http://www.faz.net/-gpf-91yx6

Ruhanis Rede vor den UN : Iran droht Trump mit „resoluter Antwort“

  • Aktualisiert am

Der iranische Präsident Hassan Ruhani am Mittwoch vor den Vereinten Nationen Bild: Reuters

Der iranische Präsident bestreitet eine Verletzung des Atomabkommens durch sein Land – und warnt vor Verletzungen des Vertrags. Die Kanzlerin spricht von einem „klaren Dissens“ mit Donald Trump.

          Das Atomabkommen mit dem Iran dominiert den zweiten Tag der Generaldebatte der UN-Vollversammlung. Der Pakt gilt als historisch. Der Iran warnt die USA. Auch Deutschland mahnt Trump, das Abkommen nicht zu „zerstören“.

          Iran hat die scharfe Kritik von Amerikas Präsident  Donald Trump am Atomabkommen mit deutlichen Worten zurückgewiesen. „Der Iran wird das Abkommen nicht zuerst verletzten, aber auf jede Verletzung durch die Partner werden wir entschlossen und resolut antworten“, sagte Irans Präsident Hassan Ruhani am Mittwoch vor der UN-Vollversammlung in New York. „Es wäre sehr schade, wenn das Abkommen von schurkischen Anfängern auf der politischen Bühne zerstört werden würde.“ Auch die Bundesregierung ermahnte den Präsident Trump eindringlich, an dem Atomabkommen mit  Iran festzuhalten.

          „Eine Zerstörung des Atomabkommens mit dem Iran wäre ein großer Rückschritt“, sagte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) in New York. Es wäre eine „große Gefahr für Frieden und Stabilität in der Region“, fügte er hinzu. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte in einem Interview der Deutschen Welle, sie halte das Atomabkommen für richtig.

          Trumps Rhetorik sei „ignorant, absurd und abscheulich“

          Der amerikanische Präsident hat den Atomdeal wiederholt in scharfen Worten kritisiert. In seiner Rede vor der Generalversammlung bezeichnete er ihn als „Erniedrigung“ für die Vereinigten Staaten. Iran nannte er einen Schurkenstaat.

          Trumps Rhetorik sei „ignorant, absurd und abscheulich“ und als Rede vor den Vereinten Nationen „ungeeignet“, konterte Irans Präsident Ruhani. Die Vereinigten Staaten hätten Milliarden für Frieden und Stabilität im Nahen Osten ausgegeben. Gebracht habe das der Region aber nur „Krieg, Elend, Armut und den Aufstieg von Terrorismus und Extremismus“.

          Mit dem vor zwei Jahren in Wien geschlossenen Abkommen zwischen dem Iran einerseits sowie den Vereinigten Staaten, Russland, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland andererseits sollte die Sorge der Weltgemeinschaft vor einer iranischen Atombombe zerstreut werden. Es war eines der großen außenpolitischen Erfolge von Trumps Amtsvorgänger Barack Obama.

          Iran unterwirft dabei unter anderem seine Urananreicherung bis zu 25 Jahre lang einem mehrstufigen System von Beschränkungen und Kontrollen durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA). Im Gegenzug sollte der Westen Wirtschaftssanktionen gegen den Iran aufheben.

          Sein Land hätte „freie Hand, zu handeln“, sofern sich die Vereinigten Staaten aus dem Atomabkommen zurückziehen sollten, sagte Ruhani am Rande der UN-Generaldebatte. Wenn die Vereinigten Staaten glaubten, solch ein Schritt könne Teheran unter Druck setzen, lägen sie „absolut falsch“. Washington würde sich mit einem solchen Schritt „nur selbst blamieren“. Ruhani versicherte abermals, dass das iranische Atomprogramm nicht darauf angelegt sei, an Atomwaffen zu kommen.

          Auch der Atom-Konflikt mit Nordkorea kam zur Sprache

          Trump erklärte, sein Entschluss sei gefasst. Er wollte aber nicht sagen, wie dieser aussieht. Schon früher hatte er gesagt, dass er seine Entscheidung im Oktober bekannt geben wolle. Die amerikanische Regierung muss dem Kongress alle drei Monate mitteilen, ob der Iran die Bedingungen der Vereinbarung erfüllt. Die nächste Frist läuft am 15. Oktober ab.

          Bundesaußenminister Gabriel sagte, nach all dem, was man wisse, halte sich der Iran „strikt“ an das Abkommen. Er kritisierte dagegen die Rolle, die Teheran in den Konflikten im Jemen, in Syrien, im Irak oder im Libanon einnimmt. „Deswegen ist es auch notwendig, mit dem Iran hier eine klare Sprache zu sprechen“, sagte er.

          Neben Iran kam auch der Atom-Konflikt mit Nordkorea bei der UN-Generaldebatte wieder zur Sprache. Der Konflikt sei eine Krise von beispiellos ernster Bedrohung, sagte der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe. Nordkorea müsse dazu gebracht werden, sein Nuklear- und Raketenprogramm komplett und überprüfbar aufzugeben. „Was gebraucht wird, ist nicht Dialog, sondern Druck.“

          Bundeskanzlerin Merkel kritisierte die Drohungen von Amerikas Präsident Trump in Richtung Nordkorea. „Wir halten jede Art von militärischer Lösung für absolut unangemessen und setzen auf diplomatische Bemühungen“, sagte Merkel der Deutschen Welle. „Alles andere halte ich im Zusammenhang mit Nordkorea für falsch. Und deshalb gibt es hier einen klaren Dissens mit dem amerikanischen Präsidenten.“ Trump hatte zuvor in seiner UN-Rede unter anderem damit gedroht, Nordkorea als Reaktion auf einen Angriff „völlig zu zerstören“.

          Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko attackierte Russland als größte Gefahr für die internationale Sicherheit und bat den UN-Sicherheitsrat um einen umfassenden Einsatz von Blauhelmen in der Ostukraine. Der UN-Sicherheitsrat beschloss unterdessen eine Reform der weltweiten Friedenseinsätze. Einstimmig verabschiedete das höchste Gremium der Vereinten Nationen eine Resolution, mit der die Einsätze „verantwortungsvoller, transparenter und effizienter“ ablaufen sollen.

          Die Generaldebatte der UN-Vollversammlung dauert noch bis Montag. Am Donnerstag steht aus deutscher Sicht die Rede von Bundesaußenminister Gabriel im Fokus.

          Quelle: dpa/Reuters

          Weitere Themen

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Neue Regierung : Österreichs Wirtschaft frohlockt

          Die neue Regierung aus ÖVP und FPÖ könnte den Standort Österreich in die Top-Liga zurückführen, glauben österreichische Geschäftsleute. Die Volkswirte sehen das allerdings deutlich skeptischer.

          Zweite Chance für die GroKo : Zwischen gestern und morgen

          Diese Woche traf sich der CDU-Bundesvorstand zur Besprechung der Wahlanalysen und zur Klärung der Frage, wie man der SPD begegnen solle. Es wurde deutlich: Für eine große Koalition gibt es noch allerhand Unwägbarkeiten.
          Wie ungerecht ist eine Tradition, die Jesus begründet hat? Das Thema Frauenweihe könnte auch diese Messdienerin einst beschäftigen.

          Frauen in der Kirche : Ran an die Priesterinnenweihe!

          Wer weiß, ob und wann sich ein Papst dazu durchringt, weibliche Priester zu weihen? Christiane Florin plädiert deswegen jetzt für einen „Weiberaufstand“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.