http://www.faz.net/-gpf-92qnw

Umkämpfter Norden : Irakische Streitkräfte rüsten sich offenbar für Militäreinsatz gegen Kurden

  • Aktualisiert am

Irakische Panzer Anfang Oktober nahe Hawija, knapp 60 Kilometer südwestlich der Stadt Kirkuk Bild: Reuters

Die Kurden im Norden des Iraks rüsten sich gegen die Truppen der Zentralregierung. Bagdad hat in der Provinz Kirkuk offenbar ebenfalls Einheiten zusammengezogen. Droht dem Irak ein Bürgerkrieg?

          In der umstrittenen irakischen Provinz Kirkuk haben am Freitag offenbar umfangreiche Truppenverlegungen stattgefunden. Die Nachrichtenagentur AFP hatte zunächst unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten irakischen General gemeldet, die Streitkräfte des Landes hätten einen Militäreinsatz zur Rückeroberung der Provinz Kirkuk von den Kurden gestartet. Ziel der Streitkräfte sei es, Militärstellungen zurückzuerobern, die sie vor drei Jahren an die kurdischen Peschmerga-Steitkräfte verloren hätten. Eine Bestätigung gab es dafür zunächst nicht. Ein Reporter der „Washington Post“ schrieb auf Twitter, das „Joint Operations Command“ der irakischen Streitkräfte bestreite jegliche militärischen Operationen.

          Zuvor hatte die Kurdenregierung in Erbil der Zentralregierung in Bagdad vorgeworfen, Truppen an der Grenze zusammenzuziehen und einen Angriff vorzubereiten. Sie versetzte die kurdischen Peschmerga-Kämpfer in der Region Kirkuk in Gefechtsbereitschaft. Tausende schwer bewaffnete Kämpfer seien „zur Verteidigung um jeden Preis“ bereit, erklärte ein Berater von Kurdenpräsident Massud Barsani.

          Der Sicherheitsrat der Kurdenregion stützte seine Einschätzung zu einem möglichen Angriff durch paramilitärische Milizen und die irakische Armee zunächst auf geheimdienstliche Erkenntnisse. Iraks Zentralregierung plane die Besetzung grenznaher Ölfelder, eines Flughafens und eines Militärstützpunkts, erklärte der kurdische Sicherheitsrat.

          Dafür habe sie Panzer und schwere Artillerie an der Grenze nahe Kirkuk mobilisiert. Die Kurden riefen Bagdad dazu auf, „die Aggression zu stoppen“.

          Schon am Vortag hatten kurdische Sicherheitskräfte in Erwartung einer bevorstehenden Offensive der irakischen Armee und ihrer Milizen stundenlang eine wichtige Überlandstraße blockiert. Iraks Ministerpräsident Haider al Abadi hatte da noch jegliche Interventionsabsicht dementiert: „Wir werden unsere Armee nicht für einen Krieg gegen unsere kurdischen Mitbürger einsetzen“, hatte er am Donnerstag gesagt.

          Die irakischen Kurden hatten sich in der Volksabstimmung vom 25. September mit fast 93 Prozent für die Loslösung ihrer Region vom Irak ausgesprochen. International wird das Votum nicht anerkannt, die Zentralregierung in Bagdad wertete das Votum als Provokation.

          Weitere Themen

          Die letzte Hoffnung des IS?

          Rizin als B-Waffe : Die letzte Hoffnung des IS?

          Der „Islamische Staat“ steht mächtig unter Druck, denn Europa reagiert auf konventionelle Anschläge gelassener als von den Terroristen erhofft. Nun suchen sie neue Wege, um Angst und Schrecken zu verbreiten.

          Familien mit Kindern inhaftieren Video-Seite öffnen

          Trump lenkt ein : Familien mit Kindern inhaftieren

          Das radikale Vorgehen der amerikanischen Behörden bei illegalen Einwanderern sorgt selbst in der republikanischen Partei für zunehmende Kritik. Nach einem innerparteilichen Treffen unterstützt US-Präsident Donald Trump nunmehr zwei Gesetzesentwürfe seiner Partei.

          Topmeldungen

          Erdogan und die Wahl : Die türkische Kakophonie

          Erdogans Wiederwahl als türkischer Staatspräsident gilt als sicher – doch seine Partei könnte die Mehrheit im Parlament verlieren. Was geschieht dann?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.