Die britische Marineangehörige Faye Turney hat in einem Presseinterview erstmals ausführlich zu ihrer 13-tägigen Haft in Iran Stellung genommen. In den ersten fünf Tagen in Gefangenschaft hätten ihre Bewacher sie glauben lassen, dass die übrigen Festgenommenen ihrer Gruppe nach Hause geschickt worden seien und sie alleine in Iran festgehalten werde, sagte die 26-Jährige dem Boulevardblatt „The Sun“.
In den Verhören sei sie mit ihrem Tod konfrontiert worden: An einem Punkt habe sie ein Vernehmungsbeamter gefragt: „Was halten Sie davon, für Ihr Land zu sterben?“ Am nächsten Tag habe ihr ein anderer Befrager gesagt: „Verstehen Sie nicht?`Sie müssen mit uns kooperieren. Wollen Sie nicht Ihre Tochter wiedersehen?“ Sie habe ernsthaft gefürchtet, dass die Iraner für sie einen Sarg zimmerten, erzählte Turney. Unweit ihrer Zelle habe sie Geräusche vernommen, die sich wie das Sägen von Holz und das Hämmern von Nägeln anhörten. Gleichzeitig sei eine Frau in die Zelle gekommen, habe ihren Körper vermessen und die Ergebnisse laut nach draußen gerufen.
„Das war nicht ich selbst“
Turney schilderte weiter, dass sie sich während ihrer Haft bis auf die Unterwäsche ausziehen musste. „Ich wurde in eine kleine Zelle geworfen und wurde angewiesen, mich auszuziehen. Sie nahmen mir alles bis auf meinen Slip. Dann warfen sie mir zum Anziehen Baumwollpyjamas hinein und vier dreckige Decken.“ Ihre drei von Iran veröffentlichten schriftlichen Erklärungen, in denen sie das angebliche Eindringen ihrer Gruppe in iranische Gewässer zugab, rechtfertigte die britische Marineangehörige damit, dass die iranischen Sicherheitsbeamten ihr die Freilassung binnen zwei Wochen versprochen hätten. Im Falle ihrer Ablehnung sei ihr mit einem Spionageprozess gedroht worden. Sie habe die Briefe aber derart geschrieben, dass „meine Einheit und meine Familie wussten, dass das nicht wirklich ich selbst war“.
Iranische Revolutionsgardisten hatten Turney und 14 weitere Angehörige der britischen Kriegsmarine am 23. März im Norden des Persischen Golfs festgenommen. London bestreitet, dass iranische Hoheitsgewässer verletzt wurden. Die 15 Seeleute waren 13 Tage lang festgehalten worden und am Donnerstag in ihre Heimat zurückgekehrt. Die Entscheidung der britischen Regierung, den Marineangehörigen die Vermarktung ihrer Haft-Erlebnisse in Iran zu erlauben, hatte am Sonntag große Empörung ausgelöst. Die „Sun“ bezahlte Turney nach eigenen Angaben für das Interview, gab aber nicht an, um welche Summe es sich handelte. Berichten zufolgen soll Turney für Interviews mit der „Sun“ und dem Privatsender ITV umgerechnet 225.000 Euro erhalten haben. Turney wolle einen Teil des Geldes dem Wohltätigkeitsfonds ihres Schiffs, der HMS „Cornwall“, stiften, hieß es.
Weitere Medienauftritte untersagt
Der Streit um den Verkauf von Interviews und Erlebnisberichten hat sich am Ostermontag verschärft. Oppositionspolitiker und Angehörige von im Irak gefallenen Soldaten sprachen von einer „würdelosen“ Geschäftemacherei. Der mit zwanzig Jahren Jüngste unter den Gefangenen erzählte der Zeitung „The Mirror“ gegen Bezahlung, er habe in iranischer Gefangenschaft vor Angst „geschrien wie ein Baby“. Die Haft sei ein „Albtraum“ gewesen, sagte der Navigator Arthur Batchelor. Derweil veröffentlichte Iran neue Videoaufnahmen, auf denen die gefangenen Briten bei scheinbar bester Laune zu sehen sind, wie sie Tischtennis spielen, im Fernsehen ein Fußballspiel verfolgen und an einem langen Tisch ein Abendessen einnehmen.
Die britische Regierung zog am Abend aus der heftigen Kritik an ihrer Entscheidung, den zeitweise im Iran festgehaltenen Soldaten
einen Verkauf ihrer Geschichte zu erlauben, die Konsequenzen. Es werde keinen weiteren Seeleuten gestattet, ihre Erlebnisse an die Medien zu veräußern, stellte Verteidigungsminister Des Browne am Montagabend klar. Politiker, Verteidigungsexperten und ehemalige Kommandeure hatten zuvor erklärt, der Verkauf der Geschichten bringe Schande über das Militär. Die Regierung nutze die Soldaten in einer Propaganda-Schlacht aus und verhalte sich damit kaum besser als der Iran.
Bolton: Briten waren zu zögerlich
Der frühere amerikanische Botschafter bei den Vereinten Nationen (UN), John Bolton, hat Großbritannien ein zögerliches Verhalten in dem Gefangenen-Konflikt mit Iran vorgeworfen. Dies habe der Führung in Teheran zu einem politischen Sieg verholfen, den sie zum Vorantreiben ihrer Atompläne nutzen werde, schrieb Bolton ein einem Gastbeitrag für die „Financial Times“ vom Montag. Die Regierung in London sei in ihren Bemühungen um eine Freilassung der 15 Marinesoldaten zu passiv, zögerlich und fast demütig gewesen. Iran und andere Schurkenstaaten seien dadurch ermutigt, dass Großbritannien bei Geiselnahmen verwirrt und nicht entschlossen reagiere.
Die Führung in Teheran gehe gestärkt aus dem Streit hervor, schrieb der Hardliner aus dem Lager von Präsident George W. Bush. Damit sei eine Verhandlungslösung im Streit über das iranische Atomprogramm in weitere Ferne gerückt. Iran sei nun ermutigt, seine Atompläne voranzutreiben, radikale Gruppen wie die Hamas und die Hisbollah stärker zu unterstützen und noch mehr Terrorakte im Irak zu verüben. Die Vereinigten Staaten vermuten hinter dem iranischen Kernenergieprogramm geheime Pläne für den Bau von Atomwaffen. Irans Präsident Mahmud Ahmadineschad will am Montag beim Besuch einer Urananreicherungsanlage Neuigkeiten über das Atomprogramm bekanntgeben.
Wofür sterben?
Marcel Meier (MarcelMeier)
- 09.04.2007, 13:09 Uhr
Im Angesichte einer realen Bedrohung mit einem Angriffskrieg,
Aleshanee Pradesh (Aleshanee)
- 09.04.2007, 13:58 Uhr
Wie gemein... ts ts...
Dirk Walbrühl (Kelen)
- 09.04.2007, 13:59 Uhr
Angriff!
Marcel Meier (MarcelMeier)
- 09.04.2007, 14:14 Uhr
die nächsten , die verhaftet werden kommen nicht mehr so schnell frei ...
Mehmet Mantikli (logisch74)
- 09.04.2007, 17:20 Uhr
