06.07.2005 · Der irakische Arm von Al Qaida hat einen entführten ägyptischen Diplomaten angeblich „zum Tode verurteilt“. Terrorführer Zarqawi hat die Gründung einer „Brigadeeinheit“ angekündigt, die gegen die schiitische Miliz und irakische Soldaten kämpfen soll.
Die Terrorgruppe des Jordaniers Abu Mussab Zarqawi hat mit der Ermordung des am vergangenen Wochenende entführten ägyptischen Diplomaten Ihab al Scharif gedroht.
In einer angeblich von den Terroristen verfaßten Erklärung, die am Mittwoch in einem Islamisten-Internetforum veröffentlicht wurde, hieß es, das „Scharia-Gericht“ der Gruppe habe Al Scharif zum Tode verurteilt, weil dieser in seiner Eigenschaft als Botschafter „den ägyptischen Tyrannen“ (Präsident Husni Mubarak) verteidigt habe.
Weitere Anschläge angedroht
Ägypten sei ein Verbündeter der Vereingten Staaten und habe den Amerikanern geholfen „Gotteskrieger“ gefangen zu nehmen. Zuvor hatten die Entführer im Internet ein Foto von Ausweispapieren des Diplomaten veröffentlicht. Al Scharif war in Bagdad entführt worden. Das ägyptische Außenministerium bemüht sich seither um seine Freilassung, hat aber bisher keine Stellungnahme zu dem Fall abgegeben.
Zuvor hatte der irakische Arm von Al Qaida die Gründung einer neuen Einheit und weitere Angriffe angekündigt. Irakische Soldaten seien Söldner, die sich mit den Kreuzrittern verbündet hätten, um den Islam zu zerstören, sagt in einer Tonbandbotschaft auf einer Website von Islamisten eine Stimme, die Zarqawi zugeschrieben wird. Sie würden ebenso als Feinde betrachtet wie Amerikaner, hieß es in der im Internet verbreiteten Botschaft. Daher werde Al Qaida den Aufstand bis zur Befreiung des Landes fortsetzen.
Zugleich wurde die Gründung einer neuen Terroreinheit, der „Omar-Brigaden“, angekündigt. Deren einzige Aufgabe sei, die größte schiitische Miliz, die Badr-Brigaden des Obersten Rates für die Islamische Revolution im Irak (Sciri), zu bekämpfen. Der Widerstand der sunnitischen Rebellen gegen die schiitische Miliz war stets Anlaß zur Furcht vor einem Bürgerkrieg.
Zarqawi-Mentor festgenommen
Unterdessen wurde ein als Mentor Zarqawis geltender Jordanier in Amman festgenommen. Issam al Barqawi, auch bekannt als Scheich Abu Mohammed al Maqdisi, wurde gerade von Al Dschazira interviewt, wie der Fernsehsender mitteilte. Er soll Al Zarqawi in radikalislamischer Ideologie unterrichtet haben, als sich die beiden Ende der neunziger Jahre gemeinsam in Haft befanden.
Nach der Entlassung 1999 ging Zarqawi zunächst nach Afghanistan und später in den Irak. Barqawi blieb in Jordanien, wo er im vergangenen Jahr abermals angeklagt war, Anschläge auf amerikanische Einrichtungen geplant zu haben. Er war erst vor einer Woche aus der Haft entlassen worden.
Gefechte mit syrischen Einheiten
Die amerikanische Regierung reagierte derweil zurückhaltend auf Berichte aus Damaskus, nach denen syrische Truppen Extremisten daran hinderten, in den Irak zu gelangen. Sollten diese Angaben zutreffen, wäre das eine gute Sache, sagte Außenministerin Rice in Washington.
Den Berichten zufolge kam es am Montag an der Grenze zum Irak zu Gefechten zwischen syrischen Einheiten und militanten Kämpfern. Darunter hätten sich Leibwächter des gestürzten irakischen Staatschefs Saddam Hussein befunden sowie andere Beteiligte an den Aufständen gegen die Koalitionstruppen im Irak.
Pakistanischer Botschafter entgeht Attentat
Am Dienstag war der pakistanische Botschafter Yunus Khan im Bagdader Stadtteil Mansur einem Attentat entkommen. Kurz zuvor war der Geschäftsträger der bahrainischen Botschaft im selben Viertel bei einem gescheiterten Entführungsversuch verletzt worden.
UN- Generalsekretär Kofi Annan zeigte sich „zutiefst bestürzt“ über die jüngsten Attacken auf die Diplomaten. Er fürchte, dass die Bereitschaft der internationalen Gemeinschaft, „dem Irak in dieser entscheidenden Zeit zu helfen“, nach den jüngsten Vorfällen umschlagen könnte, hieß es in einer in New York veröffentlichten Erklärung. Die pakistanische Regierung forderte inzwischen ihren Botschafter auf, das Land vorübergehend zu verlassen. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, sagte in Kairo, Ziel der Geiselnahmen und Angriffe auf arabische Diplomaten sei es wohl, die Beziehungen des Iraks zu den arabischen Staaten zu stören.