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Iran Erst drohen, dann relativieren

28.12.2011 ·  Es ist nicht das erste Mal, dass in Teheran verkündet wird, die Straße von Hormus werde blockiert. Doch bisher hat das Regime dem nie Taten folgen lassen. Es würde sich damit auch selbst schaden.

Von Rainer Hermann
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Die Drohungen häufen sich. Die iranische Kriegsmarine übte am vierten Tag ihres auf zehn Tage angesetzten Großmanövers „Velayati 90“ die Verminung der See. Gleichzeitig verkündete in Teheran Vizepräsident Mohammad Reza-Rahimi, „kein Tropfen Erdöl“ werde die Meerenge von Hormus passieren, sollte der Westen weitere Sanktionen gegen Iran verhängen und von dort kein Öl mehr kaufen. Ein Drittel des zur See beförderten Erdöls passiert nach amerikanischen Angaben jeden Tag die Meerenge. Das Säbelrasseln ist Teil des iranischen Großmachtgehabes. Ernst zu nehmen ist es nicht.

Immer wieder haben in letzter Zeit iranische Politiker und Medien gedroht, die Meerenge zu blockieren, in der Woche vor Weihnachten etwa ein Abgeordneter des Parlaments. Kaum waren die Worte verklungen, stieg der Ölpreis. Umgehend dementierte aber erst das Außenministerium, dann Ölminister Rostam Qassemi. Eine „drastische Maßnahme“ wie die Sperrung der Meerenge stünde nicht auf der Agenda, teilte die Regierung mit, auch wenn sich Teheran „Reaktionen“ vorbehalte. So passt auch die Äußerung des Befehlshabers der iranischen Marine, Habibullah Sajjari, ins Bild, der am Mittwoch dem Sender Press TV sagte: „Die Straße von Hormus zu blockieren wäre für uns ebenso leicht, wie ein Glas Wasser zu trinken“, und dann hinzufügte: „Zurzeit besteht aber keine Notwendigkeit, dies zu tun.“

Mit einer Sperrung der Meerenge würde sich Iran selbst schaden. Denn so würde der allergrößte Teil der iranischen Importe blockiert, Lebensmittel ebenso wie Ersatzteile und viele Konsumgüter, die nur auf diesem Seeweg auf den iranischen Markt gelangen. Eine Sperrung wäre auch eine Kriegserklärung - gegen den südlichen Nachbarn Oman, auf dessen Hoheitsgebiet in der Meerenge die Routen der Tanker meist verlaufen, und gegen Nachbarn wie Kuweit, Qatar und die Vereinigten Arabischen Emirate, mit denen Iran krampfhaft seine Beziehungen verbessern will. Rasch könnte der Konflikt eskalieren und eine Intervention der Staatengemeinschaft gegen Iran erzwungen werden, die nicht im Sinne des Teheraner Regimes wäre.

Ölembargo würde Druck verstärken

Auf der anderen Seite würde ein europäisches Ölembargo den Druck auf Iran weiter verstärken, ohne es indes in die Knie zu zwingen. Die EU-Staaten beziehen zwar 450.000 Barrel Rohöl am Tag aus Iran (ein Barrel entspricht rund 159 Litern). Das sind aber weniger als ein Fünftel der iranischen Ölausfuhr. Japan bezieht 341.000 Barrel und Indien 328.000 Barrel. Beide wollen davon nicht abrücken. Die Türkei bestätigte noch kurz vor Weihnachten, sie werde auch künftig 182.000 Barrel am Tag aus Iran importieren, und auch Korea macht nicht den Anschein, auf die täglich 244.000 Barrel aus Iran verzichten zu wollen.

Lediglich China war bisher bereit, einen Teil der zunächst aus Iran bezogenen 544.000 Barrel durch Rohöl aus Saudi-Arabien zu ersetzen. Die größte chinesische Raffinerie Sinopec hat sogar angekündigt, von Januar an ihren Ölimport aus Iran schrittweise zu halbieren. Dennoch warnt China vor Aktionen gegen Iran, die von „Gefühlen geleitet“ seien, und Russland will sich nicht an der Eskalation des Iran-Konfliktes beteiligen.

Griechenland kauft mehr Öl aus Iran

Andererseits kauft das krisengeplagte Griechenland mehr Öl aus Iran. Es ersetzt damit Lieferungen aus Russland, Aserbaidschan und Kasachstan, auch weil diese Länder offenbar nicht damit rechnen, dass Athen das gelieferte Öl zeitgenau bezahlt. Teheran wiederum hat kein Interesse, das Öl in Länder zu liefern, die auf Tauschgeschäfte aus sind und nicht mit harten Petrodollars zahlen. Ohne Petrodollars, die immer knapper werden, kann Iran im Westen gar nichts mehr kaufen - und die kommen noch zum größten Teil aus der EU.

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Jahrgang 1956, Korrespondent für Wirtschaft und Politik in der arabischen Welt mit Sitz in Abu Dhabi.

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