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Veröffentlicht: 10.07.2017, 17:55 Uhr

Kampf gegen den IS Irakische Armee meldet weiter schwere Gefechte in Mossul

Die irakische Regierung hat die Befreiung Mossuls verkündet, doch der IS hält immer noch kleine Gebiete in der Stadt. Auch die humanitäre Krise ist noch nicht vorbei, warnen die UN.

© dpa Irakische Spezialeinheiten feiern am Ufer des Tigris den Sieg über die IS-Anhänger, während in anderen Teilen Mossuls noch gekämpft wird.

Einen Tag nach der von der irakischen Regierung verkündeten Rückeroberung von Mossul haben sich Dschihadistenkämpfer und Regierungsarmee am Montag zunächst weiter erbitterte Gefechte geliefert. Kämpfer der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) hielten am Montag noch immer kleine Gebiete am Fluss Tigris. Dort rückte die Armee gegen die verbliebenen Extremisten vor, wie das irakische Staatsfernsehen meldete. Regierungschef Haider al Abadi erklärte, der vollständige Sieg in der Stadt sei dennoch „sicher“ und nur noch eine Frage der Zeit.

Armeekommandeur Sami al Aridhi berichtete am Montag von „schweren“ Gefechten mit den letzten verbliebenen IS-Kämpfern. Die Dschihadisten hielten sich demnach in einem etwa 100 mal 200 Meter großen Gebiet der Altstadt verschanzt. „Sie wollen sich nicht ergeben“, sagte al Aridhi. „Sie rufen: ‚Wir kapitulieren nicht, wir wollen sterben.‘“

Menschenrechtler warnten, auch das Leiden der Zivilisten sei noch lange nicht beendet. Die Vereinten Nationen (UN) erklärten, noch immer seien rund 700.000 Menschen aus Mossul vertrieben.

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Nach neun Monaten erbitterter Kämpfe hatte die irakische Regierung am Sonntag den Sieg über den IS in dessen Hochburg Mossul verkündet. In der Großstadt im Norden des Irak waren allerdings weiterhin Schüsse zu hören. Al Abadi erklärte nach einem Besuch in Mossul, er werde den vollständigen Sieg erst dann ausrufen, wenn die letzten Kämpfer der Dschihadistenmiliz aus der Stadt vertrieben seien.

Von der Leyen: Versöhnung und Wiederaufbau als nächste Schritte

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sprach von einer „entscheidenden Etappe“ im Kampf gegen den IS, Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) von einem „wichtigen Zwischenschritt“. Von der Leyen betonte, es sei richtig gewesen, „den eiskalten IS-Terror mit militärischer Stärke zu stoppen“. Jetzt komme der „nächste wichtige Schritt der Versöhnung und des Wiederaufbaus“. Das Ziel sei ein Irak, in dem die verschiedenen Volksgruppen und Religionen „gemeinsam für eine gute Zukunft arbeiten“.

47419944 © dpa Vergrößern Irakische Soldaten feiern am Sonntag einen Sieg in der einstigen IS-Hochburg Mossul.

Der britische Verteidigungsminister Michael Fallon lobte die irakische Regierung und die Streitkräfte für deren Erfolg im Kampf gegen den IS in Mossul. Aber es müsse „noch viel getan“ werden, um die Dschihadistenmiliz vollständig aus Mossul und Umgebung zu vertreiben, erklärte Fallon. Zudem seien „Säuberungseinsätze“ nötig, weil es die Gefahr von Sprengsätzen gebe.

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif beglückwünschte den Irak zur „Befreiung“ Mossuls. Die Regierung, die Armee und ganz Iran seien bereit, dem Irak beim Wiederaufbau der zerstörten Städte und der Infrastruktur zu helfen, erklärte der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates, Ali Schamchani, laut der Nachrichtenagentur Irna.

© dpa, reuters Kampf gegen den IS: Armee meldet vollständige Einnahme von Mossul

Über die Hälfte der Stadtteile zerstört

Nach Angaben des Norwegischen Flüchtlingsrates (NRC) harren noch immer Zehntausende Zivilisten in Mossul aus. Sie seien während der Kämpfe in der Stadt geblieben, auch weil die Flucht für sie zu gefährlich gewesen sei, sagte eine NRC-Sprecherin.

Bei den Gefechten um Mossul wurden den UN zufolge mehr als 900.000 Menschen aus der Stadt vertrieben. Um die 200.000 von ihnen konnten zurückkehren. Die humanitäre Krise sei noch nicht vorbei, sagte die UN-Koordinatorin für humanitäre Fragen im Irak, Lise Grande. Von 54 Stadtteilen in Mossul seien 15 stark und 23 mäßig zerstört. Vor allem in Westen der Stadt liegen ganze Viertel in Trümmern.

Mit Mossul verliert der IS seine letzte große Hochburg im Irak und die größte Stadt, die er je unter Kontrolle hatte. Die Extremisten waren im Juni 2014 überraschend in Mossul eingefallen und hatten die Millionenmetropole innerhalb kürzester Zeit überrannt.

Kein Rabatt für Links oder Rechts

Von Reinhard Müller

Das Strafrecht kennt weder rechts noch links; wohl aber Terror und Mord. Schuldig macht sich, wer Gewalt für ein Mittel der Politik hält. Mehr 65 148

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