16.07.2010 · Bei zwei Selbstmordanschlägen vor einer Moschee im Südosten Irans sind mindestens 27 Menschen getötet und 270 weitere verletzt worden. Ein als Frau verkleideter Selbstmordattentäter zündete in unmittelbarer Nähe zu der Moschee in der Stadt Zahedan einen Sprengsatz. Anschließend explodierte noch eine zweite Bombe.
Bei zwei Selbstmordanschlägen vor einer schiitischen Moschee im Südosten Irans sind am Donnerstagabend mindestens 27 Menschen getötet und 270 weitere verletzt worden. Der Zustand von elf der Verletzten sei kritisch, sagte Gesundheitsministerin Marsieh Wahid Dastdscherdi der Nachrichtenagentur Mehr.
Ein Abgeordneter der Stadt Sahedan, in der sich der Anschlag ereignete, Hossein Ali Schahriari, sprach der Nachrichtenagentur Ilna zufolge von 26 Toten und mehr als 300 Verletzten. Der Gouverneur der Provinz Sistan-Beluchistan, Ali-Mohammed Azad, sagte, die Opferzahl werde vermutlich noch weiter steigen.
Behördenangaben zufolge zündete ein als Frau verkleideter Selbstmordattentäter seinen Sprengstoffgürtel an einem Kontrollpunkt der Revolutionären Garden in unmittelbarer Nähe zu der Moschee in der Stadt Zahedan im Südosten des Landes. Als sich Helfer und schiitische Pilger um die Opfer kümmern wollten, zündete ein zweiter Selbstmordattentäter in der Menschenmenge einen weiteren Sprengsatz. In der Moschee hatten sich zahlreiche Gläubige versammelt, um den Geburtstag des Iman Hussein, des Enkels des Propheten Mohammed, zu feiern. Aus diesem Anlass werden alljährlich auch die iranischen Revolutionsgarden gefeiert.
Hochburg des sunnitischen Widerstands
Der Anschlag wird einer Gruppe zugeschrieben, die sich Dschundallah („Gottessoldaten“) nennt. Ihr Anführer Abdulmalik Rigi war im Juni hingerichtet worden. Es wurden auch sechs Mitglieder der in der Nähe der Moschee stationierten Revolutionsgarden getötet.
Zahedan ist die Hauptstadt der Provinz Sistan-Belutschistan, die an Afghanistan and Pakistan grenzt. Die Provinz, in der viele Sunniten leben, ist eine Hochburg des sunnitischen Widerstands gegen die schiitische Vorherrschaft im Iran. Seit zehn Jahren verübt dort die sunnitische Rebellengruppe Dschundallah blutige Angriffe. Die Region gilt als eine der Hauptdrogenrouten nach Europa und als besonders unsicher.
Im Mai 2009 waren bei einem Anschlag auf eine Moschee in Zahedan 25 Gläubige getötet und 80 verletzt worden. Bei dem bislang letzten Anschlag, zu dem sich die Dschundallah bekannt hatte, waren im Oktober in Pischin 42 Menschen ums Leben gekommen, darunter mehrere Revolutionsgarden.