapien benötigt werden. Iran hat dort kürzlich erstmals einen Brennstab aus eigener Herstellung eingesetzt. Die Menge des höher angereicherten Urans, die nun produziert wird, schürt aber den Verdacht, es gehe Iran darum, im Bedarfsfall schneller waffenfähiges Uran herstellen zu können. Fachleute sagen, mehr als die Hälfte dieses Weges sei zurückgelegt, wenn das Material bereits zu etwa zwanzig Prozent angereichert sei.

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